Im Jänner füllen sich Supermarktregale mit pflanzlichen Alternativen, Restaurants erweitern ihre Speisekarten, viele nehmen sich vor, ihre Ernährung zumindest für einen Monat umzustellen. Was 2014 als kleine Initiative mit wenigen tausend Teilnehmenden begann, hat sich zu einer weltweiten Bewegung entwickelt: Im Januar 2025 beteiligten sich laut Kampagnenbericht der internationalen Organisation Veganuary rund 25,8 Millionen Menschen. Der vegane Jänner ist längst kein Nischenphänomen mehr. Doch was passiert nach den 31 Tagen. Bleibt etwas von der Umstellung oder ist im Februar alles wie davor?
Der Veganuary ist eine zeitlich begrenzte Einladung: einen Monat lang vegan essen, ohne Verpflichtung darüber hinaus. Was heute als globales Ereignis wahrgenommen wird, begann 2014 als kleine Initiative in Großbritannien. Die gleichnamige gemeinnützige Organisation wollte einen niedrigschwelligen Einstieg in pflanzliche Ernährung schaffen – bewusst begrenzt auf den Jänner und als Versuch angelegt.
Inzwischen hat sich der vegane Jänner zu einem internationalen Format entwickelt. Laut dem Kampagnenbericht der Organisation beteiligten sich im Jänner 2025 weltweit rund 25,8 Millionen Menschen an der Aktion. Die Kampagne ist heute in zwanzig Ländern präsent und arbeitet mit Handel, Gastronomie, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen zusammen. Der Veganuary richtet sich damit längst nicht mehr nur an Einzelpersonen, sondern greift gezielt in bestehende Angebotsstrukturen ein.
Charakteristisch für den Veganuary bleibt seine zeitliche Begrenzung. Gerade sie macht den Einstieg für viele attraktiv: Der Verzicht ist überschaubar, der Rahmen klar definiert. Gleichzeitig bündelt der fixe Zeitraum Aufmerksamkeit, medial wie wirtschaftlich. Für einen Monat rückt pflanzliche Ernährung in den Mittelpunkt öffentlicher Debatten, Marketingstrategien und Speisekarten. Der Veganuary ist damit weniger eine klassische Kampagne als ein wiederkehrender Testlauf: ein kollektives Experiment, das sichtbar macht, wie offen Gesellschaft und Markt für pflanzliche Alternativen geworden sind.
Wachsendes Angebot: Mit der wachsenden Zahl an Teilnehmer:innen verändert sich im Veganuary auch das Angebot spürbar. Laut dem Kampagnenbericht der Organisation kamen im Jänner 2025 weltweit mehr als 1.480 neue vegane Produkte und Gerichte auf den Markt. Der vegane Monat wirkt damit längst nicht mehr nur auf individueller Ebene, sondern greift sichtbar in bestehende Marktstrukturen ein.
In Österreich reagieren große Lebensmittelhändler gezielt auf die erhöhte Nachfrage. Supermarktketten wie Billa und Lidl erweitern im Jänner ihr pflanzliches Sortiment, bewerben vegane Produkte gebündelt und senken punktuell die Preise. Pflanzliche Ernährung wird damit nicht nur sichtbarer, sondern auch niederschwelliger zugänglich gemacht.
Auch in der Gastronomie zeigt sich die Dynamik des Veganuary. In Wien stellten einzelne Würstelstände, etwa an den Standorten Spittelau und Pfeilgasse, ihr Angebot im Jänner vollständig auf pflanzliche Varianten um. Gleichzeitig reagieren große Ketten wie Vapiano mit vergünstigten veganen Alternativen auf den Aktionsmonat. Ergänzt wird dieses Bild durch zahlreiche kleinere Restaurants, die temporär zusätzliche pflanzliche Gerichte auf ihre Speisekarten setzen.
Der vegane Jännerr ist damit kein Randphänomen einzelner Zielgruppen mehr, sondern ein Ereignis, das unterschiedliche Ebenen des Alltags erreicht: vom Lebensmitteleinkauf über die Systemgastronomie bis hin zur klassischen Imbisskultur. Für einen Monat wird pflanzliche Ernährung breit verfügbar gemacht, sichtbar, planbar und fest im Alltag verankert.
Was über den Jänner hinaus bleibt, lässt sich weniger eindeutig beziffern. Viele Teilnehmer:innen kehren nach dem Veganuary zwar zu flexibleren Ernährungsformen zurück, doch auf Angebotsseite zeigen sich teils nachhaltigere Veränderungen. Einzelne Unternehmen behalten neu eingeführte pflanzliche Produkte auch nach dem Aktionsmonat im Sortiment. Auch in der Gastronomie bleiben ursprünglich temporäre Veganuary-Angebote mancherorts verfügbar oder werden zumindest punktuell weitergeführt.
Hinweise auf mögliche längerfristige Effekte liefert zudem eine im Kampagnenbericht zitierte Studie der University of Exeter. Sie deutet darauf hin, dass die Teilnahme am Veganuary bei einem Teil der Teilnehmer:innen mit einer anhaltenden Reduktion des Fleischkonsums einhergehen kann – auch dann, wenn keine dauerhaft vegane Ernährung folgt. Die Ergebnisse beziehen sich dabei ausdrücklich auf Teilnehmer:innen und erlauben keine Rückschlüsse auf die Gesamtbevölkerung.
Der vegane Jänner erweist sich damit weniger als dauerhafte Umstellung für alle, sondern als Impuls, den viele in ihren Alltag mitnehmen: nicht zwingend durch vollständigen Verzicht, wohl aber durch neue Routinen, bewusstere Entscheidungen und eine größere Offenheit für pflanzliche Alternativen, die über den Jänner hinaus bestehen bleiben können.
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