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Geld in der Schule: Warum wir lernen sollten, wie das echte Leben funktioniert

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06.07.2026
6 Min.

Viele Jugendliche verlassen die Schule mit der Matura, aber ohne zu wissen, wie man einen Mietvertrag versteht, eine Rechnung richtig einschätzt oder mit dem ersten Gehalt umgeht. Dabei entscheidet Finanzwissen oft darüber, wie sicher wir später durchs Leben kommen.

Was lernen wir in der Schule noch? (Foto: kschneider2991)

Viele Jugendliche wissen am Ende der Schulzeit, wie man Gedichte analysiert, chemische Reaktionen ausgleicht oder lineare Funktionen löst. Aber wie man eine Steuererklärung macht, was Zinsen bedeuten, wie man einen Mietvertrag liest oder warum Schulden schnell gefährlich werden können, lernen viele erst dann, wenn es eigentlich schon ernst ist. Genau das ist ein Problem. Denn Geld gehört zum Alltag von uns allen. Trotzdem wird in der Schule oft so getan, als wäre Finanzwissen ein Spezialthema für Erwachsene.

Wer jung ist, trifft heute früher finanzielle Entscheidungen als früher. Ein Handyvertrag, ein Online Abo, ein Nebenjob, ein eigenes Konto, Ratenzahlungen oder später die erste Wohnung. Vieles davon klingt zuerst harmlos. Doch wer nicht versteht, welche Kosten wirklich dahinterstehen, kann schnell den Überblick verlieren. Gerade deshalb müsste Finanzbildung viel früher beginnen.

Geld ist kein Erwachsenenthema

Viele Jugendliche bekommen Taschengeld, arbeiten in den Ferien oder bestellen online. Sie vergleichen Preise, zahlen mit Karte und sehen auf TikTok Menschen, die scheinbar mit Aktien, Kryptowährungen oder Dropshipping reich werden. Gleichzeitig wissen viele nicht genau, was ein Kredit ist, wie Inflation funktioniert oder warum es gefährlich sein kann, Dinge auf Raten zu kaufen.

Laut OECD zeigen die Ergebnisse der PISA Studie 2022, dass finanzielle Bildung stark mit sozialem Hintergrund zusammenhängt. Schülerinnen und Schüler aus besser gestellten Familien schneiden im Durchschnitt besser ab. Das bedeutet: Wer zu Hause über Geld sprechen kann, hat einen Vorteil. Wer diese Unterstützung nicht bekommt, bleibt eher allein damit. Genau hier müsste das Schulsystem ausgleichen. Finanzwissen darf meiner Meinung nach nicht davon abhängen, ob Eltern Zeit, Wissen oder Geld haben, um es ihren Kindern zu erklären. Schule sollte gerade dort helfen, wo nicht alle die gleichen Startbedingungen haben.

Nicht jeder lernt es zu Hause

Natürlich gibt es Familien, in denen offen über Geld gesprochen wird. Manche Eltern erklären ihren Kindern, wie man spart, was Versicherungen sind oder warum man nicht mehr ausgeben sollte, als man hat. Aber das gilt nicht für alle. In vielen Haushalten ist Geld ein Stressthema. Manche Eltern haben selbst nie gelernt, mit Finanzen sicher umzugehen. Andere wollen ihre Kinder nicht belasten.

Wenn Finanzwissen nur davon abhängt, was man zu Hause mitbekommt, wird Ungleichheit weitergegeben. Schule könnte hier einen Unterschied machen. Nicht mit langweiligen Arbeitsblättern, sondern mit echten Beispielen: Was kostet eine erste Wohnung? Wie viel bleibt von einem Bruttogehalt übrig? Was passiert, wenn man eine Rechnung nicht bezahlt? Wie erkennt man unseriöse Online Angebote?

Meiner Meinung nach wäre es falsch, Finanzbildung nur als Zusatzthema zu behandeln, das irgendwann kurz vor den Ferien noch eingeschoben wird. Genau dann bleibt es nämlich nicht hängen. Jugendliche brauchen praktische Aufgaben, die etwas mit ihrem echten Leben zu tun haben. Wenn eine Klasse gemeinsam ausrechnet, wie teuer eine eigene Wohnung wirklich ist, versteht man das viel schneller als durch eine trockene Definition im Buch.

Ein eigenes Fach oder bessere Inhalte?

Die Frage ist aber, wie man dieses Problem lösen könnte. Ein eigenes Unterrichtsfach für Finanzbildung klingt auf den ersten Blick sinnvoll, weil das Thema dann nicht mehr untergehen würde. Wenn es ein verpflichtendes Fach gäbe, müssten sich alle damit beschäftigen, nicht nur jene, die zufällig eine engagierte Lehrperson haben oder eine bestimmte Schule besuchen. Ich fände das grundsätzlich gut, weil Finanzwissen genauso wichtig ist wie viele andere Dinge, die selbstverständlich unterrichtet werden.

Gleichzeitig glaube ich nicht, dass ein neues Fach automatisch alles löst. Wenn Finanzbildung wieder nur aus Theorie, Tests und auswendig gelernten Begriffen besteht, bringt sie wenig. Entscheidend wäre, wie unterrichtet wird. Es müsste um Alltagssituationen gehen, die Jugendliche wirklich kennen: Konto, Miete, Lohn, Steuern, Verträge, Schulden, Versicherungen, Sparen und Betrug im Internet. Ein Fach allein reicht also nicht. Es braucht einen Unterricht, der verständlich, lebensnah und ehrlich ist.

