Schon wenige Tage nach dem Sieg Österreichs im Mai 2025 setzte ein regelrechter Buchungsansturm ein. Fans sicherten sich vorsorglich Hotelzimmer in Wien und Innsbruck. Zu diesem Zeitpunkt wussten sie noch nicht, wo und wann der Wettbewerb überhaupt stattfinden würde.
Die Zahlen zeigen wie stark die Hotelpreise rund um den ESC tatsächlich anziehen. Im “B&B Hotel Wiener Stadthalle” etwa kostet ein einwöchiger Aufenthalt für zwei regulär rund 540 Euro. Eine Woche vor dem Contest steigt der Preis auf 1.140 Euro. Mehr als doppelt so viel. In der ESC-Woche selbst werden schließlich 2.220 Euro fällig. Eine Steigerung von mehr als 300 Prozent im Vergleich zum Normalpreis.
Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch in anderen Kategorien: Hotelketten wie das „ibis Hotel“ am Wiener Hauptbahnhof erhöhen ihre Preise für sechs Nächte von etwa 550 Euro auf rund 1.100 Euro. Ebenfalls nahezu eine Verdopplung. Rund um die Stadthalle verlangen Anbieter inzwischen meist vierstellige Beträge. Auf Buchungsplattformen bieten einige Unterkünfte ihre Zimmer sogar um bis zu 4.800 Euro an. Etwas weiter außerhalb, etwa in Donaustadt, finden sich noch Angebote ab rund 700 Euro pro Woche. Doch auch sie liegen deutlich über dem üblichen Niveau. Insgesamt zeigt sich ein klares Bild: Je näher am Geschehen, desto größer die Aufschläge.
Private Wohnungen werden dementsprechend zu begehrten Unterkünften. Sebastian (Name geändert) bietet seine Altbauwohnung nahe der Stadthalle gelegentlich über die Plattform “Airbnb” an. Allerdings nur, wenn er selbst nicht in der Stadt ist. Für die ESC-Woche von 11. bis 17. Mai hat er bewusst seine Pläne angepasst: “Ich fahre in der Woche aufs Land. Dann haben meine Mieter die ganze Zeit eine Unterkunft und ich meinen Urlaub.” Statt wie üblich einzelne Nächte zu vermieten, hat er die gesamte Woche für 2.500 Euro an zwei Gäste aus Australien vergeben. Er verlangt aufgrund der Nachfrage doppelt so viel wie sonst.
Anbieter wie Sebastian sind bereits routiniert. Aber auch immer mehr Amateure nehmen den ESC als Anlass, sich erstmals an einer kurzfristigen Vermietung zu versuchen. Sie werben mit Schlagworten wie “Eurovision Fan Camp” oder “Eurovision Apartment”. Die eigenen vier Wände werden also zur Einnahmequelle. Solche Angebote bewegen sich allerdings häufig in einer rechtlichen Grauzone. Die Regelungen der Stadt Wien lauten wie folgt: In Gemeindebauwohnungen ist eine Vermietung generell untersagt und Mietwohnungen können ebenso Verbote im Mietvertrag stehen haben. Auch Eigentumswohnungen sind nicht der Freifahrtschein. Teils müssen hier die Nachbarn der Untermiete zustimmen.
Noch einen Schritt weiter gehen diejenigen, die keine eigene Unterkunft anbieten, sondern schlichtweg vorhandene Buchungen weiterverkaufen. Ein Wiener, der anonym bleiben möchte, verkauft etwa ein bereits gebuchtes Doppelzimmer im “a&o Hotel Wiener Stadthalle” um 900 Euro. “Ich biete es an, weil ich ursprünglich für Bekannte gebucht habe, die jetzt leider verhindert sind.“, so der Mann. Sein Gewinn bleibt klein. Er hat lediglich 100 Euro auf den ursprünglichen Preis aufgeschlagen. Zwar kein klassisches Geschäftsmodell, doch es zeigt, wie kreativ die Leute bei steigender Nachfrage werden.
Dass es aber auch ganz ohne Profitgedanken geht, zeigt Roland Nüssel aus Ebreichsdorf, der sich beim ESC als freiwilliger Helfer engagieren wird. Er sitzt selbst im Rollstuhl und nutzt die Gelegenheit auf seine eigene Weise: Er plant, Menschen mit eingeschränkter Mobilität durch Wien zu begleiten und ihnen barrierefreie Wege zu zeigen. Gleichzeitig stellt er von 27. April bis 17. Mai ein Zimmer in seiner Wohnung kostenlos zur Verfügung. Das ist der gesamte Zeitraum in dem die freiwilligen Helfer verfügbar sein müssen. “Welcher dumme Neandertaler hätte jemandem von weit entfernt keinen Schlafplatz in seiner Höhle angeboten?“, so Nüssel. Er öffnet seine Tür bewusst ohne Gegenleistung, sondern nur aus Überzeugung und dem Wunsch heraus, den ESC in Wien für alle zugänglich zu machen.
In wenigen Wochen reisen tausende Fans an und finden auf jeden Fall irgendwo einen Schlafplatz. In Wien ist der Markt längst in Bewegung. Mal sehen, welche europäische Stadt es als nächstes trifft.
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