Neulich ist vor mir wieder ein Auto ohne zu blinken rechts abgebogen. Nicht plötzlich im letzten Moment, sondern mit dieser langsamen, selbstverständlichen Bewegung, bei der man erst versteht, was passiert, wenn man schon auf die Bremse steigen muss. Ich habe mich mehr darüber geärgert, als eigentlich nötig gewesen wäre.
Vielleicht, weil der Blinker so eine kleine Geste ist. Eine winzige Bewegung der Hand, kaum Aufwand. Aber gleichzeitig ist er eines der wenigen Zeichen im Alltag, mit denen man fremden Menschen unmittelbar mitteilt: Ich habe euch gesehen. Ich kündige an, was ich tun werde. Ihr müsst nicht raten.
Der Blinker als Zeichen des Miteinanders
Immer öfter habe ich das Gefühl, dass genau diese kleinen Rücksichten verschwinden. Nicht aus Bosheit. Eher aus Gewohnheit. Viele fahren, als wären die anderen Verkehrsteilnehmer nur bewegliche Hindernisse in einem Computerspiel. Hauptsache, man selbst kommt durch. Der Gedanke, dass andere auf die eigene Handlung reagieren müssen, scheint manchmal gar nicht mehr mitzudenken.
Besonders absurd ist, dass dieselben Menschen oft völlig selbstverständlich bremsen. Mitten auf der Straße. Ohne Vorwarnung. Als wäre der Vorgang des Abbiegens etwas Intimes, das erst im letzten Moment enthüllt werden darf. Der Blinker käme eigentlich vor der Bremsung. Aber oft blinkt das Auto erst während des Abbiegens, zu einem Zeitpunkt, an dem die Information niemandem mehr hilft.
Wenn Rücksicht im Alltag verschwindet
Vielleicht zeigt sich darin etwas, das man auch außerhalb des Straßenverkehrs bemerkt: Viele Menschen denken im Alltag nur noch an ihren eigenen Ablauf. Man sieht es auch im Supermarkt, wenn jemand plötzlich mitten im Gang stehen bleibt, oder auf dem Gehsteig, wenn Leute abrupt stehen bleiben, ohne auf andere zu achten. Kleine Situationen, in denen man merkt, wie wenig manche noch mitdenken, dass andere Menschen ebenfalls Platz brauchen und reagieren müssen.
Und vielleicht macht genau das den fehlenden Blinker so frustrierend. Nicht nur die zusätzliche Bremsung oder der Schreckmoment. Sondern das Gefühl, dass manche vergessen, dass ihr Verhalten auch andere beeinflusst. Im Straßenverkehr ist man nie allein unterwegs. Jede Entscheidung wirkt sich auf andere aus. Gerade deshalb sollte man Rücksicht nehmen. Nicht nur aus Höflichkeit, sondern auch, damit keine gefährlichen Situationen oder Unfälle entstehen.