Staatliche und staatsnahe iranische Agenturen meldeten, dass es in der Nacht von Montag auf Dienstag nahe der Stadt Bandar Abbas zu Schüssen und Explosionen gekommen sein soll. Die Situation sei jedoch unter Kontrolle. Vom für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommando (Centcom) hieß es hingegen, dass lediglich Schutzmaßnahmen für US-Militärschiffe ergriffen worden seien, ohne dabei die vereinbarte Waffenruhe zu verletzen.
Verhandlungen gehen trotz Zwischenfall weiter
Zu einem sofortigen Abbruch der Verhandlungen kommt es aufgrund eines solchen Vorfalls allerdings nicht. US-Außenminister Marco Rubio, der sich derzeit in Indien aufhält, sprach sich für eine Fortsetzung der Gespräche in Katar aus. An den Börsen wurde dennoch vorsichtig reagiert. So stieg der ohnehin bereits hohe Preis für ein Barrel Öl der Sorte Brent von Montagabend auf Dienstagfrüh um 3,5 Prozent.
Bereits die vorherigen Gespräche verfolgten das Ziel, ein Dokument auszuarbeiten, das sowohl als Grundlage für weitere Verhandlungen als auch als vorläufige Lösung zur Beendigung des aktuellen Konflikts dienen soll. Ein zentraler Punkt dieses Papiers ist die Aufhebung der Blockaden auf beiden Seiten der Straße von Hormus, um den Handel in der Region wieder zu ermöglichen. Ein US-Beamter erklärte gegenüber Axios, es gehe um „Wörter, viele Wörter, die uns wichtig sind“. Darüber hinaus sollen eingefrorene iranische Vermögenswerte in Milliardenhöhe freigegeben und Sanktionen gelockert werden.
Ein klares Ende des Konflikts ist jedoch weiterhin nicht in Sicht. Diskutiert wird nach wie vor über das Schicksal von 450 Kilogramm waffentauglichem Uran, das laut US-Präsident Donald Trump bereits zerstört worden sei. Das geplante „Memorandum of Understanding“ – eine politische Vereinbarung, die weniger rechtlich bindend als vielmehr auf gegenseitigem Vertrauen basiert – soll deshalb eine Frist von 60 Tagen vorsehen. Diese könnte dem Iran angesichts der in etwa 60 Tagen stattfindenden Midterm-Wahlen in den USA entgegenkommen.
Wenig überraschend sorgt dabei erneut Donald Trump für Aufmerksamkeit. Seine Aussagen zum Konflikt wirken teilweise widersprüchlich und wechseln häufig. So erklärte der amtierende US-Präsident zuletzt, der Iran müsse sein Nuklearmaterial nun doch nicht an die USA übergeben.
Als weiterer Nebenschauplatz der Verhandlungen gilt der Libanon. Auf iranischer Seite gibt es Forderungen, das Land ebenfalls in die Waffenruhe einzubeziehen. Dabei wird der Miliz Hisbollah eine zentrale Rolle zugeschrieben. Israels Regierung reagierte darauf mit Warnungen vor einer möglichen „Ausweitung des Einsatzes“. Der Libanon könnte damit zu einem zusätzlichen Unsicherheitsfaktor für die laufenden Verhandlungen werden. Trumps Ziel bleibt es, möglichst viele Staaten in die Abraham Accords einzubinden – seinen diplomatischen Versuch einer Normalisierung der Beziehungen zu Israel.