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Newcomerband Cassies: fünf Köpfe, ein Sound und der Sprung auf die großen Bühnen

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Volontär · Universität Wien
27.08.2026
5 Min.

Cassies haben noch keinen Song offiziell veröffentlicht. Trotzdem gewann die Wiener Band die Planet Festival Tour und spielte im Gasometer, beim Nova Rock und beim Sziget Festival vor tausenden Zuschauern. Sänger Jakob Zankl erzählt im Gespräch mit campus a von einer Karriere in umgekehrter Reihenfolge, dem Druck nach dem frühen Erfolg und einem Debütalbum, das nun die Musik zu den Konzerten liefert.

Die Wiener Indie-Band spielte schon auf den größten Bühnen Österreichs, bevor sie am 28. August ihre erste Single veröffentlichen (Foto: Jakob Zankl )

In seiner Mittagspause klingt Jakob Zankl erstaunlich unscheinbar für jemanden, der auf der Bühne kaum zu übersehen ist. Seine Stimme bleibt am Telefon monoton, unsicher klingt sie nie. Zankl antwortet ruhig, überlegt und mit einer Selbstverständlichkeit, die auch dann erhalten bleibt, wenn er über eine Musikkarriere spricht, deren Zukunft er selbst kaum vorhersagen kann.

Wer den Sänger von Cassies schon einmal auf einer Bühne erlebt hat, kennt einen anderen Zankl. Blonde Haare, Longsleeve, breites Lächeln. Vor allem aber eine Präsenz, die schwer zusammengeht, mit der monotonen Stimme aus der Mittagspause. Sobald die Musik einsetzt, zieht er die Blicke auf sich und genießt die Bühne.

Die Karriere in umgekehrter Reihenfolge

Cassies spielt bereits auf Bühnen, für die andere Nachwuchsbands jahrelang Songs veröffentlichen. Im Mai 2025 spielte die Band im ausverkauften Gasometer, im Juni 2026 folgte das Nova Rock im August dann das Sziget Festival in Budapest. Ihre erste offizielle Single Two Sides erscheint am 28. August. Sie wollen, „ein bisschen Momentum aufbauen“ und „neue Hörer dazuzugewinnen“, sagt Zankl im Gespräch mit campus a.

Zuerst die Konzerte vor tausenden, dann die erste veröffentlichte Single, das musste auch Zankl erst einordnen. Das Finale der Planet Festival Tour im Gasometer war das sechste Konzert der Band, einen Song hatten sie da auf den großen Streamingplattformen noch nicht veröffentlicht. „Es hat sich irgendwie komisch angefühlt, weil wir uns als Musiker noch gar nicht so weit fühlten, in so einer Location zu spielen“, erzählt Zankl. Einen der Songs, die sie spielten, hatte er erst vier Tage zuvor fertiggeschrieben. Vor der Bühne drängten sich tausende Menschen. Zwei Jahre zuvor existierete Cassies noch nicht einmal.

Im Juni 2026 eröffneten Cassies die Red Bull Stage beim Nova Rock, ein Lebenstraum. „Es gibt Festivals, wo du vielleicht mal warst, die du gesehen hast und dir sagst: Irgendwann einmal da spielen, wäre der Traum,“ sagt Zankl.

Cassies bei einer Festivalshow

Cassies bei einer FestivalshowJakob Zankl

Fünf Musiker finden sich

Die Geschichte der Band führt an die Universität Wien. Zankl lernte dort Gitarrist Lukas Schüssler beim Soziologiestudium kennen. Ein Studienkollege gründete eine Whatsapp-Gruppe für Studierende, die Kunst oder Musik machten und Kontakte suchten. Daraus entstand ein kleiner Kreis.

Für eine Band fehlten den beiden Bass und Schlagzeug. Über Freunde kamen Bassistin Sophia Hofinger und Schlagzeuger Maurice „Mory“ Naessens dazu. Naessens traf das fünfte Bandmitglied, Thomas Ehrnleitner, später zufällig in der Westbahn. Er fragte ihn zunächst, ob er Saxofon spiele, Ehrnleitner spielte Trompete, Naessens lud ihn zu einer Probe ein. Seit Anfang 2024 stehen alle gemeinsam als Cassies auf der Bühne.

Zu ihrem Namen kamen sie eher zufällig. Eins wussten sie, der Bandname sollte möglichst wenig vorwegnehmen. „Es ist irgendwie cool, wenn die Menschen nicht gleich ein Bild davon haben, wo das hingehört oder einzuordnen ist“, sagt Zankl. Cassies blieb hängen, weil der Name leicht über die Lippen gehe und einprägsam klinge.

Mehrere Musikrichtungen in einem

Cassies bringt unterschiedliche musikalische Hintergründe zusammen. Stoner Rock trifft auf Metal, Jazz und Volksmusik. Ehrnleitners Trompete ergänzt Gitarren, Bass und Schlagzeug. Ihre Konzerte lassen die Menge oft in Trance. Songs wie Made of Glass bauen sich langsam auf und gipfeln dann in einer Welle aus Energie. Auf Festivals spielen sie danach meist den Song Talisman, bei dem sich die Masse spätestens zum Schluss in den Armen liegt.

