Campus a: Vier Semester campus a Akademie für Journalismus. Als Studentin bist du da direkt in der Praxis gelandet, wie war das?
Julia Ehrensberger: Die Anforderungen waren von Anfang an hoch und die Lernkurve dementsprechend steil. Bei einem normalen Job startest du mit einfachen Aufgaben und arbeitest dich hoch. Hier musste ich sofort Verantwortung übernehmen. Mein erster Beitrag war ein Interview mit Werner Reisinger, dem Wien-Korrespondenten der Augsburger Allgemeine. Ich war nervös, bekam aber viel Unterstützung bei der der Vorbereitung des Interviews.
Und sonst?
Ich habe auch gelernt, wie ich an Kontakte komme, Fakten überprüfe und Geschichten so erzähle, dass sie aktuell, relevant und leicht verständlich sind. Wie ich mich bei PR-Leitern oder Pressestellen durchsetzen kann. Mit der Zeit entwickelst du eine gewisse Routine und wirst sicherer. Im Journalismus lernst du aber nie aus. Jedes Thema, jeder Interviewpartner, jeder Mensch ist anders.
Du hast inzwischen mehr als sechzig Storys veröffentlicht. Was waren deine besten?
Stolz bin ich auf meine Recherche über das Lobbying des chinesischen Konzerns Huawei in Österreich. In dem Artikel ging es um die Frage, wie Kontakte zu Spitzenpolitikern entstehen und wie viel sie kosten. Ich habe es geschafft, ein Gespräch mit einem Lobbyisten zu organisieren und viel Unerwartetes herausgefunden. Das war spannend.
Einige deiner Storys haben dann auch andere Medien übernommen.
Ja, zum Beispiel meine Recherche über Provisionen, die Kontrolleure in den Wiener Öffis bekommen, wenn sie Schwarzfahrer erwischen. Die Recherche war aufwändig. Bei den Wiener Linien wollte niemand mit mir reden. Ich habe wochenlang recherchiert, mit Kontrolleuren zu sprechen versucht, über Reddit geschrieben, die Kollektivverträge durchgelesen. Als die Geschichte dann rauskam, haben viele Medien darüber berichtet und uns zitiert. Das war surreal.
Wie bist du zu campus a gekommen?
Ich studiere Kommunikationswissenschaften in Salzburg. Neben meinem Studium wollte ich Praxiserfahrung sammeln, wusste aber noch nicht wo. Meine Uni hat irgendwann auf Instagram gepostet, dass campus a an unsere Uni kommt, um das Projekt vorzustellen. Ich habe mich sofort angemeldet. Ich war schon immer neugierig und habe mich für die Geschichten anderer Menschen interessiert. Auch das Schreiben war von Kind an eine Leidenschaft. Bei campus a konnte ich aus diesen Interessen etwas machen.
Du hast auf Vermittlung der Akademie auch in anderen Magazinen publiziert. Wie ist das gelaufen?
Campus a hat den Kontakt zur Boulevardzeitung Die ganze Woche hergestellt. Ebenfalls über Vermittlung von campus a habe ich für das Wirtschaftsmagazin Boom geschrieben. In dem Fall war es ein Kommentar zum Wirtschaftsunterricht an Schulen.
Du bist jetzt fixe Freie bei Die ganze Woche. Wie erlebst du den Boulevard im Vergleich zum klassischen Journalismus?
Jeder Journalist sollte Boulevard-Erfahrung haben. Es ist ein anderer Stil, eine andere Themenauswahl, eine andere Herangehensweise. Du lernst so viel Neues. Teilweise kommst du ganz nah an die Menschen und ihre Schicksale heran. Da musst du ein Gespür für die Grenzen von Privatsphäre entwickeln.
Über welche Themen hast du geschrieben?
Einmal habe ich einen Beitrag über eine Mutter geschrieben, die unter Altersarmut leidet. Sie hat ihr ganzes Leben lang gearbeitet. Trotzdem hat sie in der Pension Probleme. So eine Story emotional, aber dennoch respektvoll aufzubereiten, ist nicht einfach. Diese Balance zu finden war ein wichtiger Schritt für mich.
Die Medienbranche ist aktuell stark im Wandel. Was glaubst du, wie der Alltag von Journalisten in zehn Jahren aussehen wird?
KI wird definitiv ein Faktor sein. Wer es schafft, sie sinnvoll einzusetzen, um Abläufe zu optimieren, ohne an Qualität zu verlieren, ist im Vorteil. Unsere Welt wird immer komplexer. Fake News nehmen zu und demokratische Werte erodieren in vielen Staaten. Gerade deshalb brauchen wir hochwertigen Journalismus dringender denn je, um den Überblick zu behalten. Es braucht Journalisten, die keine Angst haben, Machtkritik zu äußern und hinzuschauen, wenn es unbequem wird. Außerdem wird sich der unabhängige Journalismus zunehmend personalisieren und sich noch stärker in die sozialen Medien verlagern. Ich fürchte, das Sterben der klassischen Printmedien wird nicht aufzuhalten sein.
Du trittst jetzt ein Praktikum bei der Tiroler Tageszeitung an. Wo siehst du dich auf lange Sicht?
Ich möchte bei möglichst vielen Redaktionen reinschnuppern, in Österreich und Deutschland. Ganz besonders interessiert mich die Neue Züricher Zeitung. Später möchte ich im Investigativ- oder Wirtschaftsressort arbeiten. Mein Traum ist es, für die New York Times zu schreiben. Klassische Antwort, aber das wäre wirklich eine unglaubliche Erfahrung.
Gibt es etwas, das du den Neulingen in der Akademie sagen möchtest, deren Weg gerade erst beginnt?
Journalismus ist nicht nur ein Beruf und auch mehr als eine Leidenschaft. Er bedeutet eine riesengroße Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit, der Demokratie und den Menschen. Für mich war campus a ein wichtiges Sprungbrett, das mir den Einstieg in den Journalismus ermöglicht hat. Dafür bin ich sehr dankbar.
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