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"Hinter jedem Account steht ein Mensch": Hate Speech, Meinungsfreiheit und sichere Räume online

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11.05.2026
3 Min.

Das Handy vibriert. Unter einem neuen TikTok-Video erscheinen plötzlich beleidigende Kommentare. Erst ein blöder Witz, dann persönliche Angriffe. Viele Jugendliche kennen dieses Gefühl: Man liest die Nachrichten immer wieder, wird unsicher und fragt sich, ob man überhaupt noch etwas posten soll. Genau so beginnt für viele Menschen Hate Speech im Alltag.

Hate Speech, Meinungsfreiheit und sichere Räume online (Foto: Jahed Anwari)

Digitale Kommunikation gehört heute zum Alltag. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, welche Rechte und Pflichten jede Person online hat. Meinungsfreiheit bedeutet, dass Menschen ihre Ansichten äußern dürfen, auch wenn andere diese Meinung kritisch finden. Gleichzeitig endet diese Freiheit dort, wo andere Menschen beleidigt, bedroht oder diskriminiert werden.

Strafbarer Hass beginnt zum Beispiel bei Volksverhetzung, gezielten Drohungen oder Aufrufen zu Gewalt. Auch rassistische, antisemitische, sexistische oder homophobe Aussagen können strafbar sein. Viele Jugendliche wissen zwar, dass Hass im Netz problematisch ist, aber nicht immer, welche Folgen solche Kommentare tatsächlich haben können.

Gespräch mit Jörg Matthes

Im Online-Meeting mit dem Kommunikationswissenschaftler Jörg Matthes stellte ich folgende Frage:

„Viele Jugendliche erleben Hate Speech online fast täglich. Was kann man konkret tun, damit soziale Medien wieder Orte werden, an denen Menschen offen diskutieren können, ohne Angst vor Hass oder Angriffen zu haben?“

Erfahrungen aus dem Online-Meeting

Besonders interessant fand ich, dass Matthes zuerst erklärte, wie sehr sich soziale Medien in den letzten Jahren verändert haben. Früher seien Plattformen stärker dafür genutzt worden, sich auszutauschen oder Inhalte mit Freunden zu teilen. Heute würden viele Algorithmen vor allem extreme und emotionale Inhalte bevorzugen, weil diese mehr Aufmerksamkeit erzeugen. Genau dadurch verbreiten sich Hasskommentare oft schneller als sachliche Diskussionen.

Während des Gesprächs fiel mir auf, dass viele Jugendliche ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Einige erzählten, dass sie unter Videos oder Beiträgen regelmäßig beleidigende Kommentare lesen. Andere berichteten, dass sie sich manchmal gar nicht mehr trauen, ihre Meinung öffentlich zu posten, weil Diskussionen schnell eskalieren.

Ein Satz von Matthes ist mir besonders hängen geblieben: „Hinter jedem Account sitzt ein echter Mensch.“ Gerade weil online vieles anonym wirkt, würden das viele vergessen. Ich musste dabei auch an Situationen denken, in denen ich selbst gesehen habe, wie schnell Menschen in Kommentarspalten beleidigend werden. Oft reicht schon eine andere Meinung und die Diskussion wird persönlich.

Warum Algorithmen eine Rolle spielen

Auch die Fragen der anderen Teilnehmenden waren spannend. Dabei ging es zum Beispiel darum, warum Menschen online oft aggressiver sind als im echten Leben. Matthes erklärte, dass durch die Distanz im Internet Hemmungen wegfallen würden und manche vergessen, dass hinter jedem Profil eine echte Person steckt.

Wer besonders betroffen ist

Vor allem Mädchen, LGBTQIA+-Personen und Minderheiten sind häufig stärker von digitaler Gewalt betroffen. Sie erleben oft persönliche Angriffe auf ihr Aussehen, ihre Herkunft, ihre Religion oder ihre sexuelle Orientierung. Viele bekommen beleidigende Nachrichten oder werden gezielt aus Diskussionen verdrängt. Dadurch ziehen sich manche Menschen komplett aus sozialen Medien zurück oder trauen sich nicht mehr, ihre Meinung öffentlich zu sagen.

Das hat auch Folgen für die Demokratie. Demokratie lebt davon, dass unterschiedliche Menschen ihre Ansichten frei äußern können. Wenn bestimmte Gruppen aber ständig angegriffen oder eingeschüchtert werden, können sie nicht mehr gleichberechtigt an Diskussionen teilnehmen. Dadurch werden öffentliche Debatten einseitiger und weniger offen.

Rechte, Pflichten und Verantwortung

Jugendliche sollten deshalb ihre Rechte kennen. Jede Person hat das Recht, online respektvoll behandelt zu werden und sich gegen Beleidigungen oder Diskriminierung zu wehren. Gleichzeitig gibt es auch Pflichten. Wer online etwas postet oder kommentiert, trägt Verantwortung für seine Worte. Viele unterschätzen, wie verletzend Kommentare sein können, besonders wenn sich hunderte Menschen an Hassaktionen beteiligen.

Was sich ändern muss

Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass Hate Speech nicht als normal angesehen wird. Nur weil Hass im Internet häufig vorkommt, bedeutet das nicht, dass man ihn akzeptieren muss. Soziale Medien können wieder sichere Räume werden, wenn Plattformen stärker eingreifen, Schulen mehr Medienkompetenz vermitteln und Nutzerinnen und Nutzer bewusster miteinander umgehen. Respektvolle Diskussionen sind möglich. Aber nur, wenn Menschen aktiv etwas dafür tun.




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Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung durch die Universität Wien.