Noch bevor die Gäste am Donnerstagabend im ausgebuchten Votiv Kino eintreffen, um die neue Dokumentation über Dominik Wlaznys Wahlkampf 2022 zu schauen, ist Wlazny schon da. Er kommt in den Kinosaal, begrüßt das Filmteam mit Umarmungen und bleibt immer wieder kurz stehen, um ein paar Worte zu wechseln. Regisseur David Moser kannte er vor den Dreharbeiten gar nicht. Nach der gemeinsamen Zeit für die Doku wirkt das anders. Wlazny kennt die Crew, scherzt mit ihr und begrüßt die einzelnen Mitglieder sichtlich vertraut.
Der Dokumentarfilm „Highway to Hofburg“ zeigt jetzt etwas, das in der österreichischen Politiklandschaft selten ist. Er zeigt einen authentischen Blick hinter die Kulissen, so wirkt der Musiker im Film auch mal verletzlich, seine Eltern beschrieben ihn als sensibel. „Ich hoffe, ich werde nicht Bundespräsident“, sagt Wlazny im Film, mitten im Wahlkampf. „Sonst geht die Tour weiter.“ Wlazny wirkt da müde, es ist ein Moment der sichtlichen Überforderung.
Eine Rückkehr in die Politik kann der 39-jährige Punkrocker „zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen“, sagt er im Gespräch mit campus a vor der Premiere. Eine Fortsetzung von „Highway to Hofburg“ ist also vorerst nicht geplant. Dafür müsste Wlazny schließlich erneut bei einer Wahl antreten. „Da ist mir mein eigenes Seelenheil vielleicht doch ein bisschen zu wertvoll.“
Hinter den Kulissen
Wer Wlazny im im Umgang mit Medien erlebt, merkt schnell, der Ex-Politiker weiß, wie er vor Kameras auftritt. Kein Wunder, während des Wahlkampfs bekam er dafür ja auch intensives Medientraining. Die Medienarbeit ist auch ein zentraler Teil der Doku. Gemeinsam mit seinem Team plant er seine Medienstrategie, während die Kameras ihn vor, während und nach unterschiedlichen Auftritten begleiten. Diese strategische Selbstinszenierung schien ihm nicht besonders zu gefallen.
„Ich weiß nicht, ob ich es mir nochmal antun würde“, sagt Wlazny leicht lächelnd. Der Wahlkampf sei hart gewesen, wirklich anstrengend. „Man sieht auch im Film sukzessive, was man da für einen Preis zahlt, um das zu machen“, sagt er. „Aber ich bereue es trotzdem nicht.“
Er habe immer das gesagt, was er sich gedacht habe, sagt der Musiker. Damit sei er eigentlich immer richtig gelegen. „Wenn ich mir jetzt überlegen würde, was ich anders gemacht hätte, dann hätte ich mich verstellen müssen und das wäre vielleicht auch nicht richtig gewesen.“

Auch die Filmemacher Philipp Moosbrugger und David Moser nehmen sich Zeit für ein Gespräch. Die beiden wirken als hätten sie nicht nur den Film, sondern gleich einen Teil der Organisation der Premiere übernommen. Sie begrüßen Gäste, sprechen mit dem Team und wirken sichtlich stolz auf ihr Projekt.
Wie sie überhaupt auf die Idee gekommen sind, Wlazny zu begleiten? Sein Charakter habe sie interessiert. „Und abseits von dem haben wir sonst keine guten Ideen gehabt“, sagt Moser. Der Saal lacht.
Die beiden erzählen auch, wie nah sie Wlazny während der Dreharbeiten kommen konnten, auch in internen und teilweise kritischen Situationen. „Wir haben geschaut, dass wir so ehrlich wie möglich alles wiedergeben. Da haben wir nicht zurückgehalten.“
Größeres Ziel als die Hofburg
Bundespräsident bin ich nicht geworden, wie sie sehen“, sagt Wlazny. Umsonst sei alles trotzdem nicht gewesen. „Das Ziel, das Land aufzurütteln, die Leute zum Nachdenken zu bringen, das habe ich erreicht“
Und dann erzählt er noch eine Anekdote. In einer Diskussionsrunde im Fernsehen, sei eine junge Frau zu ihm gekommen, habe ihm die tief in die Augen geschaut und gesagt: „Sie sind unsere letzte Hoffnung“. „Das hat mir schon einen tieferen Sinn in dem Ganzen gezeigt“, sagt Wlazny. „Wir müssen die jungen Menschen in einen demokratischen Prozess reinholen, sonst fährt das Land an die Wand.“
Ein Drink mit dem Bundespräsidenten steht noch aus
Mit dem Film möchte Wlazny genau diese jungen Menschen erreichen. Er will zeigen, auch Einzelne können etwas bewegen, wenn sie sich dafür einsetzen. Der Weg dorthin sei zwar „sehr anstrengend, aber es geht“.
