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Die Schule erzieht uns nur zum Funktionieren

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16.04.2026
3 Min.

Integralrechnung, Textinterpretation, Gedichtanalyse. Dinge, die im Unterricht als unglaublich wichtig gelten. Dinge, über die Noten entscheiden. Dinge, die angeblich auf das Leben vorbereiten sollen. Aber wofür eigentlich?

Zwischen ständigen Tests und Hausübungen leidet zu häufig die persönliche Entwicklung (Foto: Shutterstock)

Ich sitze in der Klassenarbeit und spüre schon nach wenigen Minuten, wie mein Kopf leer wird.

Vor mir das Blatt: Aufgaben, die ich gestern noch geübt habe. Eigentlich. Jetzt erkenne ich sie kaum wieder. Die Wörter verschwimmen, als wären sie plötzlich in einer anderen Sprache geschrieben.

Ich versuche mich zu konzentrieren, lese den ersten Satz nochmal. Und nochmal. Nichts bleibt hängen. Hinter mir hört man nur das leise Ticken der Uhr. Jeder Sekundenzeiger klingt lauter als alles andere im Raum.

Ich merke, wie Panik in mir hochsteigt. Nicht langsam, sondern sofort. Blackout. Einfach weg. Alles, was ich gelernt habe, ist plötzlich nicht mehr da. Nur noch dieser Druck, irgendetwas schreiben zu müssen, obwohl nichts mehr kommt.

Als ich die Arbeit abgebe, ist mir klar, dass das nichts wird.

Am Abend sitze ich wieder am Schreibtisch. Ich habe das Gefühl, es diesmal „richtig machen zu müssen“. Es ist still im Zimmer, nur mein Handy leuchtet kurz auf, dann wieder aus. Vor mir Hefte, Zusammenfassungen, Aufgaben aus dem Unterricht. Ich lerne, obwohl ich eigentlich schon längst nicht mehr richtig kann.

Stunden vergehen. Irgendwann verschwimmen die Sätze vor meinen Augen. Ich lese dieselbe Seite immer wieder, ohne sie wirklich zu verstehen. Trotzdem mache ich weiter. Irgendwann ist Schlaf keine Pause mehr, sondern etwas, das ich mir erst „verdienen“ muss.

Und genau da frage ich mich: Wann ist Schule eigentlich zu etwas geworden, das einen so sehr auslaugt?

Schule soll auf das Leben vorbereiten. So wird es ständig gesagt. Trotzdem fühlt es sich oft nicht so an. Vieles von dem, was dort gelernt wird, wirkt schon jetzt unnötig oder verliert später komplett an Bedeutung. Formeln, Daten und Inhalte werden auswendig gelernt, nur um sie nach der Prüfung wieder zu vergessen. Trotzdem entscheiden genau diese Dinge darüber, wie jemand bewertet wird.

Nicht jede Person ist in jedem Fach gut. Das ist eigentlich selbstverständlich. Trotzdem wird genau das zum Problem gemacht. Wer etwas nicht versteht oder einfach kein Talent in einem Bereich hat, bekommt schlechte Noten. Diese Noten wirken wie ein Urteil, obwohl sie oft nur zeigen, wie gut jemand in dieses System passt.

Druck als Lösung

Anstatt Unterschiede zu akzeptieren, wird Druck aufgebaut. Wenn etwas nicht funktioniert, gibt es mehr Hausaufgaben, Förderkurse oder zusätzliche Übungen. Es wird erwartet, dass Probleme durch noch mehr Lernen gelöst werden. Für viele fühlt sich das nicht nach Unterstützung an, sondern nach noch mehr Belastung.

Der Alltag besteht aus frühem Aufstehen, langen Schultagen und danach noch Arbeit zu Hause. Zeit für Erholung bleibt kaum. Schlaf wird weniger, Freizeit verschwindet langsam. Gleichzeitig gibt es noch andere Dinge im Leben, die genauso wichtig sind. Essen, Trinken, Hygiene und einfach mal Ruhe. Oft bleibt dafür zu wenig Raum. Uns fehlt der Ausgleich.

Dauerstress als Normalzustand

Das führt bei vielen zu dauerhaftem Stress. Abschalten wird schwierig, weil immer noch etwas erledigt werden muss. Selbst wenn der Körper zeigt, dass es zu viel ist, wird weitergemacht. Und wenn es irgendwann nicht mehr geht und jemand krank wird, wird eher gefragt, was verpasst wurde, als warum es überhaupt so weit gekommen ist.

Was dabei verloren geht, ist etwas Grundlegendes. Die Möglichkeit, einfach nur zu sein. Zu existieren, ohne ständig bewertet zu werden. Ohne das Gefühl, immer leisten zu müssen. Schule sollte ein Ort sein, an dem Entwicklung stattfindet. Nicht nur im Kopf, sondern auch persönlich. Ein Ort, an dem Interessen entdeckt werden und Stärken wachsen können.

Funktionieren statt Leben

Stattdessen lernen viele vor allem, zu funktionieren. Leistung steht im Mittelpunkt, nicht das Wohlbefinden. Am Ende bleibt nicht nur Wissen, das schnell wieder verschwindet, sondern auch der Druck, der sich über Jahre aufgebaut hat.

Wenn Schule wirklich auf das Leben vorbereiten soll, dann muss sich etwas ändern.