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Meine kleine Sammlung (peinlicher) Momente

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17.05.2026
3 Min.

Wie geht es dir? Warum gehört diese Frage dazu, obwohl nie jemand eine echte Antwort darauf gibt? Und warum fallen uns peiunliche Situationen immer wieder ein, auch wenn andere Beteiligte sie gar nicht peinlich gefunden haben?

Die wahrscheinlich häufigste Frage der Welt, gestellt auf allen Kontinenten und in allen Kulturen. Wer erwartet darauf eine offene Antwort? Wer will eine geben und wer will eine hören? (Foto: Shutterstock)

Erst vor Kurzem ist mir wieder aufgefallen, wie einstudiert die Frage „Wie geht’s?“ eigentlich ist. Ich komme morgens in die Schule, sehe meine Klassenkollegin Maja am Gang und frage fast automatisch: „Hey, wie geht’s dir?“ Noch bevor ich überhaupt richtig darüber nachdenke, kommt die Antwort: „Gut, danke, dir?“ Ich antworte genauso schnell mit „Auch gut“, und schon gehen wir weiter. Alles passiert innerhalb von ein paar Sekunden. Fast wie ein auswendig gelernter Ablauf. Dabei weiß ich in diesem Moment gar nicht, ob es Maja wirklich gut geht oder ob sie vielleicht heute einen schlechten Tag hat. Und wahrscheinlich interessiert sie das bei mir auch gar nicht wirklich. Trotzdem gehört diese Frage irgendwie dazu. Sie kommt fast automatisch und genauso automatisch antworten wir darauf, oft ohne wirklich darüber nachzudenken, wie es uns eigentlich gerade geht.

Peinliches vergisst man nicht

Es ist schon eine Zeit lang her, und trotzdem erinnere ich mich noch genau daran: Ich gehe die Straße entlang und entdecke plötzlich jemanden, den ich sofort für meine Freundin Emma halte. Gleiche Haare, ähnliche Jacke, ich bin mir ganz sicher. Sofort winke ich ihr überschwänglich und gehe auf sie zu. Doch als ich nur noch ein paar Meter entfernt bin, schaut die Person auf. Ein völlig fremdes, verwirrtes Gesicht blickt mich an. Kein Lächeln, kein Zurückwinken, nur Überraschung. Genau in diesem Moment wird mir klar: Das ist nicht Emma, sondern eine wildfremde Person. Mir wird sofort heiß vor Scham und ich sprach sie nett an, als wäre das geplant gewesen. Obwohl das schon länger her ist, erinnere ich mich immer noch genau daran.

Kommt dir das bekannt vor? Ich glaube, wir alle haben eine kleine Sammlung an peinlichen Momenten, die uns hin und wieder ganz plötzlich wieder einfallen.

Wie unsere Gefühle unsere Wahrnehmung verändern

Entsprechen diese Erinnerungen überhaupt komplett der Wahrheit? Naja, bis zu einem gewissen Grad schon. Jedoch speichert sich das Erlebnis leicht verändert, durch den Einfluss unserer eigenen Wahrnehmung, ab. So stimmen die meisten Erinnerungen nicht wirklich mit der Wahrheit überein. Peinlichkeit kann die erlebte Konversation nämlich einschüchternd und unangenehm erscheinen lassen, während sie für andere lustig und locker in Erinnerung bleibt. Beispielsweise verstehe ich mich mit der Person, die ich damals verwechselt habe, mittlerweile ganz gut. Als ich ihr gestern erklärte, wieso ich damals auf sie zugegangen bin, meinte sie, die Begegnung erschien für sie nicht komisch oder unangenehm, sondern wie aus reiner Nettigkeit entsprungen.

Zusammenfassend zeigen mir diese alltäglichen Kleinigkeiten, über die ich gerne hin und wieder nachdenke, wie einseitig unsere Wahrnehmung ist. Wir sehen nur unsere eigene, beschränkte Perspektive: Wir handeln so, wie es üblich ist. Wir erinnern uns an die prägenden Momente, in denen wir starke Emotionen wie Peinlichkeit fühlen. Und unsere Wahrnehmung wird durch unsere Gefühle beeinflusst. All das führt mich zu folgenden Fragen: Wie viele Situationen waren eigentlich gar nicht so, wie ich sie in Erinnerung habe? Was sind noch so einstudierte Dinge im Alltag, die ich ohne viel Nachdenken sage oder mache? An wie viele peinliche Momente kann ich mich insgesamt erinnern?