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Meta Glasses: Warum kaufen sie Touristen gleich dutzendweise und was sagen die Wiener zu Datenschutzbedenken?

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Redakteurin · campus a
20.08.2026
4 Min.

Die KI-Brillen des Facebook-Konzerns sind gerade das Gesprächsthema Nummer eins. Die sogenannten Meta Glasses können jederzeit und jeden filmen, ganz unauffällig. Das alarmiert nicht nur Datenschützer, sondern führte schon zu ersten Klagen. Die Menschenrechtsorganisation HateAid stellte nun in Deutschland Strafanzeige gegen Meta. Influencer und Social Media Konzerne sind jedoch längst nicht die einzigen, die mit den neuen Brillen so einiges anzufangen wissen.

Die Nachfrage ist riesig, Meta musste die weltweite Auslieferung des neuen Modells „Display" vorerst stoppen. (Foto: Shutterstock)

„Ray-Ban x Meta Glasses“ steht auf einem riesigen Plakat über dem Sonnenbrillenladen in der Kärntnerstraße. Immer wieder bleiben Menschen vor dem Schaufenster stehen, werfen einen Blick hinein. Die KI-Brillen scheinen sie zu interessieren. „Wir haben eine große Auswahl hier“, kündigt ein Mitarbeiter von Ray-Ban an. „Kommt, ich zeig sie euch.“ Die Brillen haben sie im Laden dekorativ in einem hohen Kasten ausgestellt, sie sind bereit zum Testen.

Bekannt sind die KI-Brillen vor allem durch Social Media. Menschen filmen damit ihre Roomtour oder halten ihr Gravel Bike-Rennen fest. Meta glasses sind für alle die praktisch, die während des Filmens zwei Hände brauchen oder unerkannt bleiben wollen, wenn sie andere Menschen aufnehmen. Vor allem Zweiteres bringt dem Konzern gerade viel Kritik ein. Für Menschen mit Sehschwäche können die Brillen allerdings ein Segen sein und auch einige Touristen aus Asien machen Profit mit den Brillen, erzählt uns der Mitarbeiter im Geschäft.

Für Influencer, sehbehinderte Menschen und Touristen 

„Die Leute kaufen teilweise gleich dreißig Brillen am Stück“, sagt der Verkäufer im Wiener Ray Ban-Laden. Dieser Massenkauf ist kein Zufall, eine ganz besondere Zielgruppe steckt dahinter. Immer wieder kämen Touristen aus ostasiatischen Ländern in den Laden, erzählt er. Sie kauften haufenweise Meta-Brillen und würden sie mit nach Hause nehmen, um sie daheim teurer zu verkaufen.

Die Brillen sind in Ostasien nicht überall erhältlich. Erst seit Juli gibt es das neue Meta-Modell in Südkorea. In China sind die Brillen nicht verfügbar. Ein Blick auf die Meta-website zeigt, weltweit werden die Brillen überhaupt nur in knapp zwanzig Ländern unterstützt. Die meisten davon liegen in Europa. In vielen Staaten gibt es die Brillen zwar, ihre Funktionen sind jedoch nur eingeschränkt verfügbar.

Besonders für sehbehinderte Menschen können die Meta Glasses auch echte Vorteile bringen. „Wenn Menschen eine starke Sehschwäche haben und dann hier zum ersten Mal die Brille aufsetzen, sind sie immer ganz glückselig“, sagt der Mitarbeiter im Gespräch mit campus a. „Das ist voll schön zu sehen.“ Die KI in der Brille kann ihre Umgebung beschreiben, Texte vorlesen oder Objekte identifizieren. Mit den Worten „Hey Meta, be my eyes“ können sich auch sich Freiwillige zuschalten, die den Brillenträgern mit verschiedenen Aufgaben helfen

Ein umstrittener Trend

„Ich gehe ins Freibad, um dort eine nette Zeit mit meinen Freunden zu verbringen und mich abzukühlen. Nicht, um heimlich gefilmt zu werden und dann im Internet zu landen“, sagt Passantin Luisa (28) im Gespräch mit campus a vor dem Geschäft. Menschen würden oft nicht wissen, wenn ein anderer sie mit den Brillen filmt. „Die Leute verdienen dann Geld damit, selbst hast du nichts davon. Das ist eigentlich Missbrauch“, ergänzt Luisas Freundin Katrin (27).

