campus a: Für alle, die ABBA Voyage noch nicht kennen: Was unterscheidet ABBA-Voyage von einem klassischen Konzert?
Manuel Hollendohner: Der größte Unterschied ist, dass die Hauptfiguren des Konzerts, die Mitglieder von ABBA, nicht real, sondern als virtuelle Avatare auf die Bühne produziert sind. Es performen somit insgesamt vierzehn Personen: Eine zehnköpfige Live-Band aus Musikern und Sängern, sowie vier ABBA-Avatare.
Wie ist es, mit virtuellen ABBA-Figuren auf der Bühne zu stehen? Ist es ähnlich zu einem normalen Konzert?
Es macht sehr viel Spaß, unterscheidet sich aber stark von einem „normalen“ Konzert. Die virtuellen ABBA-Figuren performen jede Show gleich. Es gibt keine spontanen Witze, Sprüche oder direkte Interaktion mit dem Publikum.
Agiert das Publikum dann anders?
Nicht wirklich. Die Leute jubeln, singen und schwelgen mit Tränen in den Augen in Kindheitserinnerungen. Teilweise scheint es mir, als würden sie vergessen, dass die ABBA-Band nicht real ist.campus a: Gerüchten zufolge soll ABBA-Voyage bald enden. Kannst du das bestätigen?
Die Gerüchte stimmen nicht. Sie entstehen vermutlich, weil die Produzenten die Tickets nur halbjährlich freischalten. Da kann ich also Entwarnung geben, ABBA-Voyage geht weiter.
Seit rund einem halben Jahr bist du der Schlagzeuger von ABBA-Voyage. Hattest du in der Zeit die Gelegenheit die ABBA-Band persönlich kennenzulernen?
Ich habe Benny Andersson, Gründungsmitglied und Pianist von ABBA, vergangenes Jahr bei der Generalprobe für die Show kennengelernt, er wirkte so bodenständig und nahbar. Ich habe ihm die Hand geschüttelt und auf seine Anweisung den Klang der kleinen Trommel perfektioniert. Das war unglaublich.
Du hast seit deinem Start bei ABBA-Voyage insgesamt vor rund einer halben Millionen Menschen gespielt. Wie fühlt sich das an?
Es ist unbeschreiblich und kaum greifbar. Heute spiele ich meine 181. Show. Das macht mich sehr stolz. Hätte mir jemand vor zirka zweieinhalb Jahren diesen großen Erfolg vorausgesagt, ich hätte es niemals geglaubt.
Wie war der Bewerbungsprozess für ABBA-Voyage? Wie hast du den Job ergattert?
In der ersten Phase habe ich meine Bewerbungsunterlagen eingeschickt, dann durfte ich und dreihundert weitere Bewerber vor einer Jury drei von fünf vorab bekannt gegebenen ABBA-Liedern performen. In der engeren Auswahl stellten die Produzenten verschiedene Band-Konstellationen zusammen. Bei der finalen Auswahl entschieden sie sich zum Glück für mich als ihren Schlagzeuger.

Du bist Ende 2023 im Alter von 23 Jahren nach London gezogen. Warum?
Die österreichische Musikbranche ist sehr klein, wer den Traum vom internationalen Erfolg hat, ist in Amerika oder London besser aufgehoben. Der Umzug hat sich 2023 gut ergeben, meine Freundin bekam ihre Traumstelle als Kindergartenpädagogin und wir verließen Österreich.
Hattest du zu dem Zeitpunkt ein Stellenangebot in London?
Mein erster Job in London war als Babysitter. Dreimal die Woche habe ich auf ein Kind aus dem Kindergarten aufgepasst. Mein erster Job mit Musikbezug war im Bühnenteam. Ich habe beim Bühnenaufbau und -abbau von Stars wie Taylor Swift oder Pink mitgeholfen. Das war sehr hart, der Abbau nach dem Taylor Swift Konzert dauerte zum Beispiel bis vier Uhr morgens.
Konntest du durch die Stelle Kontakte knüpfen?
Auch nicht wirklich. Aber ich bin trotzdem sehr dankbar für diese Erfahrung. Jetzt schätze ich sowohl die Arbeit hinter den Kulissen als auch mein Leben als Musiker umso mehr. Musiker betreten als letzte die Bühne, verlassen sie als erste und sie bekommen den Ruhm und die Anerkennung. Ohne die zahlreichen Helfer funktioniert allerdings gar nichts.
Du bist in Niederösterreich aufgewachsen, wie ist das Leben für dich in der Großstadt? Vermisst du Österreichs Natur?
London ist eine sehr grüne und lebenswerte Stadt. Ich laufe regelmäßig durch einen Park direkt um die Ecke. Aber klar, ich vermisse die Berge schon manchmal, das fehlt mir dann schon.
Wie haben deine Familie und deine Freunde reagiert, als du ihnen gesagt hast, du wanderst aus?
Sie waren alle sehr supportive. Innerhalb der Familie hat nie jemand gesagt, mach das nicht. Meine Freunde waren teils skeptisch, da kamen zweifelnde Aussagen wie „Kannst du mit Musik überhaupt etwas erreichen?“ Solche Fragen waren nicht böse gemeint, aber auch nicht sonderlich hilfreich.
Wie häufig bist du zurück in der Heimat?
Derzeit selten, dafür habe ich kaum Zeit. Allerdings kommen mich meine Familie und Freunde häufiger mal besuchen. Darauf freue ich mich immer sehr.
Hat sich dein internationaler Erfolg in deinem Heimatsort Kirchberg am Wechsel herumgesprochen? Bist du zuhause ein Star?
Für meine jüngeren Cousins und Cousinen bin ich ein Riesenstar. Es ist immer lustig, wenn sie mich stolz ihren Freunden vorstellen. Manchmal werde ich im Dorf angesprochen. Die Leute fragen mich, wie es mir geht und wie mein Leben in London ist. Als Star würde ich mich aber nicht bezeichnen.
Bisher hast du 180 Shows für ABBA-Voyage gespielt. Gab es eine, die besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ja, die Show an meinem Geburtstag dieses Jahr. Meine Freundin hat mich überrascht. Ich habe aufgeschaut und da stand sie plötzlich vor mir im Publikum. Ich habe mich wahnsinnig gefreut.
Bist du auch privat ein ABBA-Fan?
ABBA ist schon lange ein Teil von meinem Privat- und Musikerleben. Ich hörte schon als Kind mit meinen Eltern ABBA. 2023 spielte ich bei den Seefestspielen in Mörbisch das Mamma Mia!-Musical und einer meiner ersten Auftritte in London war bei einem ABBA-Tribute. Mein Lieblingslied ist „As Good As New.“ Leider spielen wir den Song nicht bei ABBA-Voyage. Von den aktuellen Konzertliedern ist das Medley aus „Lay All Your Love On Me, Gimme Gimme, Summer Night City und Voulez-Vous” mein Favorit.
Hast du schon Pläne für danach? Gibt es ein großes Ziel, das du schon seit deinen Anfängen als Musiker verfolgst?
Vor wenigen Tagen habe ich meinen Vertrag bei ABBA-Voyage um ein weiteres Jahr verlängert. Wie es danach weitergeht, weiß ich nicht. Mein großes Ziel ist es, eines Tages vor einem ausverkauften Stadion zu spielen. Beispielsweise wäre ich gerne der Schlagzeuger von Lewis Capaldi.
Welchen Rat würdest du jungen Musikern mit auf den Weg geben?
Arbeite hart, lass dich von niemanden kleinreden, verfolge deine Ziele und Träume. Dann gehen sie auch in Erfüllung.

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