„Wir wollten ja eigentlich um 16:30 Uhr anfangen“, sagt der Präsident des Österreichischen Journalisten Clubs (ÖJC), Christian Stöger. „Aber eine sehr wichtige Person fehlt noch.“ Dann beginnt er nur leicht verspätet doch mit seiner Eröffnungsrede, er könne ja schon mal erklären, worum es hier eigentlich ginge bei dieser Preisverleihung. Er sei besonders stolz auf die Schülerinnen und Schüler, sagt Stöger. Wegen ihnen seien alle an diesem Freitag hier beim ÖJC in der Blutgasse, sie seien die Zukunft, auch des ÖJC.
campus a und der ÖJC starteten diesen Sommer eine Kooperation für die Zukunft des Journalismus. Jugendliche aus ganz Österreich schrieben journalistische Texte und erhielten dafür nicht nur Taschengeld und weitere Goodies, sondern zusätzlich Goldsterne auf der Schülerplattform campus a college. Eine Fachjury aus Mitgliedern des ÖJC und der campus a-Redaktion wählte nun die besten Beiträge aus und belohnte die engagiertesten Sternesammler mit ihrem eigenen Presseausweis.
Einer dieser Sternesammler kommt zu spät. Simon Prinz entschuldigt sich bei den Zuschauern im Raum und Stöger auf der Bühne. Der lacht und sagt, jetzt könne es auch endlich losgehen. Simon solle nur nicht so schüchtern sein, und sich ruhig in die erste Reihe neben seine Schulkollegen setzen. „Jetzt wissen eh schon alle, wer du bist“, sagt Stöger mit einem Lächeln. „Dann kannst du auch ganz nach vorne.“
Jugendpresseausweis und mehr?
Gute Hintergrundinformationen, ein eigenes Netzwerk und eine Varietät an Zugängen durch einen Presseausweis, seien wichtige Bausteine, um Fake News zu bekämpfen, sagt Stöger auf der Bühne. Stolz ist er nicht nur auf „good news und real news“, anstatt von „bad news und fake news“, sondern auch auf die mehr als 800 Artikel, die 28 Schülerinnen und Schüler im Zuge der Kooperation mit dem ÖJC in den letzten zwei Monaten für die Schülerzeitung campus a college geschrieben haben.

Auf der Bühne verleihen Präsident Stöger und campus-a-Chefredakteurin Anna Patsch die Jugendpresseausweise. Die Gewinner bekommen eine Urkunde, eine Pressemappe, ihren eigenen Presseausweis und ein Buch zu verschiedenen journalistischen Themen.
Privatgymnasium Sacré Coeur bringt Sieger hervor
„Warum ich acht Goldsterne habe, weiß ich selber nicht“, sagt Alexander Hoebe auf der Bühne, als er leicht nervös seine Auszeichnung annimmt. Ein Lachen kann sich daraufhin keiner im Raum verkneifen, die Sympathie des Publikums hat der 17-jährige schnell gewonnen. Für seinen Artikel über den Arbeitskräftemangel erhält er von der Jury besonderes Lob und den dritten Platz.
Freunde hätten bei der Suche nach einer Ausbildung immer wieder nur Absagen erhalten, sagt Alexander. So sei er auf das Thema gestoßen, das habe ihn wirklich bewegt. „Damit bist du offiziell Journalist“, sagt Stöger mit Lächeln im Gesicht, als er Alexander seinen Jugendpresseausweis überreicht.
Auch Elias Pell wirkt stolz, als er nach Alexander auf die Bühne tritt. Er habe bei einem Workshop im Deutschunterricht so richtig Freude am Schreiben bekommen, sagt er und bedankt sich auch bei seiner Lehrerin Frau Wellendorf, die am Freitag im Publikum sitzt. Elias' Artikel „Wir sitzen auf teuren Stühlen und lernen am Leben vorbei“ hatte bei der Fachjury einen besonders starken Eindruck hinterlassen. „Lebensrelevante Themen, gerade für uns Schülerinnen und Schüler, interessieren mich einfach“, sagt der 17-jährige.
