Immer mehr Menschen gehen in Europa tauchen, vor allem auf Malta. Zwar gibt es keine Korallen im klassischen Sinn. Auch spektakuläre Meeresbewohner wie Walhai und Mantarochen sind hier nicht beheimatet. Dafür lockt die Insel mit Höhlen und Steilwänden. Vor allem ziehen aber die Schiffswracks Taucher an.
Taucher bei der Besichtigung eines Schiffswracks. (Foto: PIXSELL / EXPA / picturedesk.com)
Mit mehr als vierzig Schiffswracks in unterschiedlichen Tiefen ist die Wrackdichte des Mittelmeerlandes äußerst hoch. Zwar gibt es auch viele gesunkene Schiffe vor den Küsten von Kroatien, Frankreich, Italien und Norwegen. Allerdings liegen diese oft weit entfernt voneinander.
Die hohe Wrackdichte kommt nicht von ungefähr. Viele Schiffe sind auf natürlichem Weg gesunken. „Malta war im Ersten und auch im Zweiten Weltkrieg heiß umkämpft. Zahlreiche Wracks stammen aus dieser Zeit“, sagt der Geschäftsführer der Tauchschule Octopus Garden Marcel Klink. Aber auch die maltesische Regierung hat ihren Beitrag dazu geleistet.
Seit den 1990er Jahren versenkt sie Schiffe in unterschiedlichen Tiefen. Der Zerstörer der britischen Royal Navy HMS Maori liegt etwa in nur 14 Metern Tiefe. Das macht ihn zum idealen Wrack für Anfänger. Das Patrouillenboot P29 hingegen ist mit seinen 34 Metern Tiefe und zeitweise starken Strömungen nur für fortgeschrittene Taucher geeignet. Anfänger dürfen nur in maximal 18 Metern Tiefe tauchen.
Die künstlich versenkten Wracks sollen Taucher aller Niveaus anlocken. Die Taktik scheint zu funktionieren. „Die Vielfalt an Schiffswracks ist für unsere Kunden der Hauptgrund, warum sie sich bei ihrem Tauch-Trip für Malta entscheiden“, bestätigt der Tauchlehrer Florian Ratz von der Tauchschule Dive Systems Malta.
Malta hat die höchste Wrackdichte Europas. (Foto: PIXSELL / EXPA / picturedesk.com)
Versenkungen sind aufwendig. Die Küstenwache muss die Wracks zuerst sichern, bevor sie sie in den Hafen schleppen kann. Um Umweltbelastungen wie die Freisetzung von Schadstoffen ins Meer zu vermeiden, findet dort eine intensive Reinigung statt, bevor die Küstenwache sie wieder ins offene Meer hinauszieht und mittels Flutung versenkt.
Das ist auch kostspielig. „Eine Wrackversenkung kostet im Schnitt zwischen 750.000 und eine Million Euro“, sagt Klink. Malta ist nur etwa so groß wie die Hafenstadt Bremen und hängt damit stark vom Tourismus ab. Ein Grund, glaubt Klink, warum die Regierung so viel Geld in die Versenkung von Schiffen investiert. „Unter leidenschaftlichen Tauchern spricht sich ein frisch versenktes Wrack schnell herum. Das ist Marketing für Malta als Urlaubsdestination“, so Klink.
Tauchorte wie Italien, Kroatien oder Spanien liegen auf dem europäischen Festland und sind daher wirtschaftlich nicht so stark vom Tourismus abhängig. Versenkungen sind ihnen oft zu zeitaufwendig und zu teuer. Häufig übersteigen die Kosten der Versenkung den Wert des Schiffes.
Malta scheut Aufwand und Kosten nicht. Die Regierung plant ständig neue Versenkungen. Die letzte Versenkung fand im Sommer 2022 statt. 850.000 Euro kostete die Versenkung des sechzig Meter langen Öl-Tankers MV Hephaestus. Er lief im Jahr 2018 auf Grund und ließ sich nicht reparieren. Nun ist er in 45 Metern Tiefe eine beliebte Tauchattraktion für erfahrene Taucher vor Maltas Nachbarinsel Gozo.
Der Staat versenkte den Tanker bewusst in der Nähe von anderen Wracks, um Tauchern die Besichtigung von mehr als nur einem Wrack während eines Tauchgangs zu ermöglichen. „Die Multi-Wreck-Dives sind äußerst beliebt. Die Möglichkeit, während eines Tauchgangs mehrere Wracks zu besichtigen, ist eine Seltenheit“, sagt Klink.
Die Schiffswracks haben auch einen positiven Effekt auf die Umwelt. „Sie bieten optimale Bedingungen für die Ansiedlung von Schwämmen, Seeanemonen und Algen“, sagt Klink. Die auf den Wracks entstehenden Riffe bieten Fischen und Krustentieren Unterschlupf. So entstehen auch neue Laich- und Jagdgebiete und die Fischbestände können sich erholen. „Seit Malta die Versenkung von Schiffen intensiviert hat, gibt es an Maltas Tauchplätzen wieder mehr Fische“, sagt Klink.
Durch die künstlichen Wracks erholt sich der Fischbestand. (Foto: Herbert Meyrl / Westend61 / picturedesk.com)
Auch abseits der Versenkung von Schiffen legt der Staat Wert auf den Erhalt von Artenvielfalt im Meer. 35 Prozent der maltesischen Gewässer erklärte die Regierung zu Schutzgebieten. Die Fischerei ist dort stark eingeschränkt. Es gibt saisonale Fangverbote. Das Fischen von Jungtieren ist grundsätzlich verboten. Es gibt ein Monitoring für Delfin- und Walpopulationen und während der Brützeit der Karettschildkröten ist das Betreten der Neststrände verboten. Das Schnorcheln und Tauchen ist in der Gegend eingeschränkt.
Die Bemühungen zahlen sich aus. Die versenkten Wracks und die Schutzmaßnahmen erhöhen die Fischbestände. Das lockt nicht nur Taucher, sondern auch große Meeresbewohner an. „Kürzlich haben wir bei einem Tauchgang sogar wieder Delfine gesehen“, sagt Klink.
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