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Kostenlose HPV-Impfung für junge Erwachsene in Österreich vor dem Aus

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Volontär · Universität Wien
23.06.2026
4 Min.

Ende Juni läuft die kostenlose HPV-Impfung für 21- bis 30-Jährige in Österreich aus. Obwohl bereits 170.000 Menschen das Nachholprogramm genutzt haben, fordern Jugendorganisationen, Mediziner und Politiker eine Verlängerung. Sie argumentieren, dass die Aufklärung noch längst nicht alle erreicht hat.

Das kostenlose Impfprogramm sorgte bisher für 170.000 Impfungen. Der HPV-Jugendbeirat kämpft jetzt für eine Verlängerung der kostenlosen HPV-Impfung für junge Erwachsene (Foto: Shutterstock)
  1. kostenloses HPV-Impfprogramm läuft mit dem Juni aus
  2. bisher wurden 170.000 Impfungen durchgeführt
  3. österreichweit mehr als 400 Fälle von Gebärmutterhalskrebs in 2023
  4. vollständige Impfserie kostet mehr als 600 Euro

Im zweiten Stock des Wiener Innovationszentrums weXelerate herrscht Gedränge. Vor einem kleinen Impfzimmer warten Studierende, junge Berufstätige und einige, die sich den Termin erst in letzter Minute organisiert haben. Eine Ärztin impft im Minutentakt. Wenige Meter weiter fordern Jugendorganisationen, Mediziner und Politiker auf einer Pressekonferenz die Verlängerung des kostenlosen HPV-Nachholprogramms. Ende Juni läuft es aus.

Niklas, ein Student, sitzt an diesem Montag im Wartebereich und wartet auf seine zweite Impfung. „Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, dass die Impfung nicht nur mich schützt, sondern auch andere“, sagt er. Über Instagram erfuhr er von der Aktion. Einen Freund nahm er zum Impfen gleich mit. „Dadurch, dass es jetzt wieder eine Deadline gab, habe ich mich informiert“, erzählt er. Wenige Minuten später verschwindet er hinter der Tür zur Impfstraße.

Andere hatten weniger Glück. Eine junge Frau musste an diesem Tag wieder gehen. Ihren ersten Stich hatte sie noch nicht erhalten. Für die kostenlose Impfserie kommt sie zu spät, das geht sich bis zum Ende des Programms nicht mehr aus. Solche Fälle erleben die Organisatoren regelmäßig. Obwohl Ärzte seit dem Start des Programms bereits rund 170.000 Impfungen durchgeführt haben, melden sich weiterhin Menschen, die ihre Chance verpasst haben.

Die Frist läuft ab

Seit Juli 2024 konnten sich Menschen zwischen 21 und 30 Jahren in Österreich kostenlos gegen Humane Papillomaviren, kurz HPV, impfen lassen. Mit Ende Juni läuft dieses Nachholprogramm aus. Danach kostet die vollständige Impfserie wieder mehr als 600 Euro.

Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner von den Grünen, Sophie Kaitlin Drescher vom HPV-Jugendbeirat, Vanessa Klein vom HPV-Jugendbeirat und Klaudia Frieben vom Österreichischen Frauenring

(v.l.n.r.) Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner von den Grünen, Sophie Kaitlin Drescher vom HPV-Jugendbeirat, Vanessa Klein vom HPV-Jugendbeirat und Klaudia Frieben vom Österreichischen FrauenringGeorg Krierer


„Wir sehen noch immer Leute, die sich impfen lassen wollen und die wir wegschicken müssen“, sagt Sophie Kaitlin Drescher vom HPV-Jugendbeirat. Die Aufklärung habe viele Menschen erst spät erreicht. „Die Regierung sieht immer nur Zahlen. Dahinter stehen Menschen und Geschichten“, sagt sie.

Deswegen fordern Jugendorganisationen, Mediziner und Politiker eine Verlängerung des Programms, sagen sie auf der Pressekonferenz. Offizielle Verhandlungen über eine Verlängerung laufen derzeit im Nationalrat allerdings nicht. Die Entscheidung liegt bei Bund, Ländern und bei der Sozialversicherung.

