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Das war der Karl-Renner Journalismuspreis 2026

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12.06.2026
3 Min.

Alle 50 plus und ich mit meinen 16 Jahren mitten drin: Der Karl-Renner-Journalismuspreis zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Preisen des österreichischen Journalismus. Im Wiener Rathaus ehrt der Österreichische Journalisten Club heuer unter anderem Kriegsreporter Christian Wehrschütz und ORF-Journalistin Tiba Marchetti.

Tiba Marchetti erhielt den ersten Preis für ihre Reportagen in der ORF-Sendung *Am Schauplatz*. (Foto: Heinz Pachernegg/ Radio Dauerwelle)

17.50 Uhr. Das sanfte Klimpern der Sektgläser ist verstummt, nur noch die Klänge eines Klaviers und der Mezzosopranistin Susanne Hoppe hallen durch den mit prunkvollen Decken verzierten Wappensaals im Wiener Rathaus. Im Publikum, in dem der Altersschnitt deutlich jenseits der 55 liegt, herrscht feine Abendgarderobe und mittendrinnen sitze ich, wie das schwarze Schaf mit 16 Jahren. Ich rücke mir die Krawatten zurecht, flüstere meinem Kollegen etwas zu und die diesjährige Verleihung des Dr. Karl Renner-Preises kann beginnen.


"Ehrenoscar" des Journalismus

Die Auszeichnung gilt als „Ehrenoscar“ der österreichischen Medienbranche und wird bereits seit 1970 vergeben. Benannt ist sie nach dem ersten Präsidenten der Zweiten Republik, nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Er prägte den demokratischen Wiederaufbau Österreichs maßgeblich und gilt bis heute als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Republik. Journalist war er jedoch keiner.

Der Preisist zweigeteilt: Den Publizistikpreis, der für langjährige exzellente Leistungen und die Aufarbeitung komplexer gesellschaftlicher Themen steht, und den Solidaritätspreis, der den Mut fordert, unter widrigsten Umständen, etwa aus Krisengebieten, zu berichten.

Vergeben wird die Auszeichnung vom Österreichischen Journalisten Club (ÖJC), einer der größten Journalistenvereinigungen des Landes. Seit mehr als fünf Jahrzehnten wurden zahlreiche prägende Stimmen des österreichischen Journalismus ausgezeichnet.

18 Uhr. Ein humorvolles Quiz über Hollywoodstars wie Brad Pitt und prominente historische Persönlichkeiten wie Johann Wolfgang von Goethe lockert die Stimmung zunächst auf. Doch der eigentliche Schwerpunkt der Eröffnung durch ÖJC-Vorstand und Moderator Johannes Hoppe liegt ganz woanders: Es geht um einen Journalismus, der laut den Rednern in der schwersten Krise seiner Existenz steckt und aktuell stark in der Kritik steht. Es ist die Einleitung zu einem Abend, der die Journalistinnen und Journalisten ehren soll, die trotz dieses Gegenwinds standhalten.


Reden über Reden und der Solidaritätspreis für Christian Wehrschütz

18.30 Uhr. „Journalisten haben die Aufgabe, eine kritische Sicht einzureichen“, betont Gerhard Schmid in seiner Festrede. Er vertritt Bürgermeister Michael Ludwig und spricht vor einem Raum, der bis zum abschließenden Applaus totenstill ist. Schmid erinnert daran, dass eine unabhängige Presse für die demokratische Meinungsbildung unverzichtbar bleibt, auch wenn sie heute vor finanziellen Problemen steht.

 Nun übernimmt Christian Stöger, der Präsident des ÖJC, das Reden. Feierlich verkünden er und Hoppe den ersten Höhepunkt: Der Solidaritätspreis geht an den Ukraine-Reporter Christian Wehrschütz. Es ist ein Moment der Empathie, als Wehrschütz in seiner Rede erklärt, warum er in sieben Meter tiefe Bombentrichter steigt. Er meint, dass er nur so der Bevölkerung auf Fotos zeigen könne, wie schlimm die Lage vor Ort wirklich ist.

Das Beste kommt zum Schluss

19.25 Uhr. Nach einer weiteren Runde von Reden und ein paar mehr oder weniger lustigen Witzen, nähert sich der Abend seinem Ende zu. Der Moment, auf den wir alle gewartet haben, rückt näher und näher. Plötzlich heißt es feierlich: „Der erste Platz des Dr. Karl Renner-Preises 2026 geht an… Tiba Marchetti!“.

Der Raum bricht in Jubel aus, wenn doch in altergemäßer Lautstärke. Die elegant in rot gekleidete, stolze Journalistin schreitet zur Bühne. Daraufhin wird ein Ausschnitt der Siegerarbeit der Reporterin, die seit mehr als 31 Jahren beim ORF arbeitet, abgespielt. Ein Video voller Spannung und Emotionen. Im Trailer von „Am Schauplatz“ sehen wir alles von drogenabhängigen Personen bis Klappmesser für den Fall, dass „Fäuste nicht mehr reichen“.

Alles hat ein Ende

Nicht nur die Preisverleihung ist jetzt vorbei, sondern auch die journalistische Karriere von Tiba Marchetti. Als wir sie darauf ansprechen, was sie denn für Pläne hat, sind ihre Emotionen gemischt. Einerseits ist sie zufrieden mit ihrer Arbeit, andererseits ist sie sich sicher, dass sie ihren neuen Karrierepfad als Psychotherapeutin fortsetzen möchte und deshalb keine Zeit mehr für den Journalismus hat.

20 Uhr. Zu guter Letzt stimmen alle zusammen pünktlich zum Sonnenuntergang die Europahymne an. Eine Hymne aus dem 19. Jahrhundert, die ironischerweise erstaunlich gut zur Altersgruppe vor Ort passt.

 (Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit campus a Redakteur Georg Krierer)