Meine Uroma kocht auf einem Holzherd, meine Oma mit Römertopf und Kelomat, meine Mama mit Dampfgarer und Mikrowelle und ich hätte am liebsten einen Thermomix oder Airfryer. So ist jede Generation von ihrer Zeit geprägt und unterliegt einem Trend.
Wie Social Media unser Essen verändert
In Sache „Essen“ spricht man heute von Proteinshakes, Nussmus, crunchy Müsli, gesunden Fetten, Joghurt-Bowl und Overnight-Oats. Eier, Avocado, körniger Frischkäse und Skyr dürfen nicht fehlen. Und ohne Proteinpulver geht gar nichts. Dazu noch Laufen, Radfahren und Fitnessstudio, dann steht dem Abnehmen (im Notfall mit Detox-Tee) nichts mehr im Weg.
So wird es uns von Influencer*innen, und von denen gibt es unzählig viele, propagiert. Die neuen Medien bieten hier, wie in vielen Bereichen, die Chance, die Menschen zu erreichen. Noch nie konnten so viele für das Thema „Ernährung“ sensibilisiert werden, was positiv zu bewerten ist.
Moderne Küche: einfach, praktisch, gesund?
Und die veränderte Lebens- und Arbeitssituation macht ein Überdenken der Essgewohnheit wirklich notwendig. Grundsätzlich essen wir immer noch „zu fett“, „zu süß“ und „zu viel“. Aber es spielen auch weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Kochen soll uns nicht die Zeit für andere wichtige Dinge nehmen und küchentechnisch nicht zu anspruchsvoll sein. Deshalb spricht man von „meal prep“ und „easy healthy recipes“.
Die „neuen“ Gerichte sind in den Videos echt schön vorbereitet und liebevoll angerichtet. Ich bekomme beim Anschauen der Clips wirklich jedes Mal Hunger und würde am liebsten alles probieren. Aber natürlich darf man nicht vergessen, dass Influencer*innen sich mit ihren Videos ihr Geld verdienen. Es steckt sicherlich Wissen hinter ihrer Präsentation, aber natürlich auch ein finanzstarker Werbevertrag. Ihr Ziel ist es Follower zu gewinnen und beruflich erfolgreich zu sein.
Auf professionelle Beratung vertrauen
Ernährungsberater*innen verfolgen ein anderes Ziel, nämlich die Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit. Ihre Ausbildung ist medizinisch fundiert und viel umfassender. Die von den Influencer*innen propagierten Speisen finde ich auf Dauer einseitig. Nahrungsergänzungsmittel schmecken mir nicht und unsere traditionellen Gerichte würden mir fehlen. Außerdem sind die Spezialprodukte nicht billig. Die Kunst ist es sicher, richtig zusammengesetzte Mahlzeiten mit natürlichen und abwechslungsreichen Lebensmitteln herzustellen. Dabei finde ich die Verwendung regionaler Produkte sehr wichtig.
Ich sehe schon eine Gefahr darin, dass die von den Influencern propagierte „IN“-Küche krank oder süchtig macht. Sie wird oft unkontrolliert übernommen, denn niemand möchte „OUT“ sein. Deshalb: Bleiben wir auch in diesem Bereich kritisch und lassen wir uns nicht alles auftischen