Aus den Einflüssen der Genres und der Musiker entsteht bei Cassies kein Kompromiss, mit dem sich jedes Mitglied irgendwie arrangiert. „Wir sind erst fertig, wenn sich jeder verstanden und gehört fühlt in der Musik, die wir machen“, sagt Zankl. Eine Gitarrenidee von Schüssler oder eine Bassline von Hofinger können den Ausgangspunkt liefern. Danach arbeiten alle fünf an der Struktur. Zankl schreibt den Großteil der englischen Texte.

Auch außerhalb der Musik, sind die Aufgaben in der Band klar verteilt. Einer macht das Booking, der nächste die Finanzen, auch Merchandise, Social Media und Probenplanung liegen inzwischen jeweils stärker bei einzelnen Mitgliedern. Die wichtigen Entscheidungen besprechen sie aber weiterhin alle fünf gemeinsam.

Drei Songs reichen für den Anfang

Den ersten Schub bekam Cassies durch einen Vorschlag von Bassistin Hofinger. Sie hatte von der Planet Festival Tour gehört und erzählte den anderen von ihrer Idee. Sie wollten bei dem Bandwettbewerb zunächst andere Musiker kennenlernen, Kontakte knüpfen, Auftritte finden und etwas Geld für die Bandkasse verdienen. Zu Beginn des Wettbewerbs hatten sie laut Zankl drei fertige Songs.

Der Wettbewerb zählt zu den etablierten österreichischen Live-Act-Contests. Publikum und Jury entscheiden zu gleichen Teilen über das Ergebnis, den Gewinnern winken Geld, Festivalauftritte und weitere Förderpreise. Cassies arbeiteten sich 2024 und 2025 durch die Runden. Die drei Songs reichten, Cassies gewann den Wettbewerb beim Finale im Mai 2025 im Gasometer vor tausenden Menschen im Publikum.

„Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, das zu verarbeiten und einzuordnen“, sagt Zankl. Er fühlte sich mit dem Erfolg noch nicht wohl, zwischen frisch geschriebenen Songs, Lampenfieber und den großen Bühnen fehlte ihm zunächst ein Maßstab für den eigenen Erfolg.

Plötzlich gibt es etwas zu verlieren

„Danach haben wir uns selbst Druck gemacht“, sagt Zankl. Mit dem Sieg bei der Planet Festival Tour hatte Cassies das Geld für ihr erstes Album zusammen, die Band hatte aber auch Erwartungen geweckt. Die fünf wollten zeigen, da kommt noch mehr. Songs für ein Publikum schreiben, nur weil sie dort funktionieren könnten, wollte Zankl trotzdem nicht. „Musik muss ehrlich bleiben“, sagt er. „Und eine Verbindung zu den Zuhörenden schaffen.“

Cassies steckte einen Teil des Preisgeldes in ein Studio und entschied sich gegen schnelle Veröffentlichungen. Statt einzelner Singles wollten die fünf ein Album aufnehmen. „Es ist vielleicht ein bisschen oldschool“, sagt Zankl. „Aber es ist das, was uns allen am meisten zugesagt hat.“ Eine Platte auf Vinyl, ein geschlossenes Werk, etwas, das nach all den Konzerten endlich in der Hand liegen soll.

Irgendwann können die fünf vielleicht auch von ihrer Musik leben. Bis dahin sitzen sie an gewöhnlichen Wochentagen weiterhin in Soziologievorlesungen oder bei ihren Teilzeitjobs. Nach den anstrengenden Festivalauftritten folgen deshalb keine freien Nachmittage, sondern fünf volle Terminkalender, Proben, Booking, Fotos, Videos und Studioarbeit. Für ein echtes Leben als Rockstars bleiben bisher keine Zeit und kein Geld, die Einnahmen aus Konzerten und Merchandise fließen noch komplett zurück in die Band. „Wenn wir Ende des Jahres grob auf null rauskommen, sind wir eigentlich positiv gestimmt“, sagt Zankl.

Wenn der Algorithmus mitentscheidet

Zankl spricht über die kommenden Jahre vorsichtiger als über die vergangenen. Eine Tour wäre ein Ziel, er will mehr Musik machen. Er kann sich das schon vorstellen, so ein Leben als Musiker. Zankl kennt aber auch die Unsicherheiten einer Branche, in der Qualität allein keinen Karriereweg garantiert.

„Das Geschäft ist mittlerweile sehr abhängig von Zufällen“, sagt er. Es brauche Kontakte, Gelegenheiten und digitale Plattformen. „Der richtige Algorithmus muss irgendwie Spaß an deiner Musik haben,“ sagt er.

Ihre erste offizielle Single Two Sides erscheint am 28. August. Am 30. Oktober folgt dann das langersehnte Debütalbum. Einen Abend zuvor, am 29. Oktober, feiern Cassies den Release mit einem Konzert im Wiener Flucc.

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