Auch das Regie-Duo wollte mit dem Film zeigen, welches Potenzial in jungen Menschen steckt und wie viel Durchhaltevermögen sie mitbringen. „Genau solche Leute brauchst du, glaube ich, in der Politik und eben in der Gesellschaft, um mitzugestalten“, sagt Moosbrugger.
Eine kleine Enttäuschung bleibt für Wlazny nach der Wahl trotzdem. Bundespräsident Alexander Van der Bellen hatte ihm vor laufender Kamera ein gemeinsames Getränk versprochen. Die Einladung kam allerdings nie, erzählt Wlazny beim Q&A nach der Filmvorführung.
Das politische Aus der Bierpartei
Im Film geht es ausschließlich um Wlaznys Kandidatur für die Bundespräsidentschaft. Die politische Geschichte der Bierpartei endete damit aber noch nicht. Bei der Nationalratswahl 2024 trat sie erneut an und kam auf rund zwei Prozent. Danach folgte überraschend das Aus. Die Partei kandidiert nicht mehr, öffentliche Äußerungen zu ihrem Ende blieben selten.

„Wir haben alles versucht, was in unserer Macht stand. Es ist bei der letzten Kandidatur nicht geglückt“, sagt Wlazny zu den eigenen enttäuschten Wählern. „Macht ihr es weiter. Stellt etwas Eigenes auf die Beine. Es ist niemand daran gehindert, das zu tun.“
Von dem Vorwurf, er habe mit der Bierpartei vor allem Parteien des linken Spektrums Stimmen weggenommen, hält Wlazny wenig. Auch die Frage, ob er sich einer etablierten Partei wie der SPÖ hätte anschließen sollen, von der es Angebote an ihn gab, scheint für ihn keine große Rolle zu spielen. Im Film sagt er, jeder habe das Recht, sein passives Wahlrecht zu nutzen. Etwas Eigenes aufgebaut zu haben, mache ihn aber stolz.
Was hält Wlazny von der Politik heute?
„Ich glaube, die Politik sollte ein Spiegel der Gesellschaft sein. Und die Gesellschaft besteht nicht nur aus Anzugsträgern, sondern aus ganz normalen Menschen“, sagt der Punkrocker. „Frauen sind unterrepräsentiert, Migranten sind auch unterrepräsentiert.“ Er vermisse dieses diverse Bild zurzeit in der Politik. Im Film gibt es dazu einen Moment, der beim Kinopublikum besonders gut ankommt. In einer Diskussionsrunde mit den anderen Kandidaten bezeichnet sich Wlazny als Feminist. Dafür bekommt er deutlichen Applaus aus dem gesamten Saal, wahrscheinlich der lauteste Moment des Abends.
Er sagte einmal, die FPÖ sei „schlecht für die Menschlichkeit“. Das würde Wlazny heute noch genauso unterschreiben. Gegen die politische Spaltung setzt er auf das, was schon 2022 sein Wahlkampfmotto war: „Red'ma drüber.“
„Demokratien europaweit, weltweit geraten in Bedrängnis“, sagt Wlazny. Nur eine aktive Zivilgesellschaft könne dagegen arbeiten. Er wünsche sich also, die Menschen würden wieder mehr in einen Dialog treten, das helfe wirklich. „Das klingt zwar oft sehr abstrakt“, sagt er. „Der Film ist aber nicht abstrakt.“ Die Dokumenation und sein Wahlkampf vor vier Jahren zeigten, was auch ein einzelner bewegen könne.
Wieder Musik, Kabarett und Bier
„Ich traue es mir gerade nicht laut zu sagen, aber ich arbeite“, sagt Wlazny auf die Frage, was er denn nun so mache nach der Politik. „Ich bin Musiker und Kabarettist, das sind meine Projekte und das ist mein Beruf und den mache ich auch sehr gern.“
Mit Turbobier steht bald ein neues Album an, gleichzeitig ist Wlazny mit seinem Kabarettprogramm auf Tour. Abseits der Politik ist er damit wieder bei dem, was er schon vor seiner Kandidatur gemacht hat.
Nur beim Bier hat sich offenbar etwas verändert. „Ich trinke Bier erschreckend selten. Es ist vielleicht eine Alterserscheinung. Also nicht mehr so in dem Ausmaß wie früher, aber ich bemühe mich hin und da.“ Nach der Premiere wolle er sich aber doch noch ein oder zwei Bier gönnen.
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