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Die Rückkehr der Digicam und warum wir wieder mit alten Kameras fotografieren

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Volontär · campus a college
21.08.2026
3 Min.

Digitalkameras aus den frühen 2000ern erleben ein Comeback. Laut dem Kameraverband CIPA stiegen die Verkäufe von Kompaktkameras 2025 weltweit um 29,6 Prozent, stärker als jede andere Kamera-Kategorie. Ausgerechnet Geräte mit schlechterer Bildqualität werden zum Verkaufsschlager, während Handykameras technisch immer besser werden. Woher kommt der Hype um die Digicams?

Die Fotos sind häufig körnig, unscharf und scheinbar falsch belichtet. Doch genau deshalb sind Digicams bei jungen Menschen wieder so beliebt (Foto: Usman AbdulrasheedGambo)

Der Blitz zischt kurz und grell durch den Raum. Alle lehnen sich ins Bild. Dann hören sie ein kurzes Klicken. Leonie Huber, 17, hat auf den Auslöser gedrückt. Das Gerät in ihrer Hand ist eine kleine, klobige Digicam aus den frühen 2000ern, die Leonie von ihrer älteren Cousine bekommen hat. Ihr Handy steckt in der Tasche.

Das Foto ist unscharf, an manchen Stellen zu hell, auf anderen zu dunkel und leicht verrauscht. Trotzdem lädt Leonie das Bild später auf auf Instagram hoch. „Mit dem Handy schaut halt jedes Foto irgendwie gleich aus“, sagt sie. „Bei der Digicam sind die Bilder ein bisschen schlechter, aber genau das taugt mir.“ Leonie liebt ihre Digicam, und sie ist damit nicht alleine.

Wie groß ist der Hype?

Wer sehen will, wie groß der Trend ist, geht am besten in ein Wiener Fotogeschäft „Mittlerweile verkaufen wir ungefähr 10 bis 30 alte Kompaktkameras im Monat. Vor zwei, drei Jahren waren das vielleicht zwei bis fünf“, sagt Martin Gruber von der Photo Börse in der Lerchenfelder Straße. Er merke den Hype jeden Tag im Geschäft. „Der Unterschied ist schon deutlich“, sagt er. „Gerade bei den jüngeren Kunden sind Canon IXUS oder Sony Cyber-shot plötzlich wieder gefragt.“

Am stärksten zeige sich der Hype am Preis, sagt Gruber. „Modelle, die früher für fünf oder zehn Euro bei uns herumgelegen sind, kosten heute je nach Zustand und Modell teilweise 50, 100 oder sogar über 200 Euro.“

Fast dreißig Prozent mehr verkaufte Kompaktkameras

Die Zahlen aus der ganzen Branche bestätigen, was Gruber im Laden erlebt. Der japanische Branchenverband CIPA zählt für 2025 weltweit rund 2,44 Millionen verkaufte Kompaktkameras. Das sind 29,6 Prozent mehr als im Jahr davor. Kompaktkameras sind das am schnellsten wachsende Segment im gesamten Kameramarkt.

Das kommt nach Jahren, in denen der Markt immer weiter geschrumpft ist. 2025 war das zweite Jahr in Folge mit einem Plus, der erste Doppelanstieg seit fast zwanzig Jahren.

Trotzdem bleibt der Boom gegenüber dem früheren Hype winzig. 2010, auf dem Höhepunkt des ersten Digicam-Booms, gingen weltweit mehr als 108 Millionen Kompaktkameras über die Ladentische. Mit 2,44 Millionen Kameras ist der Hype heute also nur einen Bruchteil so groß.

Was ist Digicam überhaupt?

Digicam ist die Kurzform für Digitalkamera. Der Begriff steht für die kleinen Knipsgeräte aus den frühen 2000ern. Also aus der Zeit, bevor jedes Handy eine gute Kamera hatte.

Wer so eine Kamera nutzt, drückt einfach auf den Knopf oben am Rahmen. Mehr braucht es nicht. Im Inneren steckt ein CCD-Bildsensor, ein älterer Chiptyp, der die Bilder wärmer, bunter und ein bisschen körniger macht als ein modernes Handy.

Das Ergebnis sieht aus wie eine Erinnerung von früher. Und anders als das Handy kann so eine Kamera nur eine einzige Sache: fotografieren.

Warum wir das Unperfekte lieben

Hier liegt der Reiz. Unsere Handyfotos sind heute technisch perfekt. Gestochen scharf, oft schon automatisch bearbeitet. Und sie sehen alle gleich aus. Die alten Kameras machen das Gegenteil. Ein zu heller Blitz. Ein leichter Wisch, wenn sich jemand bewegt. Ein körniges Rauschen im Dunkeln.

Dazu kommt eine Sehnsucht nach den frühen 2000ern, einer Zeit, die viele von uns kaum bewusst erlebt haben. Die Digicam ist Teil eines größeren Trends. Y2K-Mode, alte MP3-Player, Kabelkopfhörer und Schallplatten sind auch wieder da.

Mehr als Nostalgie

Beim Trend um die Kompaktkameras geht es um mehr als Erinnerung. Wer auf einer Party zur Digicam greift, hält ein Gerät in der Hand, das nur fotografiert. Nachrichten, Benachrichtigungen und TikTok bleiben in der Tasche. Leonie macht schnell ein Foto, dann feiert sie weiter. Sie bleibt mitten im Moment.

Dazu ist die Kamera günstiger als echte Analogfotografie. Kosten für Filme und Entwicklung fallen weg. Die alten Geräte sind langsam, im Dunkeln oft überfordert, und sie brauchen spezielle Speicherkarten, die es nur noch selten zu kaufen gibt.

Bei Leonie löst die Kamera oft erst nach einer Sekunde aus. Das stört sie kaum, sie greift auch beim nächsten Fest wieder zur Kamera. Der Blitz zischt. Alle lehnen sich kurz ins Bild. Ein leicht unscharfes Foto ist im Kasten und freut sich Leonie. „Das ist halt irgendwie auch der Vibe.“


Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit der Schüler*innenzeitung campus a college.

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