"Manchmal haben wir das Gefühl, wir gehören hier nicht her...", genau diese Zeile des Liedes "Astronaut" von Sido und Andreas Bourani ging mir durch den Kopf, als ich gestern eine, wie manche sagen würden, "ganz normale" Beobachtung gemacht habe. Aber für mich war sie alles andere als alltäglich, fangen wir aber erstmal von vorne an.
Meine beste Freundin Lisa und ich haben gestern spontan beschlossen, in die Stadt zu fahren und in ein paar Lokale zu gehen. Es war alles wie immer, viele tanzen, singen und genießen das ein oder andere Getränk. Der Vibe ist sehr fröhlich und es fühlt sich so an, als würden alle ihre Sorgen für eine Nacht vergessen.
So kenne ich Leon und Sinan bisher nicht
Es ist etwa Mitternacht, da beschließen Lisa und ich nach Hause zu fahren. Da es relativ kalt für die Jahreszeit ist, befinden sich alle in den Bars, nicht wie im Sommer, wo draußen mehr los ist als drinnen. Mit einem Lächeln im Gesicht gehen wir raus und ich drehe mich noch ein letztes Mal um, dort sehe ich zwei 18-jährige Jungs abgeschottet auf zwei Barhockern sitzen.
Ich kenne die beiden, sie sind eigentlich sehr gesellig. Da ist es irgendwie ein sehr komischer Anblick, sie hier allein zu sehen. Plötzlich ist da irgendwie so eine ganz andere Stimmung in der Luft. Einer davon ist Sinan, vor einem Jahr hatte ich noch mehr Kontakt zu ihm, wir haben uns gerne unterhalten und auch manchmal geschrieben. Gerade ist er mitten in der Maturazeit, möglicherweise ist das ein Grund zu der Funkstille zwischen uns. Auch Leon ist mir bekannt, viele nennen ihn einen „Mädchenheld“, aber zu mir ist er immer sehr korrekt.
Worüber könnten die beiden reden?
Ihr Gespräch scheint sehr tiefgründig zu sein und ich sehe etwas in ihren Augen, einen Hauch von Schmerz. Vielleicht geht es um die erste Liebe, die Matura oder um tiefe Geheimnisse. Eindeutig erkennen kann ich nur, dass es kein Thema ist, über welches du einfach so mal redest. Verstanden was sie sagen habe ich gar nichts, aber als Sinan und Leon mich erkennen, hören sie sofort auf zu reden und lächeln mich beide einfach etwas verlegen an.
Meine Freundin und ich gehen zum Auto, ich bin mit meinen Gedanken immer noch bei der Situation gerade. Lisa bemerkt es sofort und wir reden über die Situation. Sie merkt immer sofort, wenn sich meine Stimmung wechselt. Sie denkt sich aber nicht viel dabei, unter anderem da sie die beiden Jungs nicht gut kennt. Ich hingegen fühle mich fast etwas schlecht, nicht kurz zu ihnen hingegangen zu sein, vielleicht hätte ein kleines Gespräch ihre Laune schon verbessert. Vielleicht handelte der Deep Talk von mir? Hätte ich etwas schlechtes verhindern können?
Wir müssen mit unseren Problemen nicht alleine sein
Das ging zwar alles sehr schnell, ich habe alle Beobachtungen in nur ein paar Sekunden gemacht, aber irgendwie ist mir das sehr im Sinn geblieben. Ich kenne das Gefühl nur zu gut: Man fühlt sich irgendwie manchmal fehl am Platz, wenn man am Samstagabend mit Freunden draußen ist. Solche sogenannten "Deeptalks" sind bei mir und meiner Freundin keine Seltenheit, es tut sehr gut, sich mal all seine Sorgen herauszureden. Trotzdem hat dieser Anblick, zwei bekannte Jungs so vertraut miteinander reden zu sehen, irgendwas in mir ausgelöst.
In dem Moment habe ich realisiert, dass wir oft so mit unseren eigenen Problemen beschäftigt sind, dass wir vergessen, dass wir nicht alleine sind. Es geht jedem Einzelnen da draußen so, oft braucht es einen Realitycheck, um zu erkennen, dass kein Leben perfekt ist. Wir alle haben Probleme, darüber zu reden ist der erste Schritt zur Besserung. Auch wenn du gerade eine schwere Zeit hast oder einfach nichts so funktioniert wie du es dir vorstellst, das ist nie für immer. Denn vergiss nicht, nach jedem Gewitter kommt auch wieder die Sonne heraus!