Was HAK und HTL zeigen

An berufsbildenden höheren Schulen wie einer HAK oder einer HTL gibt es bereits mehr wirtschaftliche und finanzielle Themen als an vielen allgemeinbildenden Schulen. In einer HAK gehört Rechnungswesen zum Unterricht, auch in anderen Schultypen kommen wirtschaftliche Grundlagen vor. Das zeigt, dass Finanzbildung in der Schule grundsätzlich möglich ist. Sie ist also keine unrealistische Forderung.

Trotzdem bleiben auch dort viele Jugendliche auf der Strecke. Ein Grund ist, dass die Beispiele oft sehr weit weg vom eigenen Leben sind. Wenn im Unterricht vor allem große Unternehmen, Bilanzen oder Buchungssätze vorkommen, lernen Schülerinnen und Schüler zwar etwas über Wirtschaft, aber nicht unbedingt, wie sie selbst mit Geld umgehen sollen. Für die spätere Arbeit kann das wichtig sein, aber für den Alltag fehlt oft der direkte Bezug.

Ich finde deshalb, dass Finanzbildung nicht nur aus Rechnungswesen bestehen darf. Es ist gut zu wissen, wie Unternehmen funktionieren. Aber Jugendliche brauchen auch Wissen für ihr eigenes Leben. Was bedeutet ein Mietvertrag? Wie erkennt man versteckte Kosten? Wie viel Geld sollte man für Fixkosten einplanen? Was passiert, wenn man einen Kredit nicht zurückzahlen kann? Genau solche Fragen wären für viele sofort verständlich.

Das echte Leben kommt oft zu spät vor

Viele Schülerinnen und Schüler wünschen sich Unterricht, der näher am Alltag ist. Es geht nicht darum, Mathematik oder Geschichte zu ersetzen. Aber es wäre sinnvoll, einen Teil der Schulzeit für Dinge zu verwenden, die fast jede Person später braucht. Finanzbildung wäre dabei kein Luxus, sondern eine Art Grundausstattung fürs Leben.

Die OECD schreibt, dass Schülerinnen und Schüler besser abschneiden, wenn sie in der Schule mit finanziellen Themen in Kontakt kommen. Trotzdem haben im OECD Durchschnitt nur etwa zwei von drei Jugendlichen solche Aufgaben im Unterricht erlebt. Das zeigt: Es gibt noch viel Luft nach oben. Besonders wichtig wäre dabei, dass Finanzbildung nicht nur in bestimmten Schultypen vorkommt. Auch Jugendliche an AHS, Mittelschulen oder anderen Schulen brauchen dieses Wissen.

Ich würde Finanzbildung daher verpflichtend für alle machen, aber nicht unbedingt als klassisches Fach mit Schularbeiten. Sinnvoller wäre vielleicht ein regelmäßiger Praxisunterricht, der jedes Jahr andere Themen behandelt. In der Unterstufe könnte es um Taschengeld, Sparen und Werbung gehen. Später könnten Konto, Verträge, Lohn, Steuern, Miete, Versicherungen und Kredite dazukommen. So würde man nicht alles auf einmal lernen, sondern Schritt für Schritt.

Finanzbildung schützt vor falschen Versprechen

Gerade auf Social Media sieht Geld oft einfach aus. In kurzen Videos erklären Influencer, wie man angeblich schnell reich wird. Sie zeigen teure Uhren, Autos oder Urlaube und verkaufen Kurse, Trading Gruppen oder Finanzprodukte. Für Jugendliche kann das verlockend wirken, besonders wenn sie selbst wenig Geld haben oder schnell unabhängig sein wollen.

Mehr Finanzbildung würde nicht bedeuten, dass alle plötzlich Börsenprofis werden müssen. Es würde bedeuten, dass junge Menschen besser einschätzen können, wem sie vertrauen sollten. Sie würden lernen, Risiken zu erkennen, Versprechen zu hinterfragen und nicht jedem Trend hinterherzulaufen. Das ist besonders wichtig, weil finanzielle Fehler oft lange Folgen haben können.

Gerade deshalb sollte Schule auch über Finanztrends sprechen, die Jugendliche wirklich sehen. Kryptowährungen, Buy now pay later Angebote, Influencer Kurse oder angebliche Trading Tricks gehören längst zum Alltag vieler Jugendlicher. Wenn Schule diese Themen ignoriert, informieren sich viele eben nur über Social Media. Das halte ich für gefährlich.

Schule muss aufs Leben vorbereiten

Am Ende sollte Schule nicht nur darauf vorbereiten, Prüfungen zu bestehen. Sie sollte uns auch helfen, im Alltag klarzukommen. Wer versteht, wie Geld funktioniert, kann selbstbewusster Entscheidungen treffen. Es geht um Freiheit, Sicherheit und die Möglichkeit, das eigene Leben besser zu planen.

Finanzbildung sollte deshalb nicht irgendwann nebenbei passieren, sondern fest in den Unterricht gehören. Nicht kompliziert, nicht belehrend, sondern praktisch und verständlich. Ich fände ein verpflichtendes Modell für alle sinnvoll, egal ob AHS, HAK, HTL oder andere Schule. Wichtig wäre aber, dass es nicht nur um Unternehmen und Theorie geht, sondern um das echte Leben von Jugendlichen.

Denn wer später Verantwortung übernehmen soll, braucht vorher die Chance, es zu lernen. Geld verschwindet nicht aus unserem Alltag, nur weil es in der Schule zu selten vorkommt. Genau deshalb sollte Finanzbildung kein Extra sein, sondern ein fixer Teil davon, wie Schule junge Menschen aufs Leben vorbereitet.