Die Zuschauerinnen und Zuschauer drängen sich vor der Bühne. Sie verfolgen gespannt jeden Sprung der kleinen Figur auf dem Bildschirm, halten ihre Smartphones hoch, machen Videos und Fotos. Auf der Bühne des E-Sports Festival in Wien ringt ein Profigamer in Super Mario 64 um jede Sekunde, auf der Jagd nach dem neuen Rekord. Abseits der großen Bühne werben die österreichischen Spieleentwickler um die Aufmerksamkeit der Gamingfans.
Auf dem E-Sports Festival in Wien treffen die österreischischen Spieleproduzenten auf fast dreißigtausend Gamingfans, tauschen sich aus und suchen nach Investoren. Die österreichische Spieleindustrie setzt jährlich rund 188,7 Millionen Euro um und beschäftigt mehr als eintausend Personen, schreibt das Industriewissenschaftliche Institut (IWI). Im internationalen Vergleich bleibt Österreich dennoch ein kleiner Markt.
Von der Idee zum fertigen Spiel
„Vor 30 Jahren konntest du deine Idee auf einen A4-Zettel schreiben, zu Investoren gehen und sie haben gesagt, das wird super“, sagt Martin Filipp, Geschäftsführer des Wiener Entwicklerstudios Mi'pu'mi Games. „Heute brauchst du schon einen spielbaren Prototypen, einen Vertical Slice, der kann mehrere hunderttausend Euro kosten.“
„Gott sei Dank konnten wir auf den Erfolgen der letzten Jahre aufbauen und uns einen Namen machen“, sagt Fillip im Gespräch mit campus a. „Wir haben zum Beispiel mit IO Interactive an James Bond: First Light gearbeitet und gemeinsam mit Machine Games an Indiana Jones, hier in Wien.“ Das Unternehmen produziere neben eigenen Spielen auch Serviceleistungen für andere Entwicklerstudios, sagt er.
Während Fillip spricht, stoppen neugierige Besucherinnen und Besucher an seinem Messestand. Auf einem Bildschirm hinter ihm können sie die Demo von Black Jacket spielen, das neueste Spiel des Wiener Studios. Immer wieder fragen sie die Entwickler, wann das Spiel veröffentlicht wird.
Österreich hängt noch zurück
Mi'pu'mi Games ist einer von 250 Ausstellern auf dem E-Sports-Festival. Die Veranstaltung ist eines der größten Gaming-Events Österreichs, sie bietet heimischen Unternehmen eine Gelegenheit, ihre Projekte einem breiten Publikum und potenziellen Geschäftspartnern zu präsentieren.
Für kleine Studios geht es nicht nur darum, Spielerinnen und Spieler zu begeistern, sondern auch darum, in der internationalen Branche wahrgenommen zu werden. Hinter der Gaming-Begeisterung der Gäste steht ein globaler Milliardenmarkt, in dem Österreich bislang nur eine kleine Rolle spielt.

„In Österreich hat die Spieleentwicklung eigentlich erst 1990 begonnen. Wir waren da sehr spät dran, auch die Ausbildung hat länger gebraucht“, sagt Fillip. Österreich sei bis heute kein großer Standort für Videospiele, dafür sei die Gaming-Geschichte hier zu kurz, sagt er. „Heute haben wir aber eine sehr gute Ausbildung und Einsteiger, die auch in internationalen Studios gefragt sind.“
Branchenverband fordert mehr Unterstützung
Mi'pu'mi Games steht vor ähnlichen Problemen wie die meisten in der Branche. Auch der Branchenverband Pioneers of Game Development Austria, kurz PGDA, fordert bessere Rahmenbedingungen für die österreichische Spielebranche.
„Da geht es viel um Sichtbarkeit der österreichischen Studios, der Branche und um gezielte Förderung“, sagt Rainer Angermann, Geschäftsführer des österreichischen Entwicklerstudios Rarebyte und Mitgründer der PGDA. „Es gibt ungefähr einhundertfünfzig Studios in Österreich, wir produzieren für den internationalen Markt“, sagt er. „Wir versuchen einfach, die Branche sichtbarer zu machen.“
Doch selbst erfolgreiche Konzepte müssen sich in einem umkämpften Markt gegen zahlreiche andere Projekte durchsetzen. Die Suche nach Investoren sei längst zu einem internationalen Problem geworden, sagt Angermann.
Ein kleiner Markt mit großen Ambitionen
Die österreichischen Entwicklerstudios haben die Ideen, doch zwischen dem ersten Konzept und einem internationalen Erfolg liegen Jahre an Entwicklungsarbeit, Finanzierungssuche und Gesprächen mit Partnern und Investoren.
„Wir haben das Know-how und ein multidisziplinäres Team. Wir können nicht nur an der Technik, sondern auch an den Inhalten von den ganz großen internationalen Titeln mitarbeiten“, sagt Fillip „Und das hier in Wien. Österreich kann das.“
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