Eine Maschine, so groß wie zwei Fußballfelder, presst flüssige Aluminiumlegierung in eine Form und drückt das Metall mit über neun Tonnen Druck zu einer Autokarosserie zusammen. In nur 76 Sekunden produziert das chinesische Unternehmen Xiaomi so sein neustes Elektroauto, den SU7. Ohne die gigantische Maschine müssten Mitarbeiter 840 Stellen zusammenschweißen, mit der Maschine geht das komplett automatisch in unter zwei Minuten. Der 9100T ist das Kernstück der beschleunigten Produktion von Xiaomi und verändert den Automarkt.
Xiaomi produziert eigentlich Elektronikgeräte aller art. Zuerst nur für den chinesischen Markt, mittlerweile sind die Produkte des Elektronikherstellers weltweit erhältlich. So wurde das Unternehmen zum drittgrößten Smartphone Produzenten der Welt. Bei elektrischen Konsumgütern bleiben sie aber nicht, seit 2024 produziert Xiaomi Autos, im Folgejahr verkaufte das Unternehmen schon mehr als vierhunderttausend.
Das Modell erinnert an optisch an die europäischen Luxusmarken Ferrari oder Lamborghini, beim Preis unterscheiden sich die Autos jedoch. In China ist das Basismodell schon um 28.000 Euro zu haben. Bis 2027 will Xiaomi auch in den europäischen Markt einsteigen.
Vom Spielzeugauto zum Tesla
Alle 76 Sekunden produziert Xiaomi ein Auto. Bei einem vergleichbaren europäischen Modell, dem Porsche Taycan, läuft ein Auto alle sieben Minuten übers Band. Den Geschwindigkeitsvorteil verschafft sich das chinesische Unternehmen durch die ihr Produktionsverfahren mit der großen Presse und der vorgefertigten Form.
Tesla pionierte diese Methode. Die Firma von Elon Musk setzte zuerst beim Model Y auf das Druckgussverfahren. Die Inspiration lieferten Spielzeugautos, bei diesen wird Aluminium in Formen gespritzt, bevor sie weiterverarbeitet werden. Das spart Kosten und beschleunigt die Produktion. Mit der italienischen Firma Idla konnte dieser Prozess auf echte Autos angewandt werden.
Xiaomi oder Tesla verwenden weniger Einzelteile als Autohersteller zuvor. Das bringe zwar in der Produktion viele Vorteile, sei aber in der Reparatur kritisch, heißt es seitens des ÖAMTC. Für den Endverbraucher könnte es also zu Problemen kommen. Da diese Herstellungsart derzeit noch keine Marktrelevanz hätte, seien die möglichen Auswirkungen aktuell noch nicht abzuschätzen, sagt der ÖAMTC. Trotz der Kritik am Produktionsverfahren sind die Wartelisten auf den SU7 lang. Xiaomi hofft mit der Produktion hinterherzukommen.
Innovative Verfahren in der Autoproduktion
Henry Ford, gilt als Vorbild für Elon Musk und Tesla. Ford revolutionierte die Autoproduktion und legte den Grundstein moderner Arbeitsverfahren, die Autos massentauglich machten. Für das Model T entwickelte Ford im Jahr 1913 die Fließbandproduktion. Er unterteilte die Fertigung in einzelne Arbeitsschritte und optimierte so die Prozesse. Die Mitarbeiter von Ford montierten erstmals ein Auto innerhalb von neunzig Minuten.
Das Verfahren ist heutzutage kaum wegzudenken. Autos, Flugzeuge, Smartphones und viele andere Konsumgüter werden durch Fließbandproduktion hergestellt. Durch die gesenkten Produktionskosten und die hohe Nachfrage änderte Ford nicht nur moderne Produktionsprozesse, Autos wurden zugänglich für die breite Gesellschaft.
Das Druckgussverfahren, das Xiaomi jetzt verwendet, auch als Giga Press bekannt, führt diese Entwicklung fort. Neben Tesla und Xiaomi verwenden auch Toyota, Hyundai und Volvo das Verfahren.
Niedrige Preise locken Kunden
Verbraucher könnten durch die effizientere Produktion auf niedrigere Preise für Neuwagen hoffen. Die steigenden Automobilpreise der vergangenen Jahre machen sich bei Kunden bemerkbar, wie eine Befragung von Consors Finanz zeigt. 87 Prozent der europäischen Befragten nahmen Preiserhöhung für Autos wahr, 61 Prozent fanden diese Erhöhung nicht nachvollziehbar, gaben sie an.
Laut demselben Bericht machen sich chinesische Kunden um die Preise weniger Sorgen als in Europa. Nur 55 Prozent gaben an, die Autopreise seien hoch, im vergleich zu 93 Prozent in Europa.
Chinas Automarkt wächst rasant, neben Xiaomi und BYD steigen auch weitere Marken in den Markt ein, sie produzieren zu immer niedrigeren Produktionskosten und können ihre Autos günstiger anbieten. Der deutsche Autoriese Volkswagen musste seine Preise senken, um am weltgrößten Automarkt bestehen zu können.
Wie hält Europa mit?
Volkswagen ist nicht der einzige europäische Autobauer, der mit Chinas neuen Automarken schwer mithalten kann. Die Verkaufszahlen von Mercedes-Benz sind in China zuletzt um 19 Prozent zurückgegangen. Der deutsche Autoriese musste im Zuge von Sparmaßnahmen 5500 Mitarbeiter entlassen.
Auf Anfrage von campus a zeigt sich Mercedes-Benz optimistisch. Durch eine gezielte Produkt- und Technologieoffensive könne man wettbewerbsfähig bleiben. „Aus Sicht von Mercedes-Benz ist entscheidend, den Kundinnen und Kunden in jedem Segment ein überzeugendes Gesamtpaket zu bieten“, sagt ein Pressemitarbeiter des Unternehmens. Es gehe um „technologisch starke Fahrzeuge, hohe Sicherheits- und Qualitätsstandards, effiziente Antriebe, sowie ein umfassendes Lade-, Service- und Markenerlebnis.“
Der Xiaomi SU7 wird voraussichtlich erst nächstes Jahr in Österreich verfügbar sein. Bis dahin soll bereits ein weiteres Modell auf den Markt kommen. Ob Xiaomi die Autobranche hierzulande aufrütteln kann, wird sich zeigen.
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