Letzte Woche war meine Klasse größtenteils nicht in der Schule, weil die Spanischgruppe mit ihrer Lehrerin in Wien unterwegs war. Ich erzählte meiner Mutter davon und meinte, dass deshalb viele wohl zuhause bleiben würden. Denn warum in die Schule gehen, wenn ein Teil der Klasse durch Wien spazieren kann? Sie sagte sofort, dass Zuhause bleiben keine Option ist. Dabei hatte ich das gar nicht wirklich vorgeschlagen. Trotzdem wurde ich in dem Moment wütend. Ich ging in mein Zimmer, schloss die Tür und lenkte mich mit TikTok ab.
Von genau solchen Momenten ausgehend wird mir klar, wie sehr immer mehr Jugendliche ihre Emotionen verdrängen. Auch ich bin davon nicht ausgenommen. Ablenken ist nun mal einfacher, als sich damit zu beschäftigen, warum man so fühlt, wie man fühlt. Emotionen regulieren wir heute hauptsächlich über unser Handy. Und ehrlich gesagt: Was machen wir heutzutage eigentlich nicht mehr über das Smartphone?
Beim Essen läuft Netflix im Hintergrund, beim Schminken oder Fertigmachen sorgt das Handy, Tablet oder der Fernseher für Ablenkung. Sogar wenn ich Netflix schaue, liegt das Handy daneben und zieht die Aufmerksamkeit wieder weg. Nach einem Streit mit meinen Eltern oder Geschwistern setze ich mich ja wohl kaum hin und schreibe wütend Tagebuch oder mache Atemübungen, um mich zu beruhigen.
Gefühle sind out
Emotionen zu zeigen, vor allem als Mann, wird schon lange als unpassend oder „unnatürlich“ abgestempelt. Aber auch in der Öffentlichkeit gilt: Egal ob Kind, Jugendliche oder erwachsene Person. Wer Emotionen zeigt, wird oft schief angeschaut. Dabei werden wir Menschen immer besser darin, Gefühle zu unterdrücken, statt sie zu verarbeiten.
Dieser Prozess beginnt schon im Kindesalter und wird stark von unserem Umfeld geprägt, besonders von den Eltern. Erst kürzlich habe ich beobachtet, wie einem kleinen Kind Erdbeeren angeboten wurden, mit der Bedingung, dass es aufhört zu weinen. Solche Situationen passieren leider noch viel zu oft. Dabei sind Emotionen wichtig, und wir sollten nicht schon Kindern vermitteln, dass Gefühle falsch sind oder nicht gezeigt werden dürfen.