Erst Australien, dann die Debatten in Großbritannien und Frankreich. Jetzt will auch Österreich Social Media für Unter-14-Jährige verbieten. Wenn es nach Digitalsekretär Alexander Pöll ginge, am liebsten noch dieses Jahr. Der ÖVP-Politiker sagte im Interview mit dem Ö1-Morgenjournal, es werde geklärt, wie die technischen Rahmenbedingungen aussehen sollen, damit das Verbot bis Herbst gelten könne. Die Politik trifft Entscheidungen über die Köpfe junger Menschen hinweg, das ist kein neues Phänomen. campus a hat bei Unter-14-Jährigen nachgefragt.
Überraschend viele sehen die Sache positiv. Hannah (12) etwa findet den Plan „gut“. Außerdem werde über Social Media viel gemobbt. Das gehe „gar nicht“, sagt sie. Für sie sind die Risiken klar: Es sind „viele böse Leute“ im Internet. Die Kinder sprechen über Stalking, gefährliche Kontakte und sogar über Entführung. Auch technische Funktionen sehen sie kritisch. Anna (13) verweist in diesem Zusammenhang auf Snapchat: Dort könne man über Standortfreigabe leicht herausfinden, wo jemand ist. Eine Chance, zum Beispiel für Stalker. Ein Verbot würde Kinder Ihrer Meinung nach schützen. „Es gibt viele üble ältere Leute und das Darknet“, sagt sie, „es muss halt viel strenger sein.“
Frida (12) steht dem Verbot ebenfalls gelassen gegenüber. Sie meint, man könne „warten, bis man älter ist“. Social Media sei „nicht das, was ich am meisten brauche“. Ein Verbot fände sie nicht unfair. Sie sieht es eher als eine Chance, mehr draußen zu sein oder „Kreatives“ zu machen. Viele der befragten Kinder stellen sich auf eine Umstellung ein und können zugleich nachvollziehen, dass andere das Verbot als unfair empfinden. Der erwartete Aufruhr bleibt aus. „Erst wird es schwer“, sagt Hannah (12), „und dann nix.“
Doch nicht alle wollen eine harte Linie. Magdalena (13) findet es „übertrieben“, gleich ganz Social Media zu sperren. TikTok und Instagram könne sie nicht verstehen, aber WhatsApp oder YouTube seien etwas anderes. Dort gehe es um Kontakt, nicht um endloses Scrollen. Es fühle sich „unfair“ an, wenn alle gesperrt werden, obwohl manche „gut damit umgehen“. Als Alternative fordert sie klare Bedingungen für die Nutzung, wie einen Social-Media-Führerschein.
Nicht alle Jugendlichen würden ein Verbot hinnehmen. Ein Befragter sagt, er wäre „schon wütend“, wenn die sozialen Medien für Unter-14-Jährige gesperrt würden. „Ich bin schon alt genug, um damit umzugehen, und ich weiß auch, wann es reicht.“ Dahinter steckt ein zentraler Einwand. Viele Kinder und Jugendliche haben nichts gegen Schutzregeln, ganz im Gegenteil. Die Regierung soll gegen Risiken vorgehen. Ihr Problem ist dabei eher die Pauschallösung. Statt eines Komplettverbots wünschen sich die Befragten Regeln, die schützen, ohne ihnen die Eigenverantwortung zu nehmen.
Schließlich sind soziale Medien für Jugendliche ein ebenso selbstverständlicher Teil ihres Lebens wie das Handy selbst. Ein Jugendlicher erzählt, er scrolle immer durch TikTok, wenn er einfach nur chille. Das beruhige ihn, sagt er, und fülle die Zeit, wenn gerade nichts los ist. Das Handy sei dann „immer da“ und manchmal sogar nützlich. Über TikTok habe er schon Orte und Ideen entdeckt und sei „gleich dort hingegangen. Im selben Atemzug spricht er aber auch die Kehrseite an. Die Apps machten teilweise „sehr süchtig“.
Das Handy ist für Jugendliche nicht nur ein Zeitvertreib. In den Gesprächen taucht immer wieder ein Satz auf: „Man bleibt informiert.“ Zwei Jugendliche sagen, sie schauen kaum fern. Nachrichten bekämen sie oft über Instagram oder TikTok: „Dann weiß ich, was in der Welt passiert.“ Studien stützen das. Die KIM-Studie 2024 stellt fest, dass 20 Prozent der 6- bis 13-Jährigen in Deutschland aktiv in den sozialen Netzwerken nach Infos zum Weltgeschehen suchen. Zwar fehlen vergleichbare Daten für Österreich, doch europaweit bestätigt der wissenschaftliche Dienst des EU-Parlaments diesen Trend. 65 Prozent der Jugendlichen verwenden Social Media als Hauptquelle für Informationen. Wie die österreichische Bundesregierung diese Informationslücke für Jugendliche füllen möchte, bleibt noch offen.
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Relevantes Thema. Würde mich schon fast positiv für ein Verbot aussprechen. Sogar in unserem Alter (20er) merkt man die Auswirkungen von zu viel Social Media Konsum
03 February 2026