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Rechtspopulisten bekämpfen Politik und Medien als „Elite“. Dabei hofieren sie die wirklich Mächtigen

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Redakteurin · campus a
31.08.2026
5 Min.

Rechtspopulisten verstehen sich gerne als Kämpfer im Namen des Volkes gegen eine abgehobene Elite, gleichzeitig bekommen sie Unterstützung von den reichsten und einflussreichsten Menschen der Welt. Ihr Narrativ steht in klarem Widerspruch zur Finanzierung und kommt trotzdem gut an.

So geht Kampf gegen die Eliten: AfD-Chefin Alice Weide (ganz hinten rechts am Rednerpult) lädt den reichsten Mann der Welt (links groß auf der Leinwand) zum Parteitag (Foto: APA-Images / dpa / Hendrik Schmidt )

Der Spiegel nannte ihn zuletzt den gefährlichsten Mann Deutschlands und schenkte ihm die Titelgeschichte im Magazin, der Verfassungsschutz stuft ihn als rechtsextrem ein: Ulrich Siegmund ist der Spitzenkandidat der AfD, die Partei, die Sachsen-Anhalts Bürger am 6. September zur stärksten Kraft wählen.

Obwohl sowohl Siegmund als auch dessen Kollegen Parteichefin Alice Weidel und Bundestagsabgeordneter Maximilian Krah gerne über die „Elite“ schimpfen und sich mit dem „deutschen Volk“ gemein machen, freuen sie sich über Schenkungen und Zuspruch von den tatsächlichen Menschen an der Spitze. Sie haben ihnen auch viel zu verdanken.

How to: Rechtspopulismus

Rechtspopulistische Meinungsmache hat ein einfaches Muster. Auf der einen Seite steht „das Volk“, auf der anderen Seite eine abgehobene Elite (und jene Minderheiten, die es gerade zu unterdrücken gilt). Das ist eine einfache Methode, um die Gesellschaft gegen einen imaginären Feind aufzustacheln. Um sich trotzdem von der Elite sponsern lassen zu können, haben die Rechtspopulisten den Begriff etwas anders definiert.

Wenn die AfD, die FPÖ, oder auch Donald Trump von der Elite sprechen, sind damit nicht die Supermächtigen gemeint, die sich die Macht ihrer Lieblingspolitiker kaufen können und mit KI-Rechenzentren und Kohlekraftwerken den Planeten zerstören, während sie ihre Arbeitenden ausnutzen. Nicht die „Spitze oder Führungsschicht“, wie der Duden sie definiert. Nein, gemeint ist die etablierte, vermeintlich linke Politik, der öffentlich-rechtliche Rundfunk und „die Wissenschaft“. Die tatsächlichen Macht- und Besitzverhältnisse manövrieren die Rechten dadurch elegant aus dem Blickfeld.

Mit Geld und Plattform

Rechtspopulistische Politik entsteht nicht ausschließlich an Stammtischen oder in Kommentarspalten. Sie wird auch durch Geld, Medien und das gute, alte „Vitamin B" verbreitet.

„Aus dem Volk für das Volk“ beschreibt Ulrich Siegmund seine Mission auf seinem X-Account. „Aus dem Volk“, damit ist dann wohl der Medizinunternehmer und Flughafenbesitzer Winfried Stöcker gemeint, der vor der Bundestagwahl 2025 1,5 Millionen Euro an die AfD spendete. Stöcker schreibt auf seiner eigenen Website, er sei seit Professor der Medizinischen Tongji-Hochschule in Wuhan und seit 2011 Honorarprofessor der Universität zu Lübeck. 1987 gründete Stöcker die Firma EUROIMMUN, die er 2017 für mehr als eine Milliarde Euro verkaufte.

Oder Elon Musk zum Beispiel, der freundschaftlich mit Alice Weidel anbandelt und auf seiner Social-Media-Plattform X, vormals Twitter, Werbung für die AfD macht, indem er selbst schrieb, die AfD sei die einzige Hoffnung für Deutschland und sogar ein Interview mit Weidel postete. 2025 schaltete sich der reichste Mensch der Welt sogar per Live-Video bei einem Wahlkampfauftritt dazu. Auf einem Beamer, sein Kopf dreimal so groß wie Alice Weidel am Rednerpult davor, erklärt er unter anderem „es ist sehr wichtig, dass die Menschen in Deutschland stolz darauf sind, Deutsche zu sein“.

