Wenn ich nach der Matura einfach weitergehe
Die "Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesen"-Matura (BWR) ist vorbei und ich bin eigentlich komplett müde. Im Bus nach Hause lehne ich meinen Kopf kurz ans Fenster und schaue einfach raus. Die Straßen wirken ruhiger als noch am Morgen. Irgendjemand redet hinten noch über die Prüfung, irgendwo klingelt ein Handy, aber ich höre nur halb zu. In meinem Kopf ist noch alles voll. Einzelne Aufgaben, kurze Momente aus der Prüfung, dieses ständige Denken von vorher.
Als ich aussteige, merke ich plötzlich, dass ich noch nicht heim will. Nicht, weil ich zuhause nicht sein will, sondern weil mein Kopf noch nicht abschalten kann. Also gehe ich nicht direkt nach Hause. Ich laufe einfach weiter, ohne Ziel, nur geradeaus. Ich höre meine Schritte, spüre die Sonne und merke langsam, wie dieser ganze Druck vom Tag ein bisschen weniger wird. Erst während ich gehe, fällt mir auf, wie angespannt ich eigentlich die ganze Zeit war. Manchmal brauche ich genau das. Keinen Plan, keine Gespräche, einfach nur ein paar Minuten draußen, bis der Kopf wieder ruhiger wird.
Wenn meine Freundin mich zum Lernen bringt
Später sitze ich zuhause und weiß genau, dass ich eigentlich lernen sollte. Die Unterlagen liegen da, die BWR Sachen, die Mathe Sachen, alles. Ich schaue sie an und denke mir trotzdem nur, ich fange gleich an. Noch kurz aufs Handy. Noch kurz nichts. Genau dann ist meine Freundin oft die, die mich wieder aus diesem Modus rausholt.
Sie schreibt mir, fragt, ob ich schon etwas gemacht habe, erinnert mich daran, dass ich nicht wieder alles aufschieben soll. Und wenn ich ausweiche oder halb ernst antworte, lässt sie nicht locker. Manchmal motiviert sie mich lieb, manchmal reicht das nicht und sie sagt mir einfach ganz direkt, dass ich mich jetzt hinsetzen soll. Genau das brauche ich oft. Nicht, weil mir die Matura egal ist, sondern weil ich ohne diesen Schubs von außen viel zu oft einfach nichts machen würde. Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich ohne sie wahrscheinlich viel weniger lernen würde. Sie zieht mich mit, wenn ich selbst gerade lieber alles wegschieben würde. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass ich die Matura ohne sie so nie schaffen würde.
Wenn auf TikTok plötzlich Stunden werden
Manchmal liege ich einfach nur da und schaue TikTok. Am Anfang denke ich, ich schaue nur kurz rein, ein paar Videos, einfach nur ein bisschen abschalten. Dann vergeht Zeit, ohne dass ich es richtig merke. Ein Video nach dem anderen, noch eins, noch eins. Irgendwann wird es mir eigentlich schon langweilig. Aber anstatt das Handy wegzulegen, wechsle ich einfach weiter auf Instagram Reels.
Dort geht es dann genauso weiter. Wieder Videos, wieder scrollen, wieder dieses kurze Gefühl, dass das nächste vielleicht interessanter ist. Und wenn mir dann auch das zu langweilig wird, lande ich am Ende noch bei Snapchat Spotlight. Es hört einfach nicht richtig auf. Ich wechsle nicht, weil es dort wirklich besser ist. Ich wechsle nur, damit es weitergeht. Genau das ist das Schlimme daran. Es ist wie ein Kreislauf. Mein Freund kennt mich inzwischen schon so gut, dass er oft genau weiß, was los ist, wenn ich mich lange nicht melde. Dann ruft er mich irgendwann einfach an, weil er sich fast denken kann, dass ich wieder irgendwo zwischen TikTok, Reels und Spotlight hänge.
Wenn ich diese drei Situationen zusammendenke, fällt mir auf, dass sie alle etwas mit mir und meinem Umgang mit Druck zu tun haben. Nach der Matura merke ich erst draußen beim Gehen, wie viel Anspannung noch in mir steckt. Beim Lernen reicht mein eigener Wille oft nicht und ich brauche jemanden, der mich mitzieht. Und am Handy verliere ich mich manchmal so leicht, dass ich gar nicht merke, wie viel Zeit schon vergangen ist.