Heute, am 10. September, ist Weltpräventionstag. „Wo assistierter Suizid verfügbar wird, steigen die absoluten Fallzahlen dramatisch. Auch Medien tragen Verantwortung“, schreibt Petra Plonner, Unternehmerin, Beraterin und Vorsitzende der Bürgerbewegung fairändern, in einem Social Media Beitrag.
Den Fall des Journalisten und Pädagogen Niki Glattauer, der am 4. September im Rahmen eines assistierten Suizids seinem Leben ein Ende setzte, sorgte für mediales Aufsehen. Glattauer sprach in Interviews ein letztes Mal über seine unheilbare Krebserkrankung und die Entscheidung, sein Leben in Würde zu beenden. Er wollte damit zeigen, das selbstbestimmtes Sterben auch in Österreich seit 2022 legal möglich ist.
Für Beobachter wirkte es wie eine schlechte Werbekampagne und Petra Plonners Botschaft bestätigt das. Denn die weitreichende mediale Präsenz erzeugt Aufmerksamkeit, nicht nur im positiven Sinn, sondern auch bei Menschen, die womöglich in einer ähnlichen Situation sind und zunächst nicht an Suizid dachten. Die ihre Krankheit durchstehen wollten und sich nun von Glattauer inspirieren lassen.
Der Werther-Effekt, steigende Suizidraten bei medialer Verbreitung, ist unumstritten. Auch der Medienexperte Golli Marboe äußerte sich deshalb kritisch zur Berichterstattung über den assistierten Suizid Glattauers, da sie einen „würdevollen“ Tod ohne alternative Perspektiven zeige. Der Suizidforscher Thomas Niederkrotenthaler vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien ergänzte, solche Berichte würden assistierter Suizid als einzige Möglichkeit für einen würdevollen Tod präsentieren.
Sie mahnen mehr Vielfalt in der Darstellung ein. Etwa durch Beiträge zur Hospizarbeit oder über Erfahrungen von Angehörigen. Damit brächten sie den sogenannten Papageno-Effekt in Gang. Eine suizidpräventive Methode, die Betroffenen Hilfen, Hoffnung und Auswege zeigen soll.
Hier geht es nicht um eine Kritik an Glattauers Entscheidung selbst, sie bleibt seine persönliche, zutiefst individuelle Entscheidung. Vielmehr geht es um die Verantwortung der Medien. Ohne es zu beabsichtigen, legen sie schwerkranken Menschen den begleiteten Suizid als leicht möglichen Ausweg nahe. Vor allem psychisch belastete oder isolierte Menschen können sie damit in eine gefährliche Nachahmungsdynamik ziehen.
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