„Es wird in Wien in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren das Doppelte an Dönerläden geben.“, sagt der Betreiber von Ali’s Gemüsekebap an der Währinger Straße. Seinen Namen will er im Artikel zwar nicht nennen, redet aber gerne mit campus a über die Entwicklung der Wiener Dönerbranche.
Er kennt sich aus, denn an Konkurrenz mangelt es schon jetzt nicht. Direkt nebenan macht bald Nino Döner und Falafel auf, bis vor einigen Wochen war da noch Nobel Kebab. Dann kommt gleich um die Ecke auch schon der Burgerladen smashly, eins weiter gibt's Fish and Chips. Vier Fast-Food-Läden, direkte Konkurrenten, Seite an Seite. Er kennt die Szene, hat den Dönerboom miterlebt, ist schon seit dreißig Jahren dabei, arbeitete in der deutschen und österreichischen Gastronomie und fünfzehn Jahren Erfahrung als Betriebsleiter von mehreren Dönerläden.
Die Zahlen der WKO sind unklar
Ecken wie die an der Währinger Straße gibt es hier in Wien häufiger. In der Stadt liegen Dönerläden häufig direkt nebeneinander, oder einander zumindest gegenüber. An jeder nächsten Ecke findet sich noch einer und wo kein Platz für einen Betrieb im Haus ist, steht stattdessen eine Imbissstube. Wie viele Dönerläden passen noch nach Wien, stimmt die Prognose vom Fachmann? Und wie groß ist die Konkurrenz unter den Dönerläden?
Die WKO kann nur ein grobes Bild geben. Der Fachverband Gastronomie hat keine genauen Zahlen zur Entwicklung der Kebapläden in Wien. Nach dem Stand vom 31. März ist die Anzahl von Wiener Kebab- und Würstelständen in den letzten fünf Jahren um 34 Prozent gesunken. Dafür gibt es aber 10,9 Prozent mehr freies Gastgewerbe. Rechtlich gesehen sind Kebap- und Würstelstände eine Unterkategorie von freien Gewerben, sie verkaufen nur Kebap oder Würstel. Wer noch andere Gerichte anbietet, zählt zum freien Gewerbes. Wie sich die absoluten Zahlen entwickeln, ist also unklar.
Die Nachbarschaft funktioniert in vielen Fällen
Bei so vielen Dönerläden ist der Konkurrenzkampf natürlich groß. Max (Name von der Redaktion geändert), arbeitet bei Bowl-Kebap, nahe des Floridsdorfer Bahnhofs. Von einer feindseligen Rivalität spricht er gegenüber campus a nicht. Im Gegenteil, seiner Erfahrung nach behandeln sich die Läden gegenseitig auf respektvolle Art und sind in manchen Fällen kooperativ.
Als wir miteinander sprechen, kommt ein Mitarbeiter von Noodle King in den Laden. Die beiden Läden sind Nachbarn, teilen sich sogar eine Klimaanlage. Max pausiert das Gespräch und steht von seinem Sitzplatz auf, um seinen Nachbarn zu begrüßen, der fragt beiläufig nach einer Schüssel mit Abschnitten des Döner-Spießes. Da dreht sich Max schon um, legt eine Schüssel unter den Spieß und nimmt sein Dönermesser in die Hand. Während die kleinen Abschnitte vom Spieß in die Schüssel fallen, führen die beiden ihr Gespräch weiter. Mit der Schüssel Fleisch in der Hand bedankt sich der Noodle King-Mitarbeiter, wünscht einen schönen Tag und verschwindet wieder nach nebenan.
Die Konkurrenz wird stärker, nicht jeder setzt sich durch
Der Betriebsleiter von Ali’s Gemüsekebap teilt diesen Respekt für seine Branchenkollegen. „Früher, muss man ehrlich sagen, war die Qualität von Dönern in Österreich oft nicht besonders gut.“, sagt er. In den letzten Jahren habe sich aber etwas verändert. Die Konkurrenz sei stärker geworden, aber auf eine positive Weise. „Jeder bemüht sich mehr um Qualität, Geschmack und Frische. Ich finde diese Entwicklung sehr gut.“
Der Markt ist dabei umkämpft, gerade erst musste Nobel Kebap, direkt neben Ali’s Gemüsekebap zusperren. „Es kommt immer auf die Lage an, wo das Lokal ist.“, sagt der Inhaber von Ali's Gemüsekebap. „Wenn die Lage gut ist, musst du eine Ablöse zahlen und je besser die Lage, desto höher die Ablöse.“
So eine Ablöse kann bei einem durchschnittlichen Betrieb von vierzig Quadratmetern, schon mal 100.000 Euro betragen. In Kombination mit monatlichen Betriebskosten kann das zu Schwierigkeiten führen, falls der Laden keine solide Kundschaft findet. Für etablierte Betriebe wie Ali’s Gemüsekebap ist das kein Problem, der Laden machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als einer Million Euro.
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