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"Follower haben oft das Gefühl, Influencer persönlich zu kennen. Das kann problematisch sein"

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01.06.2026
2 Min.

Warum vertrauen viele Menschen Informationen aus sozialen Medien stärker als klassischen Nachrichten? Annie Waldherr, stellvertretende Leiterin des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien, erklärt, dass Vertrauen im Netz oft nicht auf Fachwissen beruht. Stattdessen spielen Sympathie und persönliche Nähe eine wichtige Rolle. Vor allem Influencer schaffen das Gefühl einer persönlichen Beziehung, wodurch ihre Aussagen häufig weniger kritisch hinterfragt werden

Begriffe rund um soziale Medien, Kommunikation und digitale Informationen. (Foto: Geralt )

Politische Inhalte in meinem Social-Media-Feed wirken auf mich seriös, wenn sie Quellen angeben, Fakten belegen und verschiedene Perspektiven berücksichtigen. Unseriös erscheinen mir dagegen Beiträge, die stark emotionalisieren, vereinfachen oder keine nachvollziehbaren Belege liefern. Auch bei politischer Werbung halte ich Transparenz für besonders wichtig. Problematisch finde ich Werbung, die gezielt mit Angst oder Polarisierung arbeitet.

Im Interview erklärte Annie Waldherr, dass Nutzer Informationen in sozialen Medien oft anders bewerten als in klassischen Medien. Dabei sei nicht immer entscheidend, ob eine Person tatsächlich über Fachwissen verfügt. „Oft wird nicht der Expertise vertraut, sondern der Person“, betonte sie.

Die Macht von Sympathie und Nähe

Besonders interessant fand ich die Erklärung zu sogenannten parasozialen Beziehungen. Diese entstehen, wenn Nutzer einer Person über längere Zeit folgen und das Gefühl entwickeln, sie persönlich zu kennen. Vor allem Influencer bauen häufig eine solche Bindung zu ihrer Community auf.

Waldherr erklärte, dass dadurch Aussagen weniger kritisch hinterfragt werden. Nutzer hätten oft das Gefühl, die Person kenne sie und wolle ihnen helfen. „Nutzer haben das Gefühl, die Person zu kennen“, sagte die Expertin. Das führt dazu, dass Vertrauen häufig auf Sympathie und Identifikation basiert und nicht auf nachgewiesener Kompetenz. Diese Erkenntnis hat mich überrascht, da ich bisher davon ausgegangen bin, dass Fachwissen bei der Vertrauensbildung eine größere Rolle spielt.

Wie Algorithmen unsere Wahrnehmung beeinflussen

Neben Influencern spielen auch die Algorithmen sozialer Medien eine wichtige Rolle. Sie entscheiden mit darüber, welche Inhalte Nutzer sehen. Meist wrden Beiträge angezeigt, die zu den eigenen Interessen passen und mit denen man wahrscheinlich interagiert.

Nutzer werden häufiger mit Ansichten konfrontiert, die ihre bestehende Meinung bestätigen, während andere Perspektiven seltener auftauchen. Das kann beeinflussen, welchen Informationen man vertraut und welche man für unglaubwürdig hält.

Warum kritisches Prüfen wichtig bleibt

Ein Beispiel für die Wirkung von Vertrauen in sozialen Medien ist die gesundheitliche Beratung. Viele Menschen holen sich Ernährungstipps oder Gesundheitsempfehlungen von Influencern, ohne deren Qualifikationen zu überprüfen. Die Vertrauensbasis entsteht dabei häufig durch die emotionale Bindung zur Person und nicht durch wissenschaftlich belegte Kompetenz. Wie Waldherr erklärte, „tritt die Expertise dadurch häufig in den Hintergrund“.

Desinformation auf TikTok, Instagram oder anderen Plattformen lässt sich häufig an fehlenden Quellen, emotionalen Botschaften, reißerischen Überschriften oder aus dem Zusammenhang gerissenen Bildern und Videos erkennen. Deshalb ist es wichtig, Informationen kritisch zu prüfen, verschiedene Quellen zu vergleichen und nicht allein aufgrund von Sympathie oder Bekanntheit einer Person ihren Aussagen zu vertrauen.


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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.