Als ich am Montag das Länderspiel Österreich gegen Argentinien anschaute, musste ich sofort an das EM-Spiel gegen die Niederlande im vergangenen Sommer denken. Damals stand ich mit meiner Familie beim Public Viewing in Hohenems. Gefühlt war schon das halbe Rheintal da und alle starrten gespannt auf die riesige Leinwand. Als Österreich in Führung ging, fing die Menge an, lauthals zu jubeln. Bier flog durch die Luft und jeder war in diesem Augenblick miteinander verbunden. Ich weiß nicht, ob ihr schon einmal bei einem Public Viewing mit so vielen Menschen wart, aber diese Stimmung ist mit nichts anderem vergleichbar.
Am Montag war alles etwas anders. Dieses Mal schauten wir das Spiel bei einem Freund meiner Eltern. Wir waren insgesamt zehn Personen. Das Wetter war wieder unglaublich schön und alle waren in Fußballlaune. Es wurde gegrillt, gelacht und natürlich viel über das Spiel gesprochen. Vor dem Anpfiff waren wir uns eigentlich fast alle einig. Wenn Österreich ein Unentschieden schafft, wären wir schon mehr als zufrieden. Gegen Argentinien wäre das ein richtig gutes Ergebnis gewesen. Auch wenn ich persönlich schon etwas mehr zu hoffen gewagt hatte. Normalerweise spielen wir immer besser, wenn jeder sagt: „Jaaa, das schaffen sie eh nicht!“
Hoffnung bis zum Schluss
Dann begann das Spiel. Österreich hielt anfangs gut mit und wir hatten alle das Gefühl, dass heute vielleicht etwas möglich sein könnte. Vor allem ich sah uns schon als die Ersten, die Messi besiegten und dann schlussendlich wieder Gruppensieger werden könnten, obwohl das, wie letzztes Mal in der Todesgruppe mit Frankreich, den Niederlanden und Polen, niemand erwartete. Als Argentinien dann das 1:0 erzielte, war die Enttäuschung natürlich groß. Trotzdem verlor niemand die Hoffnung. Meine Schwester meint bei so etwas dann immer, dass wir den Druck brauchen, um alles geben zu können. Es war noch genug Zeit auf der Uhr und wir glaubten fest daran, dass Österreich noch den Ausgleich schaffen könnte. Nach jeder guten Aktion wurde wieder etwas lauter gejubelt und jeder fieberte weiter mit.
Das Tor, das Träume zerstörte
Doch je näher das Spiel dem Ende kam, desto ruhiger wurde es. In den letzten zehn Minuten spähte jeder gebannt auf den Fernseher. Kaum noch jemand sagte etwas. Alle hofften auf den einen Moment, der Österreich doch noch den Ausgleich bringen würde. Dann fiel das 2:0 für Argentinien. In diesem Moment kippte die Stimmung komplett. Jeder wusste, dass das Spiel entschieden war. Die Gespräche verstummten und statt Jubelschreien herrschte plötzlich Stille. Aber was will man auch gegen einen Messi machen, dem man alles durchgehen lässt?
Natürlich war die Stimmung nicht mit der beim EM-Spiel gegen die Niederlande zu vergleichen. Damals feierten tausende Menschen gemeinsam einen historischen Sieg. Dieses Mal gingen wir zwar enttäuscht nach Hause, trotzdem war der Abend etwas Besonderes. Denn egal, ob vor einer riesigen Leinwand mit tausenden Fans oder mit zehn Personen im Garten, Fußball verbindet. Und genau deshalb sind Public Viewings für mich immer wieder ein besonderes Erlebnis. Egal, ob privat oder öffentlich, zu fünft oder zu fünfhundertst.