Auch voyeuristische Aufnahmen aus der Sauna oder im Freibad tauchen immer häufiger auf. Erst vor kurzem berichteten Medien von einem solchen Fall. Ein Mann sprach eine Frau im Freibad an, unterhielt sich unauffällig mit ihr. Er verheimlichte allerdings die Kamera in seiner Sonnenbrille. Das Video von ihr im Bikini landete später ungefragt im Internet. Erst als sie selbst durch Social Media scrollte, stieß sie durch Zufall auf den Clip.

Strafanzeige von HateAid 

Fälle wie dieser häufen sich, Datenschutzbedenken werden immer lauter. Die Menschenrechtsorganisation HateAid reichte deswegen in Deutschland eine Strafanzeige gegen die Meta glasses ein. Sie fordern ein Vertriebsverbot für die Brillen, heimliche Aufnahmen sollen so verboten werden. „Durch den Verkauf der Ray-Ban-Meta-Brillen wird erneut Profit über Sicherheit gestellt“, so Josephine Ballon, Geschäftsführerin von HateAid. „Es kann nicht sein, dass Konzerne wie Meta ein weiteres Mal damit davonkommen.“

Die Brillen sollen nur verkauft werden dürfen, wenn sie als Smart Glasses erkennbar sind, etwa durch eine farbliche Kennzeichnung der Kameras, fordert HateAid. Die Folgen der Anzeige sind noch offen.

Meta kommt nicht nach

An guten Tagen verkauften sie dreißig Brillen, sagt der Brillenverkäufer bei Ray-Ban, mal seien es aber auch nur fünf. „Als die Brille neu rauskam, waren es natürlich mehr als heute“, sagt er. „Wahrscheinlich verkaufen wir auch wieder mehr, wenn das neue Modell da ist.“

Obwohl wir auf Amazon auch Kamerabrillen ab dreißig Euro finden, scheint die Nachfrage nach den deutlich teureren Meta Glasses für dreihundert bis fünfhundert Euro groß. Anfang des Jahres 2026 gab Meta bekannt, die Produktionen des neuen Modells Ray Ban Display für kanadische und europäische Märkte vorerst zu stoppen. Die Nachfrage in den USA hatte die Produktionsmöglichkeiten überstiegen, gab das Unternehmen bekannt. Meta kam so schnell nicht nach.

Auch Reality-TV-Star und Unternehmerin Kylie Jenner aus dem Kardashian-Clan mischt inzwischen im Geschäft mit. Im Juni launchte sie ihr eigenes Modell mit Meta: Eine schmale, trendige Brille, mit einem kleinen Glitzerstein geschmückt. Als ganz besonderes Highlight haben Käufer mit den Starfire-Glasses die von der KI nachgebildete Stimme von Jenner im Ohr. Der Markt ist groß, das zieht auch Superstars wie Jenner an.

„Ich finde, wir sollten das einschränken“

Der Mitarbeiter lässt uns die Brillen durchprobieren. Das Licht der Kamera leuchtet nur unauffällig, auf den ersten Blick könnte es auch eine ganz normale Brille sein. „Heimlich gefilmt werden will niemand, ich finde, wir sollten das einschränken“, sagt eine junge Frau vor dem Laden.

Wer mit den Menschen in Österreichs Straßen über die Brillen spricht, kann schnell eine Tendenz heraushören, die meisten zeigen sich besorgt oder skeptisch. „Ich habe persönlich noch keine Erfahrungen damit gemacht, zum Glück“, sagt der 21-jährige Lorenz. „Aber wir werden in Zukunft noch mehr Herausforderungen haben, was die Privatsphäre betrifft. Wir müssen jetzt schon anfangen, besser aufzupassen.“


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