Aus Geld und Goodies wird Leidenschaft
Und dann wird klar, wieso Stöger zu Beginn unbedingt noch warten wollte. Wie Alexander und Elias vor ihm, geht auch der Gewinner des ersten Platzes, Simon Prinz auf's Sacré Coeur in Wien. „Ich habe eigentlich erst vor zwei Monaten angefangen zu schreiben“, sagt der 17-jährige. Seine mehr als einhundert Artikel in acht Wochen bringen die Zuschauer im Saal nicht nur zum Staunen, sie zaubern auch ein stolzes Lächeln auf das Gesicht der campus a- Chefredakteurin Patsch.

Er habe eigentlich nur einen kleinen Nebenjob für den Sommer gebraucht, sagt Simon. Dann ging die Sache mit campus a college los und machte ihm richtig Spaß. „Aus Geld und Goodies wurde dann ganz viel Leidenschaft“, sagt er. „Das war dann irgendwie mein ganzer Sommer“. Schnell wird klar, Simon hat in den zwei Monaten nicht nur Leidenschaft für den Journalismus entwickelt, er wurde auch zum echten Profi und bleibt bestimmt dran. Zwölf Goldsterne und ein eigener Presseausweis helfen dabei bestimmt als Motivation.
Eine Überraschung folgt der anderen
Dann tritt auch Simon von der Bühne und setzt sich wieder zurück in die erste Reihe neben Alexander und Elias, alle froh und stolz über ihre Urkunden. „Wir haben uns so über das Engagement aller Schülerinnen und Schüler gefreut“, sagt Patsch. „Da sollen die Plätze vier bis sechs selbstverständlich nicht leer ausgehen.“
Der Viertplatzierte schreibt auch erst seit ein paar Monaten. In seinen Artikeln zeigt Diego Rubenser nicht nur eine Affinität zu politischen Themen, Stöger lobt besonders seine Fähigkeit komplexe Themen einfach zu erklären. Das könne auch der fünftplatzierte Alexander Chirkovsky, sagt Patsch. Der sei nur leider auf Schullandwoche, daher am Freitag nicht mit dabei. Insbesondere Alex' Reportage über den Dr. Karl-Renner-Preis habe die Jury überzeugt.
Der sechste Platz geht an die Wildcard der campus a Redaktion. Laurenz Burtscher hat nicht nur den weitesten Weg von Vorarlberg nach Wien hinter sich, er schreibt auch schon am längsten für campus a college, hat sogar seine eigene Sportkolumne. „Laurenz ist auch der einzige unserer sechs Gewinner, der nicht auf's Sacré Coeur geht“, sagt Patsch und muss selbst lachen. Die Lust am Journalismus kam für Laurenz durch seine Liebe zum Fußball, sagt er. Alle im Raum sind auf ihn fokussiert und hören gespannt zu, als Laurenz von seinem Praktikum bei der Kronen Zeitung im August spricht. Seine Arbeit im Sportressort hat ihm sogar ein Interview mit Fußballstar David Alaba ermöglicht.
Nächstes Jahr geht es weiter
„Wir haben uns wirklich hochgespornt bis zum Ende“, sagen die Gewinner im Anschluss an die Preisverleihung, an Kompetitivität fehlt es den jungen Journalisten nicht. Die Jugendaktion würde auch nächstes Jahr wiederholt, sagen Patsch und Stöger, als sie die letzte Überraschung des Abends ankündigen. In Zukunft können die Schülerinnen und Schüler dann auch Platinsterne erlangen, ihre Artikel landen damit direkt auch auf der Website des ÖJC.
Der letzte Applaus des Abends gebührt dann allen sechs Gewinnern, als sie für Fotos posieren. „Mit dem Presseausweis seid ihr jetzt auch offiziell Mitglieder des ÖJC“. Von nun an haben sechs Jungjournalisten freie Bahn. Vielleicht ist das nächste Interview mit einer Fußballlegende nicht mehr weit entfernt.
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