Wenn die Englischlehrerin „In English please!“ fordert, ist das in der Generation Z kein Problem. Denn Englisch ist schon lange keine Fremdsprache mehr für sie. Viel mehr ist die Sprache in ihren Alltag übergegangen, jeder und jede Zweite verwendet sie regelmäßig. Große Teile der Freizeit von Teenagern, vor allem Social Media, Serien und Videospiele, spielen sich inzwischen auf Englisch ab.
Englisch ist mittlerweile so stark im täglichen Leben junger Menschen verankert, dass sogar Alexander Van der Bellen auf TikTok-Kommentare reagiert, in denen ihn ein User als „goat“ bezeichnet. Was er erst googlen musste: Der Begriff steht hier nicht für „Ziege“ sondern für „greatest of all time“. In Englischaufsätzen würden die Schülerinnen den Begriff „goat“ nicht verwenden, aber er ist Teil ihrer Umgangssprache, entstanden in den Sozialen Medien. Sind also TikTok, Instagram und Snapchat die besseren Englischlehrerinnen?
Laut dem „Journal of applied linguistic research“ hat englischer Slang aus den sozialen Medien kaum Auswirkungen auf die Verbesserung der Grammatik. Positiv wirkt sich TikTok allerdings auf das Verständnis von Englisch-Native-Speakern aus. Die Menschen, deren Videos die Gen Z konsumiert, sind keine Akademikerinnen, sondern jung wie sie selbst. In ihrer Alltagssprache erzählen sie genau darüber: über ihren Alltag. Da kann es passieren, dass Wörter wie „goat“ in die Kommentarspalte des österreichischen Präsidenten oder vielleicht dann doch einmal in den Englischunterricht rutschen.
Schon im Jahr 2020 schnitten Schülerinnen der achten Schulstufe bei den Bildungsstandards in Englisch besser ab als noch 2013. Die Zahl der Risikoschülerinnen in diesem Fach schrumpfte um zwei Drittel. Mit den darauffolgenden Lockdowns und damit mehr Zeit für Serien und Instagram-Reels dürften die Englischkompetenzen noch weiter gestiegen sein. Das Bildungssystem scheint den Trend erkannt zu haben und zieht mit. Seit dem Schuljahr 2025/26 ist Englisch ein Pflichtgegenstand ab der dritten Klasse Volksschule.
Ein weiteres Bindeglied zwischen der Generation Z und der englischen Sprache sind Emotionen. Die Pädagogin Dr. Julia Davydova führte im Jahr 2024 eine Studie zum Thema an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg durch und kam unter anderem zu dem Schluss, dass diejenigen Jugendlichen, die emotional in englischsprachige Serien eingebunden sind, mehr Selbstvertrauen beim Englischsprechen gewinnen. Durch dieses Selbstvertrauen sind sie motiviert, sich weiter zu verbessern und geben weniger schnell auf, wenn Probleme oder Fehler auftreten.
Da macht es gleich viel mehr Spaß, sich den neuen Marvel-Blockbuster in Originalfassung (OV) anzusehen. Stefan Schramek, der Betreiber des Burgkino, bestätigt, dass OV-Filme immer beliebter werden. „In den vergangenen fünf bis zehn Jahren hat sich das Interesse daran stark gesteigert und damit wird auch das Publikum insgesamt jünger“, sagt er. Deutsche Synchronisationen, über die sich die Gen Z online oftmals lustig macht, werden so schnell aber trotzdem nicht aussterben, im Gegenteil. 60 Prozent der deutschen Streamingnutzerinnen konsumieren ihre Serien in Synchronfassung. Die befragten Teenager in der Vorarlberger Studie geben hingegen an, zwei- bis dreimal pro Woche englischsprachige Filme oder Serien anzusehen. Damit sind sie auf einer Wellenlänge mit dem Arthouse-Bereich, wo deutsche Synchronisationen besonders unbeliebt sind.
Die Frage, ob Englisch Deutsch als Alltagssprache komplett ersetzen wird, verneint Davydova von der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg . Viel wahrscheinlicher sei eine funktionale Bilingualität, also dass Englisch in Europa neben der Landessprache als wichtige zusätzliche Ressource erhalten bleibt. Auch dass Englisch als Weltsprache (lingua franca) von weit verbreiteten Sprachen wie Spanisch oder Chinesisch ersetzt wird, sei so nicht anzunehmen. Während die chinesische Schrift zu komplex und Spanisch über einen größeren regionalen als globalen Einfluss verfügt, führten Kolonialismus, Digitalisierung und Globalisierung zur weltweiten Verbreitung von Englisch. Laut dem Linguisten Ralf Methling wird eine Weltsprache durch die Weiterentwicklung von Übersetzungstools künftig aber ohnehin überflüssig.
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