Bis vor Kurzem hatte ich keine Ahnung, wie das Internet wirklich funktioniert. Als mich mein Freund gefragt hat, wo meine Fotos landen, wenn ich sie hochlade, war meine ehrliche Antwort: „Na, in der Cloud halt.“ Als ob das eine gute Antwort wäre. Mein Freund Samuel, erklärte mir, dass meine Instagram-Fotos gerade in einem Gebäude in Irland liegen. Ich dachte, er macht einen Witz. Er machte keinen Witz.
Cloud klingt nach Luft, nach etwas, das einfach so existiert. Aber die Wahrheit ist deutlich schwerer – und das meine ich wörtlich.
Kabel auf dem Meeresgrund
Hier kommt der Teil, der mich am meisten überrascht hat. Ein riesiger Teil des Internets reist nicht durch die Luft, sondern durch Kabel, die auf dem Meeresgrund liegen. Tausende Kilometer lang und ungefähr so dick wie ein Gartenschlauch verbinden sie Kontinente miteinander.
Wenn du also jemandem in Amerika eine Nachricht schickst, reist diese Information durch ein Kabel, das seit Jahren still auf dem Boden des Atlantiks liegt. Das finde ich bis heute irgendwie unglaublich. Und diese Kabel sind erstaunlich verletzlich. Schiffsanker haben sie schon durchtrennt. Es gab sogar Fälle, in denen Haie Kabel beschädigt haben. Trotzdem hängt ein Großteil unserer digitalen Kommunikation von ihnen ab.
Die echten Wohnhäuser des Internets
Wenn das Internet irgendwo wohnt, dann in sogenannten Rechenzentren. Das sind riesige Hallen voller Computer, die niemals schlafen und rund um die Uhr Daten speichern und verschicken. Jedes Foto, das du postest, jede Playlist und jede Serie, die du streamst, liegt irgendwo auf einem dieser Computer in einem dieser Gebäude.
Als ich zum ersten Mal ein Foto von so einem Rechenzentrum gesehen habe, war ich überrascht. Ich hatte mir etwas Futuristisches vorgestellt, einen glänzenden Hightech-Raum wie aus einem Film. Was ich stattdessen sah, war ein riesiges, unscheinbares Gebäude am Stadtrand – ohne Fenster, mit surrenden Lüftungsanlagen und Zäunen drum herum. Kein Logo, kein Schild. Und doch läuft dort täglich ein Großteil unseres digitalen Lebens durch.
Wem gehört das alles eigentlich?
Das ist die Frage, bei der es wirklich interessant wird. Die Kabel unter den Ozeanen gehören oft privaten Unternehmen, darunter Google, Meta und Microsoft. Die Rechenzentren gehören häufig denselben Konzernen. Die Plattformen, die wir täglich nutzen, befinden sich in den Händen weniger großer Unternehmen, hauptsächlich aus den USA.
Was das konkret bedeutet: Wenn du Instagram nutzt, liegen deine Fotos auf Servern, die Meta gehören. Wenn du googelst, verarbeitet Google diese Anfrage auf seiner eigenen Infrastruktur. Wir nutzen das Internet jeden Tag, aber die Technik dahinter gehört uns nicht, und wir haben auch keinen wirklichen Einfluss darauf, was damit passiert.
Sechs Stunden, die alles zum Stillstand brachten
Im Oktober 2021 waren Facebook, Instagram und WhatsApp für fast sechs Stunden weltweit offline. Ich erinnere mich noch, wie ich zuerst dachte, mein Handy sei kaputt. Dann dachte ich, mein WLAN spinnt. Erst nach einer Weile wurde klar, dass die Plattformen einfach verschwunden waren. Alles. Auf einmal.
Was in diesen sechs Stunden passierte, hat mir gezeigt, wie abhängig wir wirklich sind. Menschen konnten nicht arbeiten. Kleine Unternehmen, die ihr Geschäft über Instagram abwickeln, standen plötzlich ohne Kommunikationsmöglichkeit da. Sechs Stunden Ausfall eines einzigen Unternehmens haben gereicht, um das deutlich zu machen.