Wissenschaft International Fakten

Das Geschäft mit Universitäts-Rankings

Kein Profil-Bild gefunden.
Volontärin · Universität Wien
11.09.2026
6 Min.

Was macht eine gute Universität aus? Gute Lehre und Forschung, zufriedene Studierende? In den großen Hochschulrankings spielen solche Fragen nur indirekt eine Rolle. Stattdessen zählen Zitationen, Internationalität und vor allem eines: Reputation.

Die Universität Wien spricht selbst von einer „sensationellen Platzierung“ im Ranking (Foto: Ian Ehm/Universität Wien)

Wenn am 30. September das neue Ranking von Times Higher Education (THE) erscheint, steht in der österreichischen Hochschulwelt die Zeit kurz still. Bisher kann sich die Uni Wien sehen lassen. Ein zweistelliger Rang bei THE, ein Platz unter den weltweiten Top 150 beim Shanghai-Ranking und Rang 140 beim QS-Ranking. Doch wie viel sagt ein solcher Platz tatsächlich über eine Universität aus? Die Kritik an den Erhebungsverfahren und den Interessen derjenigen, die die Rankings erstellen, mehrt sich. 

„Die relevantesten Hochschulrankings, wie das THE-Ranking, genießen weltweit große mediale Aufmerksamkeit und werden als Orientierungshilfe und Indikator für die Leistung und Reputation von Universitäten angesehen“, antwortet die Uni Wien auf Anfrage von campus a. Für viele internationale Studierende sind sie ein wichtiges Kriterium bei der Wahl ihrer Universität. Eine gute Platzierung gilt als Zeichen für die Qualität von Lehre und Forschung. Sie kann außerdem beeinflussen, mit welchen anderen Hochschulen eine Universität zusammenarbeitet und wie Wissenschaftler und Absolventen wahrgenommen werden.

Universitätsrankings haben in der Praxis also einen hohen Stellenwert und spielen auch für die Planung und Organisation von Hochschulen eine Rolle. Umso wichtiger ist die Frage, wer eigentlich dahintersteckt.

Wer steckt hinter den Anbietern?

Hinter den Ranking-Anbietern stecken keine akademischen Institutionen, sondern private, kommerzielle Unternehmen. Hinter QS steht beispielsweise die britische Quacquarelli Symonds Ltd., hinter Times Higher Education (THE) die Beteiligungsgesellschaft Inflexion Private Equity, beide mit Sitz in London. Beide Unternehmen verdienen ihr Geld nicht nur mit den Rankings selbst, sondern mit einem Geschäft rund um Hochschuldaten. THE verkauft etwa Datenanalysen und Beratungsleistungen an Universitäten, veranstaltet Konferenzen und bietet Hochschulen unter anderem Werbe- und Recruiting-Dienste an. 

Im März 2024 kündigte die Universität Zürich an, künftig keine Daten mehr für das THE-Ranking zu liefern. „Aus Sicht der Universität Zürich besteht eine grundsätzliche Einschränkung vieler Hochschulrankings darin, dass sie die vielfältigen Leistungen auf eine begrenzte Zahl messbarer Indikatoren und auf einen Rang reduzieren“, sagt die Universität auf Anfrage von campus a. Dadurch können Unterschiede zwischen Hochschulen stark vereinfacht dargestellt werden.“

Das heißt, zwei Universitäten können in wichtigen Bereichen sehr ähnlich sein, im Ranking aber trotzdem unterschiedlich bewertet werden, weil nur bestimmte messbare Kriterien in die Bewertung einfließen.

Bekanntheit ist alles

Für das Ranking berücksichtigen die Anbieter verschiedene Faktoren. Wie sich diese zusammensetzen, beeinflusst die Platzunterschiede natürlich stark. Beim QS Ranking 2026 macht die akademische Reputation 30 Prozent der Gesamtwertung aus, die Employer Reputation weitere 15 Prozent. Beides Werte dafür, wie die Universität von anderen Akademikern und Arbeitgebern wahrgenommen wird. 45 Prozent der Bewertung basieren damit darauf, welches Image eine Universität hat, und nicht darauf, wie gut Lehre und Studium tatsächlich sind. 

Weitere Faktoren sind etwa die Zitationen pro Fakultät (20 Prozent). Dabei wird gezählt, wie häufig wissenschaftliche Arbeiten von Forschern der Universität von anderen Wissenschaftlern zitiert werden. Auch das Betreuungsverhältnis zwischen Lehrenden und Studierenden fließt mit zehn Prozent ein. Dafür wird betrachtet, wie viele Studierende auf eine Lehrkraft kommen. Fünf Prozent entfallen auf den Anteil internationaler Studierender.

Reputationsranking ist subjektiv

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei THE. Hier machen die Kriterien Teaching Reputation und Research Reputation zusammen rund 33 Prozent aus. Dahinter folgen Zitationen (15 Prozent) sowie die Anzahl der Doktortitel pro akademischem Personal, Forschungs-Einnahmen und wissenschaftliche Produktivität mit jeweils etwa sechs Prozent.

Die Reputation basiert bei beiden Anbietern auf subjektiven Umfragen. THE lädt dazu nach eigenen Angaben jährlich „erfahrene, publizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ ein und fordert sie auf, jeweils bis zu 15 Spitzen-Universitäten zu nennen. Die rund 108.000 Rückmeldungen werden anschließend nach Fachdisziplinen sowie Regionen gewichtet und ausgewertet.

Reputation als Faktor? 

„Eine hohe Bekanntheit führt zu guten Reputationswerten, die wiederum zu einer hohen Rankingposition und damit zu zusätzlicher Sichtbarkeit beitragen können“, erklärt die Uni Zürich. Bereits bekannte Institutionen haben oft einen strukturellen Vorteil. 

