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Lanz, Precht und die Diskriminierung des Mannes

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Redakteurin · campus a
25.06.2026
4 Min.

Wann ist ein Mann ein Mann? Das fragte sich schon Herbert Grönemeyer in den 80ern, nun wollen Lanz und Precht dieser Frage in ihrer neuen Podcast-Folge nachgehen. Im Endeffekt geht es dann eher darum, wie benachteiligt Männer sind und was sich am Feminismus kritisieren lässt.

Lanz (r.) und Precht (l.) sind seit 2021 stolze Podcaster. Fakten bekommen in diesem Meinungsduett mal mehr, mal weniger Sendezeit. (Foto: ZDF / Christian Bruch)

„Guten Morgen, Richard!” „Guten Morgen, Markus!” Die 249. Folge des ZDF-Podcasts Lanz und Precht beginnt nicht anders als viele andere zuvor. Angestoßen durch Markus Lanz’ Reise durch die USA, wollen sich die beiden Universalexperten über die Rolle des Mannes in der modernen Welt austauschen. In den USA sei er vielen jungen Männern mit verstörendem Weltbild begegnet, sagt Lanz.

Die beiden sprechen also über Männer und Frauen, vor allem eigentlich über Männer. Es gibt nur ein Problem: Wer über Geschlechterrollen und Diskriminierung sprechen will, sollte mehr tun, als ein paar männliche Benachteiligungen aufzuzählen. Genau daran scheitert diese Podcastfolge.

Viele Behauptungen, wenig Belege

Die Beschreibung „alter weißer Mann” erfülle jede Form von Diskriminierung, ebenso das „in Grund und Boden rammen”, das aktuell keine Bevölkerungsgruppe so stark erlebe wie der Mann, erklärt Markus Lanz, Moderator und Journalist beim deutschen öffentlich-rechtlichen ZDF.

Lanz sieht die Bezeichnung „alter weißer Mann" bereits als Diskriminierung, das zeigt ein grundlegendes Missverständnis. Der Begriff soll keine biologischen Eigenschaften beschreiben, sondern auf gesellschaftliche Machtverhältnisse verweisen und somit zum Nachdenken über die eigenen Privilegien anregen. Etwas, das auch den beiden Herren womöglich nicht schaden könnte. Manch einer könnte behaupten, sie passten doch selbst auf die Beschreibung.

Precht macht aus Sozialisierung Biologie

Jungs seien außerdem im Bildungssystem benachteiligt, argumentiert Podcastpartner Richard David Precht. Ihr Bedürfnis, sich zu bewegen, sei sehr viel größer als bei Mädchen, so der Autor und Philosoph. Der klassische Unterricht sei dementsprechend für Mädchen viel vorteilhafter und auch allgemein seien Frauen im Bildungs- und Kultursektor heutzutage in der günstigeren Position.

Precht ist Meister darin, seine Philosophien wie Fakten klingen zu lassen. Schlüsseln wir zumindest diese zwei mal auf: Jungs haben nicht automatisch ein stärkeres Bewegungsbedürfnis und Frauen haben es nicht „günstig” im Kulturbereich.

Aus Sozialisation wird bei Precht kurzerhand Biologie. Seine Beobachtung könnte entstanden sein, weil die Erziehung bei Mädchen grundsätzlich ganz anders aussieht. Erwachsene tolerieren Verhaltensweisen wie Lautstärke, Bewegungsdrang oder Durchsetzungsvermögen bei Jungen eher, deshalb rennen die mehr umher. Mädchen hingegen halten Eltern häufiger zu Rücksichtnahme, Anpassung und Selbstkontrolle an.

Im Unterricht erwarten Lehrkräfte von Mädchen häufig mehr, sagt auch die Soziologin Gerlinde Mauerer von der Universität Wien. Noch immer setzen sie Mädchen häufig als „Puffer“ ein, um das Verhalten besonders aktiver Jungen auszugleichen.

Auch im Berufsleben haben es Männer leichter

Frauen sind im Bildungs- und Kultursektor stärker vertreten, ja. Sind sie dort dann in der Machtposition? Nein, im Gegenteil. Männer steigen in weiblich dominierten Berufen sogar noch schneller in Führungspositionen auf. Dieses Phänomen nennt sich „glass escalator” (gläserner Aufzug), sagt Mauerer.

Nun gut. Vielleicht meinte Precht mit „günstig” nicht die Machtposition. Aber wer so eine Behauptung aufstellt, sollte zumindest erklären, auf was er sich bezieht. Das Gehalt kann er jedenfalls auch nicht gemeint haben.

Individuelle Gefühle sind keine strukturelle Diskriminierung

Die feministische Phrase „Nicht alle Männer, aber immer Männer” soll darauf aufmerksam machen, dass sexualisierte Gewalt in den überwiegenden Fällen von Männern ausgeht. Lanz hält diese Formulierung für unfair. Schließlich sind die meisten Männer keine Täter. Es müsste heißen: „es sind die allermeisten Männer nicht."

Männer sind strukturell bevorzugt. Historisch und gegenwärtig. Natürlich ist nur eine Minderheit gewalttätig, „nicht alle Männer.” Doch auch Männer, die persönlich nicht diskriminierend handeln, profitieren vom System. Das sei die patriarchale Dividende von Raewyn Connell, sagt Mauerer.

Kein Wunder, wenn dann die Motivation sinkt, gegen dieses System zu arbeiten. Die meisten Männer sind keine Täter, aber schauen weg, nutzen passiv ihre Vorteile oder tolerieren die Grenzüberschreitungen anderer. Auch das ist nicht in Ordnung. Eine Studie von PMC, Pubmed Central, zeigt beispielsweise, von den Männern, die eine übergriffige Situation beobachtet hatten, griffen rund 60% nicht ein. Sie wussten nicht, was zu tun sei, hätten die Situation nicht als problematisch erkannt oder keine Verantwortung gespürt.

Natürlich sprechen Lanz und Precht auch über Ikkimel

Auch auf die Berliner Rapperin Ikkimel kommen die beiden zu sprechen und finden ein äußerst originelles Argument gegen ihre teils vulgären feministischen Texte: „Jetzt stelle dir das mal umgekehrt vor. Wenn ich das als Mann sagen würde, könnte ich mich morgen eingraben gehen.”

Was Lanz und Precht hier vergessen, Ikkimel ist Rapperin, also Künstlerin. Rap ist seit jeher von Macho-Männern dominiert, auch der deutsche. Ikkimel dreht diese Kultur um und hält ihr so den Spiegel vor, wenn sie in ihren Texten feministisch überspitzt. Hoffentlich muss sie sich für ihre Kunst nicht eingraben, ihre männlichen Kollegen vor und nach ihr machen das ganz sicher nicht.

Männer und der Feminismus

Mit einem Punkt haben Lanz und Precht recht: Wer Männer pauschal als Problem behandelt, riskiert genau jene Männer zu verlieren, die bereit wären, sich mit Geschlechterungleichheiten auseinanderzusetzen. Gerade deshalb wäre es wichtig gewesen, Männer hier nicht gegen den Feminismus auszuspielen, wenn auch betont elegant differenziert.

Die Lösung liegt im Dialog. Wer ernsthaft über Gleichberechtigung sprechen will, braucht mehr Perspektiven als die zweier Männer, die noch nie strukturelle Diskriminierung erlebt haben. Die Perspektive einer Frau zum Beispiel.




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