Viele Flughäfen von Dubai, Doha, Abu Dhabi, Katar, Bahrain, Kuwait, Jemen, Irak und Israel, sind aufgrund der eskalierenden kriegerischen Angriffe zwischen Iran, Israel und den USA in der Region gesperrt. Betroffen sind davon laut österreichischem Außenministerium auch 17.700 Österreicher, darunter 2.600 Geschäftsreisende und Urlauber. Die Dunkelziffer inklusive Durchreisender dürfte höher sein. Unter ihnen sind der Wiener Jakob Jelinek und seine Partnerin, die campus a in Doha erreichte. Die beiden sitzen in einem künstlich angelegten Inselviertel im Venedig-Stil in Doha, Katar, fest, in der Wohnung eines Bekannten. „Die haben uns aufgenommen und helfen uns.“ Vom Fenster aus sehen Sie einen vertrauten Spar-Supermarkt, der sie an ihre Heimat erinnert, aber Trost spendet er nur wenig.
Eigentlich verbrachten sie einen Urlaub in Sri Lanka. Der Rückflug nach Wien, mit Zwischenstopp in Doha, war bereits am Samstag geplant. Als das Flugzeug nach Wien mit wie geplant den Hamad International Airport verließ, verkündigte der Pilot die Luftraumsperre. „Ein Mann neben uns hatte WLAN und sagte, Israel habe den Iran angegriffen“, erzählt Jelinek.
Nachdem das Flugzeug einige Runden gedreht hat, landeten es schließlich mit vielen anderen Maschinen wieder am Flughafen. „Als wir ausstiegen und uns alle in den Wartesaal setzten, gingen auf allen Handys die Alarme los.“ Unmittelbar danach waren die ersten Detonationen zu hören. „Sie wollten den Flughafen angreifen.“
Da in der Nähe kein Bunker oder Schutzraum verfügbar war, blieben sie zunächst im Terminal: „Wir dachten, dort seien wir am sichersten.“ Gemeinsam mit zahlreichen anderen gestrandeten Passagieren verbrachten sie die Nacht dort. Am Sonntagmorgen berichteten Medien von Angriffen auf Flughäfen in Dubai und Abu Dhabi. „Es entstand ein Chaos, weil nun alle gleichzeitig weg wollten.“
Auf dem Weg zu der Wohnung des Freundes dann der nächste Schreckensmoment: „Der Taxifahrer lehnte sich nach vorne übers Lenkrad, blickte nach oben und gab Gas. Dann hörten wir ein dumpfes Knallen und es hat vibriert.“ Das Abwehrsystem in Katar fing jedoch alle Raketen ab. „Das werde ich nie wieder aus meinem Kopf bekommen,“ sagt Jelinek.
Seitdem zerrt die Situation sichtbar an den Nerven der beiden. Die Explosionen, die Tag und Nacht zu hören sind, rauben ihnen den Schlaf. „Du weißt nie, wie weit die Raketen oder Drohnen wirklich entfernt sind. Gestern beim Frühstück hat alles vibriert.“ Immerzu schauen sie aus dem Fenster und hoffen, keine Wölkchen zu sehen, die auf Raketeneinschläge hindeuten könnten.
Trotz Registrierung bei der österreichischen Botschaft gibt es bisher noch keinen bestätigten Rückflug. Erst heute kam die Information über einen möglichen Heimflug von Riad am Mittwoch. Manche würden versuchen per Taxi eigenständig nach Saudi-Arabien zu fahren, um von dort aus heimzufliegen. Jelinek hält das für zu gefährlich, und die Taxifahrer verlangen dafür Wucherpreise von bis zu 1.300 Dollar. „Wir hoffen auf die Botschaft und eine organisierte Heimreise.“
Trotz allem betont Jelinek, dass es ihnen besser geht als vielen anderen: „Für die Zivilisten, die hier leben, und die keine Möglichkeit haben, so schnell zu flüchten, ist das viel schlimmer.“
Blick aus dem Fenster des Paars: Die Katara Towers in Lusail City, nördlich von Doha im Hintergrund. (Foto: Privat)
Seitens der Austrian Airlines hieß es, die Flüge nach Tel Aviv, Beirut, Amman, Erbil, Dammam und Teheran seien bis zum 8. März ausgesetzt. Die Lufträume von Israel, Libanon, Jordanien, Irak, Katar, Kuwait, Bahrain und Iran seien ebenfalls gesperrt. “Austrian Airlines prüft derzeit intensiv Möglichkeiten und Optionen, um ihren Fluggästen alternative Flugmöglichkeiten anzubieten. In dieser Sondersituation ist eine konkrete Planung jedoch eine große Herausforderung”, so ein Sprecher.
Das Österreichische Bundesheer steht derzeit nicht für Rückholungen zur Verfügung, da keine der beiden C-130-Hercules-Maschinen einsatzfähig ist. Einerseits sei eine Luftbrücke durch Soldaten aufgrund der Sperre technisch gar nicht möglich, anderseits befindet sich eine der Maschinen in Langzeitwartung in Portugal, die andere habe Probleme mit dem Tank, wie die Presse berichtet.
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Sehr geehrte Frau Ehrensberger, vielen Dank für Ihren informativen Artikel über die persönlichen Auswirkungen des Krieges auf Reisende. Gestrandet in Nahost: „Tag und Nacht hören wir die Raketen“ Der Wiener Jakob Jelinek und seine Freundin sitzen in Doha, Katar, fest. Was mir etwas "aufstösst": warum hat seine Freundin keinen Namen? Gerade in der heutigen Zeit finde ich das so wichtig, dass Frauen nicht einfach "unter den Tisch" fallen. Mit freundlichen Grüßen A. Christine Maaß
04 March 2026