„Eine impfung für alle Geschlechter“

„Wir haben bei weitem noch nicht alle erreicht“, sagt Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner von den Grünen. Besonders ärgert ihn ein Irrtum, der sich hartnäckig hält. Viele würden HPV noch immer für ein reines Frauenthema halten. „Es ist eine Impfung für alle Geschlechter.“

Für Schallmeiner ist die Kostenfrage schwer nachvollziehbar. Österreich gab 2024 rund 57 Milliarden Euro für Gesundheit aus. Das öffentliche Impfprogramm kostet rund 90 Millionen Euro. „Da sind ein paar Millionen mehr oder weniger auch schon egal“, sagt er.

Allein in Österreich wurden 2023 laut Statistik Austria 427 neue Fälle von Gebärmutterhalskrebs registriert. Jährlich werden hier zudem mehr als 6.000 Konisationen, also operative Eingriffe zur Entfernung von Krebsvorstufen am Gebärmutterhals durchgeführt. Hinzu kommen zahlreiche weitere HPV-assoziierte Krebserkrankungen wie Anal-, Penis-, Vulva- oder Mund-Rachenkrebs. Rund 70 Prozent der HPV-bedingten Kopf-Hals-Tumoren treten bei Männern auf.

Europaweit erkrankten 2022 fast 29.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, mehr als 13.700 starben daran. Impfprogramme senken die Zahl von HPV-Infektionen und damit auch die Zahl der Krebsvorstufen. Bis sich der Effekt vollständig in den Krebsstatistiken zeigt, vergehen oft Jahre.

Ralph Schallmeiner (grüne) und Sophie Kaitlin Drescher sprechen bei der Pressekonferenz

Der HPV-Jugendbeirat setzt auf eine social-media-Kampagne um mehr junge Menschen über die HPV-Impfung aufzuklärenKlaus Ranger


Jugendliche übernehmen die Aufklärung

Der HPV-Jugendbeirat entstand im Mai 2025. Rund zehn Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 17 und 22 Jahren organisieren unter dem Namen „Fck HPV“ Impfaktionen, Social-Media-Kampagnen und Veranstaltungen. Ihr Ziel, HPV dort sichtbar machen, wo junge Menschen unterwegs sind.

Innerhalb eines Monats erreichten ihre Inhalte mehr als 200.000 Menschen. Bei Impfaktionen an Schulen, Universitäten und öffentlichen Orten ließen sich rund 2.000 Menschen impfen, sagen sie campus a.

Vanessa Klein gehört zum Jugendbeirat. Die bisherige Gesundheitskommunikation habe junge Menschen oft verfehlt, sagt sie. Deshalb produziere das Team Videos, die eher wie Social-Media-Inhalte wirken als klassische Gesundheitskampagnen. „Wir wollten Kommunikation von jungen Menschen für junge Menschen machen“, so Klein.

Gemeinsam mit Jugendorganisationen richtete der Beirat bereits im April einen offenen Brief an das Gesundheitsministerium und das Büro des Bundespräsidenten. Die Forderung: Das Programm verlängern, bevor die Frist ausläuft.

Impfen statt behandeln

Auch der Österreichische Frauenring unterstützt die Forderung nach einer Verlängerung. Vorsitzende Klaudia Frieben erinnert an eine eigene gesundheitliche Erfahrung. Nach einer Schwangerschaft musste sie sich wegen einer HPV-bedingten Krebsvorstufe einem Eingriff unterziehen. Heute würde sie die Impfung ihren Kindern jederzeit empfehlen. „Wer die Möglichkeit hat, sich zu schützen, sollte sie nutzen“, sagt Frieben.

Während die letzten Fragen der Pressekonferenz beantwortet werden, füllt sich vor dem Impfzimmer erneut die Warteschlange. Eine Ärztin ruft den nächsten Namen auf, eine junge Frau steht auf und verschwindet hinter der Tür. Auf einem Tisch liegen Informationshefte über HPV und Krebsprävention. Einige holen ihren zweiten Stich nach, andere nutzen ihre vielleicht letzte Gelegenheit auf eine kostenlose HPV-Impfung.


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