Die Sonne scheint, doch Freizeitstimmung spürt hier in Bischofshofen niemand. Claudia Schuster steht an einer der letzten von 18 Bahnen. Vor ihr liegt eine Wand, nur eine schmal Öffnung führt auf die andere Seite. Da muss der Ball durch, genau im richtigen Winkel. Sie richtet die Kugel aus, konzentriert sich kurz und schlägt. Der Ball rollt präzise durch die Öffnung und findet seinen Weg ins Loch. Die drei Zuschauer, die beim ersten Turniertag dabei sind, jubeln begeistert.
Wenn Schuster den Ball so spielt, ist das kein Zufall. Dafür macht sie solche Schläge zu häufig. Wenn sie schlägt, ist das eine Mischung aus Präzision, Gefühl und vor allem Taktik. Sie spielt Minigolf auf Weltklasseniveau, mit einem Sonntagsausflug hat das nichts zu tun.
Vom 19. bis 22. August treffen bei der Minigolf-Europameisterschaft rund hundert der besten Spielerinnen und Spieler Europas aufeinander. Austragungsort ist der Minigolfclub Bischofshofen im Salzburger Pongau. Zwölf Nationen treten auf 18 Betonbahnen und 18 Miniaturgolfbahnen gegeneinander an.
Österreich spielt vor heimischem Publikum
Österreich trifft in Bischofshofen auf starke Konkurrenz. Zu den stärksten Gegnern des Heimteams zählen Deutschland, die Schweiz und Tschechien. Die österreichische Auswahl hat jedoch einen entscheidenden Vorteil, sie kennt die Anlage.
Mit Thomas Lottermoser kommt eine der österreichischen Hoffnungen sogar direkt aus Bischofshofen. Der Spieler des ASKÖ MGC Bischofshofen kennt die heimischen Bahnen seit Jahren. Bereits als Kind begann er auf der Anlage mit dem Minigolfsport. Heuer gewann Lottermoser die Herrenwertung der Salzburger Landesmeisterschaften
Auch Claudia Schuster kennt die Bahn bestens. Die Spielerin des 1. SMGSC Werfen gewann bei der Landesmeisterschaft 2026 die Damenwertung. Für sie ist die Heim-EM der nächste Höhepunkt einer langen Karriere. Für sie und die anderen Österreicher geht es hier nicht nur um irgendeine Europameisterschaft. Sie haben ein Heimspiel.
Mehr als ein Ball und ein Schläger
Wer Minigolf bisher mit einem Sonntagsausflug und einer oder zwei Kugeln Eis verbindet, dürfte beim Blick auf die Mini-Golf EM überrascht werden. Schon die Ausrüstung zeigt, wie viel Vorbereitung für die Profis hinter einer Runde steckt. Die Spielerinnen und Spieler haben Koffer voller Bälle dabei. Je nach Bahn und Spielsituation wechseln sie den Ball ein anderer zum Einsatz.

Konstant huschen Mitarbeiter des Veranstalters umher und bereiten die Bahnen vor dem Spiel genau vor. Jedes kleine Steinchen oder andere Verschmutzungen entfernen sie mit Tüchern entfernt, bevor der erste Ball rollt. Danach herrscht Konzentration. Die Spielerinnen und Spieler kennen die Bahnen bis ins kleinste Detail, sie wissen, mit welcher Geschwindigkeit sie den Ball spielen müssen, und wie er sich von welcher Bande Richtung Loch bewegen wird.
Und dann ist da noch der Kopf. „Die Nervenstärke ist genauso wichtig wie die Technik“, sagt Sarah Schumacher im Gespräch mit campus a. Die deutsche Nationalspielerin kennt den Druck bereits. Sie war schon Europameisterin und Weltmeisterin. Seit einigen Tagen trainiert sie in Bischofshofen, sie will die Bahnen möglichst genau kennen. Denn hier gewinnt nicht, wer einmal den perfekten Schlag macht. Entscheidend ist die Konstanz in jeder Runde, über alle vier Turniertage.
Eine 23, die fast perfekt ist
Wie hoch das Niveau ist, zeigt ein Blick auf die Ergebnisse. Der Bestwert auf den Betonbahnen in Bischofshofen liegt laut Veranstalter Andreas Lackner bei 23 Schlägen für eine Runde. Bei 18 Bahnen bedeutet das im Schnitt kaum mehr als einen Schlag pro Bahn. Für Hobbyspieler klingt das beinahe absurd, Für die Profis ist es das Ergebnis jahrelangen Trainings.
Doch so professionell das Ganze aussieht, Minigolf bleibt ein Amateursport. Auch für einen Weltmeistertitel gibt es kein Preisgeld. Laut Veranstalter Andreas Lackner gibt es zwar einzelne Turniere, bei denen Prämien von einigen hundert Euro ausgeschüttet werden. Davon leben können die Spielerinnen und Spieler aber nicht. Sie alle haben normale Berufe, Minigolf auf Weltklasse-Niveau spielen sie nebenbei.

Wie werden die Spieler zu weltklasse-Minigolfern?
Die meisten Spielerinnen und Spieler kommen nicht über eine klassische Ausbildung zum Minigolf, sondern über die Familie. So war es auch bei Claudia Schuster. Mit 17 Jahren begann sie durch ihren Vater mit dem Sport. Mittlerweile ist sie seit rund 40 Jahren dabei.
Schuster hat schon Höhen und Tiefen erlebt und kennt auch die Probleme des Sports. „Mit dem Nachwuchs in Österreich ist es leider etwas schwierig“, sagt sie. „Auch wenn es in den letzten Jahren wieder ein wenig besser geworden ist.“ In den vergangenen Jahren habe sich die Situation zwar wieder etwas verbessert, trotzdem fehle es weiterhin an Nachwuchs. Aufgeben kommt für Schuster trotzdem nicht infrage. Die Minigolf-Szene sei klein, aber familiär und genau das mache den Sport für sie so besonders.
Heimvorteil, kein Heimspaziergang
Die Bahnen sind bekannt, die Abläufe vertraut, doch der Druck ist groß. Jeder kleine Fehler kann über Triumph oder Niederlage entscheiden. Den Österreichern hier ist klar, auch mit dem Heimvorteil wird das kein leichtes Spiel.
Claudia Schuster leigt nach dem zweiten Turniertag und zwei Regenunterbrechungen auf Platz neun in der Einzelwertung, die ersten neun qualifizieren für sich für die nächste Runde. Für Schusters Team läuft es noch besser, das Team der österreichischen Frauen geht auf Platz drei in das restliche Turnier.
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