Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich eine Influencerin entdeckte, die scheinbar den perfekten Alltag hatte. Jeden Morgen stand sie früh auf, machte Sport, bereitete ein gesundes Frühstück zu, schrieb in ihr Journal und wirkte dabei immer entspannt und glücklich.
Eine Zeit lang habe ich versucht, diesen Ablauf nachzumachen. Anfangs war ich motiviert, doch schnell merkte ich, wie anstrengend es wurde, alles genauso perfekt umzusetzen. Statt mich besser zu fühlen, war ich oft gestresst und ein bisschen frustriert, weil mein Alltag einfach nicht so mühelos aussah.
Der „That Girl“-Trend zeigt ein Leben, das auf den ersten Blick perfekt organisiert und gesund wirkt. Influencerinnen posten ihre Morgenroutinen, Fitnessprogramme, stylische Outfits, Mahlzeiten und Selfcare-Momente. Für uns Jugendliche kann das zunächst motivierend sein, weil es Impulse gibt, bewusst Zeit für Bewegung, Ernährung und persönliche Ziele einzuplanen.
Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass strukturierte Abläufe und kleine Routinen die Produktivität steigern und das Wohlbefinden fördern können. Journaling zum Beispiel hilft, Gedanken zu ordnen und Stress abzubauen, während regelmäßige Bewegung die Stimmung verbessert und Energie steigert.
Perfektion versus Realität
Gleichzeitig zeigen Influencerinnen fast nur die Highlights: perfekte Haare, aufgeräumte Zimmer, ästhetische Mahlzeiten. Alles, was „unordentlich“ oder „normal“ ist, bleibt unsichtbar. Psychologinnen und Psychologen warnen davor, dass der ständige Vergleich mit solchen Idealbildern Selbstwertprobleme, Leistungsdruck und Essstörungen fördern kann. Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche, die Social Media intensiv nutzen, häufiger unzufrieden mit ihrem Körper oder ihrem Alltag sind, weil sie sich unbewusst an unrealistischen Idealen messen.
Der Druck, jeden Tag perfekt zu funktionieren, belastet nicht nur die Psyche, sondern kann auch zu Schlafproblemen und Überforderung führen. Haare, Make-up, Outfit, Mahlzeiten und Tagesplan. Wer alles gleichzeitig perfekt umsetzen will, gerät schnell in Stress. Gesunde Routinen sollten deshalb flexibel, individuell und nachhaltig sein und nicht zu einer täglichen Pflicht werden.
Motivation oder Selbststress
Motivation hört dort auf, wo Perfektion zum Zwang wird. Selbstoptimierung kann positive Effekte haben, wenn sie auf den eigenen Bedürfnissen basiert und Spaß macht. Sie wird problematisch, wenn sie externe Ideale übernimmt und zu dauerhafter Unzufriedenheit führt. Social Media kann zwar Inspiration liefern, aber die gezeigten Tagesabläufe sind oft inszeniert, bearbeitet und selektiv. Niemand lebt jeden Tag so, wie es auf Instagram aussieht.
Fachleute empfehlen, Routinen an die eigene Lebensrealität anzupassen. Kleine Schritte wie ein kurzes Workout, ein ausgewogenes Frühstück oder fünf Minuten Journaling können den Tag verbessern, ohne Druck auszulösen. Wichtig ist auch, kritisch zu hinterfragen, welche Tipps seriös sind und welche nur gut aussehen. Gesunde Ernährung, Bewegung und Selfcare sind sinnvoll, ersetzen aber keine ausreichende Erholung, Freizeit oder Pausen.
Der „That Girl“-Trend kann motivieren, bewusster zu leben und kleine Routinen auszuprobieren. Doch er darf niemals Maßstab für Selbstwert oder Perfektion sein. Motivation ist gut, Selbstoptimierungswahn nicht.
Wer gesund leben will, sollte auf Balance, Wohlfühlmomente und eigene Bedürfnisse achten, statt sich unter Druck zu setzen, jeden Tag perfekt auszusehen oder einen makellosen Tagesplan einzuhalten. Social Media bleibt damit eine Quelle für Inspiration, aber keine Anleitung für ein gesundes Leben.