Fakten, auch wenn sie unbequem sind

Bedeutende Reichweiten-Spender sind außerdem Medienunternehmer wie Frank Gotthardt. Über seine Plattform Nius verbreitet Julian Reichelt, ehemaliger Chefredakteur der Bild, 2021 wegen Machtmissbrauchs entlassen, rechtspopulistische Positionen und gibt Rechtspopulisten gerne eine Bühne. Seit 2022 wollen Reichelt und Co. auf Nius „Fakten, auch wenn sie unbequem sind“, ganz furchtlos und objektiv berichten, sagen sie selbst. Die Nius-Betreibergesellschaft Vius, an der Gotthardt fast neunzig Prozent Anteil hat, hält auch die Mehrheit an Exxpress, einem österreichischen Verschnitt des Portals. In einem Gespräch mit der Zeit verriet Gotthardt kürzlich, sein Medienengagement kostete ihn eine Million Euro pro Monat.

In Wahrheit geht es bei Nius und Exxpress um Emotionalisierung und Zuspitzung. Besonders die Grünen hat Gotthardt auf dem Kieker, mit Überschriften wie „Grüne lassen uns fürs Klima hungern“ oder „So gierig bereichern sich die Grünen an unserem Land! Öko-Raffkes!“ wollen sie wohl die „hartnäckigste Klimalüge“ entlarven, dass der Klimawandel menschengemacht sei.

Gotthardt selbst wurde als Gründer von CompuGroup Medical (CGM) reich, einem der größten deutschen Anbieter von Arzt- und Krankenhaus-Software. Eine spannende Kombination, der Tech-Milliardär, dessen Software tief im deutschen Gesundheitssystem verankert ist, steuert gleichzeitig ein polarisierendes, populistisches Medienhaus, das gezielt Misstrauen gegen staatliche Institutionen schürt.

Paradigmenwechsel im Silicon Valley

Auch in Amerika wird die Tendenz überdeutlich. US-Präsident Donald Trump hat den Großteil der Führungsschicht Silicon Valleys auf seiner Seite. Mark Zuckerberg, Elon Musk, Peter Thiel und andere Tech-Milliardäre unterstützen den US-Präsidenten alle ganz offen.

Woher aber kommt der Wandel? Über Jahrzehnte galt das Silicon Valley als Zentrum des Linksliberalismus, der Internationalität und des gesellschaftlichen Fortschritts. Heute stellen sich die sogenannten „Broligarchen“ zunehmend offen hinter rechtspopulistische oder rechtsextremistische Bewegungen. Cyberlibertäre wie Peter Thiel und Elon Musk wollen die Freiheit nicht für alle, sondern eine Freiheit, die sie selbst von gesellschaftlicher Kontrolle lossagt und ihnen Mitbestimmung in jedem Bereich ermöglicht. „Ich glaube nicht länger, dass Freiheit und Demokratie kompatibel sind“, schrieb Peter Thiel selbst in einem Essay 2009.

Die Broligarchen wollen nicht mehr das Leben aller verbessern, sie wollen ihren eigenen individuellen Status sichern. Politisch sind sie dabei Fähnchen im Wind. Sie tun das, was gerade funktioniert, um ihre Macht zu erhalten. „Die große Aufgabe für Libertäre besteht darin, einen Ausweg aus der Politik in all ihren Formen zu finden“, so Thiel. Vielleicht stellte er Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz deswegen 2022 als „global strategist“ ein.

FPÖ sucht den Kontakt zu Musk

Elon Musk beispielsweise mischt sich dabei nicht nur in die US-amerikanische Politik ein. Auch bei der Unterstützung Weidels bleibt es nicht. Über seine Plattform X wirbt er für seine Schützlinge in allen möglichen Ländern, darunter Javier Milei in Argentinien, Giorgia Meloni in Italien und Nigel Farage in Großbritannien. Zumindest in Österreich hat er bisher noch nicht mitgemischt, auch wenn die FPÖ mit gutheißenden Kommentaren auf seine Postings und Ideen anscheinend versucht, sich bei ihm einen Namen zu machen.

Wenn Milliardäre ihre finanzielle und strukturelle Macht nutzen, um rechtspopulistische Parteien zu unterstützen, verschiebt sich die politische Debatte. Diejenigen, die sich als Vertreter des „kleinen Mannes“ inszenieren, profitieren von den Ressourcen der Superreichen. Siegmund wirft anderen „Klientelpolitik“ vor, gleichzeitig profitiert seine eigene Partei von Millionenspenden und der Unterstützung mächtiger Unternehmer. Das angebliche Volk steht der Elite nicht gegenüber. Manchmal sitzt die Elite mitten in der ersten Reihe und finanziert den Auftritt. Manchmal stellt sie gleich die Bühne zur Verfügung.


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