QS verteidigt auf Nachfrage den hohen Anteil der subjektiven Reputations-Umfragen in der Wertung. Der Indikator vermittle einen „einzigartigen, umfassenden Blick darauf, wie akademische Exzellenz über Institutionen, Disziplinen und Regionen hinweg wahrgenommen wird“. In der subjektiven Wahrnehmung sieht QS sogar einen Vorteil. Eine Universität erfülle viele verschiedene Rollen, und der Indikator helfe dabei, „das breite Verständnis davon, was eine gute Universität ausmacht, zu berücksichtigen“. Für Studierende sei die Reputation daher ein „verlässliches, von Fachkollegen gestütztes Signal für Qualität“.

Während die Universität Zürich daraus Konsequenzen zieht, wählt die Universität Wien einen pragmatischeren Ansatz. „Natürlich muss man Rankings einordnen“, antwortet die Hauptuni auf Nachfrage von campus a. „Trotzdem sind Rankings aufgrund ihrer hohen internationalen Sichtbarkeit zu wichtig, um sie zu ignorieren.“

Beraten die Rankings Unis selbst nach oben?

QS und THE bieten auch eigene Consultings an. Sie beraten Unis kostenpflichtig dabei, ihr Abschneiden in den Rankings zu analysieren und gezielt zu verbessern. Die Hochschulen können die Anbieter, die sie bewerten, also nicht nur dafür bezahlen ihre Platzierung zu verstehen, sondern auch dafür, die Faktoren zu verbessern, die in das Ranking einfließen.

Wer auf die Rankings zwischen 2016 und 2021 schaut, merkt schnell, diese Jahre müssen besonders gut für russische Unis gelaufen sein. Eine wissenschaftliche Untersuchung von der Universität Berkeley zeigte, 22 von 28 russischen Universitäten hatten QS über acht Jahre insgesamt 2,86 Millionen Dollar für Beratung und Werbung gezahlt. Diese Unis stiegen innerhalb von fünf Jahren im Schnitt um rund 140 Plätze nach oben. Bei den neun Universitäten, die am meisten QS-Dienstleistungen nutzten, waren es sogar 191 Plätze.

Auf Anfrage an die Times Higher Education ob darin ein Interessenkonflikt bestehen könnte teilte ein Sprecher mit, das Unternehmen liefere klare, vergleichende Benchmarks für Lehre, Forschung, Internationalisierung und Industrie-Kooperationen. Daraus würden sie „strategische Erkenntnisse für Universitäten weltweit“ ziehen.

Tricks und Tipps für bessere Plätze

Wie Univeritäten in den Rankings schnell aufsteigen können, zeigt die Northeastern University in Boston. Nach einer Recherche des Boston Magazine stieg die Universität im U.S.-News-Ranking von Platz 162 im Jahr 1996 auf Platz 49 in der Ausgabe 2014. Die Uni deckelte Kurse bei 19 Studierenden, da das Ranking kleine Lehrveranstaltungen unter 20 Personen bevorzugt. Ein anderer Trick war das Programm N.U.in, durch das schwächere Studierende ihr erstes Semester im Ausland verbringen konnten und erst im Frühjahr an den Campus wechselten. Somit seien die schwächeren Leistungen dieser Studierenden in den Rankings nicht berücksichtigt worden, so das Boston Magazine. 

Auch in Saudi-Arabien gibt es Beispiele dafür, wie Universitäten versuchen, ihre Position in Rankings zu verbessern. Vielzitierte Forscher wurden teils dazu bewegt, eine saudische Universität als weitere oder sogar als Hauptaffiliation anzugeben, laut Nature teilweise gegen Bezahlung und ohne tatsächlich an der Universität zu arbeiten. Auch manipulierte Publikations- und Zitationsnetzwerke wurden dokumentiert, bei denen Universitäten Forscher etwa gegen Bezahlung als Studienautoren nannten, auch wenn sie an den Studien nicht mitarbeiteten.

Wie viel ist ein gutes Ranking wert? 

Doch wie weit gehen österreichische Universitäten, um in den Rankings möglichst gut abzuschneiden? Nutzen auch sie besondere Strategien, um ihre Platzierung zu verbessern? Wir haben bei den Hochschulen nachgefragt.

Die Universität Wien verrät zu konkreten Maßnahmen wenig. Auf die Frage, ob zum Beispiel externe Beratungen in Anspruch genommen werden, fällt die Antwort knapp aus. „Diese sensationelle Platzierung ist das Ergebnis einer langjährigen, strategischen Ausrichtung“, schreibt die Universität Wien zu ihren guten Platzierungen.

Anders macht es die Universität Graz. Sie steht seit Jahren mit dem CWTS Leiden in Kontakt. Das Leiden-Ranking gilt dabei laut Hans-Dieter Daniel, dem ehemaligen Leiter der Evaluationsstelle der Universität Zürich, als besonders seriös, weil dort die wissenschaftliche Leistung stärker im Mittelpunkt stünde.

„Die WU analysiert ihre Ranking-Performance laufend intern“, schreibt Roland Humer, stellvertretender Generalsekretär der Wirtschaftsuniversität Wien. Gleichzeitig tauscht sich die Universität regelmäßig mit Rankinganbietern und Experten anderer Hochschulen aus. Bei der Auswahl der Rankings sei die WU bewusst wählerisch. Humer betont, Rankings blickten „stets aus einer bestimmten Perspektive“ auf Universitäten und würden nur einen Teil ihrer Leistungen abbilden.





Kommentare