„Als ich ins Stadion gegangen bin und zum ersten Mal das Spielfeld gesehen habe, das war mein schönster Moment“, sagt Fußballfan Matteo Wiederkom. „Da habe ich realisiert, ich bin gerade bei der Weltmeisterschaft.“ Wiederkom war beim WM-Auftakt live dabei.
Die Reise zur Weltmeisterschaft kostet für österreichische Fans zwar ein paar tausend Euro und für die ÖFB-Elf ging es über das Sechzehntelfinale gegen Spanien nicht hinaus, doch Wiederkom war es das wert. „Ich würde auf jeden Fall jedem empfehlen einmal live dabei zu sein“, sagt er. „Das ist echt ein unvergessliches Erlebnis.“
Die Weltmeisterschaft 2026 ist die größte aller Zeiten, 1.248 Spieler aus 48 Nationen spielen 106 Spiele in 16 Stadien in drei Austragungsländern. Einmal live dabei, das ist für viele Fans ein Lebenstraum. Bis zu 10.000 Österreicher sollen beim Auftaktspiel gegen Jordanien in San Francisco gewesen sein. Wie war das Erlebnis vor Ort wirklich und war die Reise den Preis wert? Campus a hat bei mitgereisten Fans nachgefragt.
Der Traum von der WM hat seinen Preis
ÖFB-Fan Fabian Flügel zahlt für sein Hotelzimmer in San Francisco 200 US-Dollar pro Nacht. Wiederkom und seine Freunde sind zu fünft, ihr Airbnb in Mexiko kostet für eine Woche 1000 Euro pro Kopf. Dazu kommen die Flugkosten von ungefähr 800 Euro. Weil die Stadien häufig nicht gut angebunden sind, müssen sich viele Fans einen Mietwagen nehmen oder mit dem Taxi zum Stadion. Selbst wenn ein Zug fährt, ist auch der teuer. Eine Hin- und Rückfahrt von New York zum Finalstadion in New-Jersey kostet derzeit 105 Dollar, Luftlinie 14 Kilometer.
„Durch Steuern und Servicegebühren, die immer im Nachhinein dazukommen, ist es in den USA viel teurer als in Österreich“, sagt Tobias Illmer, Fußballfan und Gründer des Medienstartups Es lebe der Sport. „Und natürlich musst du dann auch noch viel Trinkgeld geben.“
„Wir haben keine Bierpreise unter 20 Dollar gesehen, auch ein Wasser kostet 8 oder 9“, sagt auch Flügel. „Das Essen kostet nochmal mindestens 15 Dollar.“ Die Verpflegung in den Stadien sei grundsätzlich gut, sagt er. „Nur die Preise sind halt ein Wahnsinn.“
„Ich persönlich wusste, dafür nehme ich gern mein Geld in die Hand, sagt Illmer im Gespräch mit campus a. „Aber es ist schon sehr viel.“ Auf der Website der FIFA findet gerade die letzte Verkaufsphase statt, hier können Fans nur mehr Last-Minute Tickets kaufen. Die kosten aber mindestens 400 US-Dollar, nach oben gibt es keine Grenze.
Was im Fernsehen nicht gezeigt wird.
Für die gute Stimmung setzen die Amerikaner auch beim Fußball ganz auf Entertainment durch riesige Videowürfel, Musik und Halbzeitshows. Für europäische Fußballfans ist das ungewohnt. Eine Stunde vor dem Auftaktspiel der ÖFB-Elf gegen Jordanien läuft im Stadion I Am From Austria von Reinhard Fendrich, in der Pause eine Halbzeitshow, aber ohne Austropop. „Das sieht man im Fernsehen nicht so, das ist schon ein unglaubliches Erlebnis“, sagt Illmer. „Das ganze Entertainment ist beim Sport in Amerika ja normal“, sagt er. „Das bringen sie auch bei Fußballspielen sehr gut rüber.“
Illmer war in San Francisco für das Auftaktspiel der ÖFB-Elf gegen Jordanien. Er selbst ging mit 10.000 anderen beim Fanmarsch mit, vorher organisierte er im Leopold´s Gasthaus in San Francisco ein Fantreffen. Auch hier sangen hunderte Österreicher I Am From Austria, die Videos gingen viral. „Wir hatten Monate im Voraus Kontakt mit dem Leopold´s aufgenommen, Plakate designed und mit Stiegl gesprochen“, sagt er. „So konnten wir den Bierpreis dort von ursprünglichen zwölf auf zehn Dollar runterhandeln, dank Stiegl.“
Hat sich die Reise gelohnt?
„Es ist alles sehr amerikanisch“, sagt Illmer. „Ich finde es schade, wie sich die FIFA von Amerika da mitreißen lässt, gerade mit den Ticketpreisen.“ Die Preise seien seiner Meinung nach nicht fair. „Aber die Stadien sind voll und die Nachfrage ist hoch, also sind sie wahrscheinlich gerechtfertigt.“
Illmer zahlte für die Reise insgesamt mehr als 2500 Euro. Flügel sagt, Fans sollten sich die Reise gut überlegen. „Die WM ist ja nicht gerade ums Eck und kann sehr kostspielig werden“, sagt er. Für ihn war es das aber wert, er würde es wieder machen. „Schaut euch eine WM mal live an, das ist eine Once-In-A-Lifetime-Opportunity“, sagt Illmer.
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