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Trend zur selbst gemachten Sonnencreme: Ist das sicher?

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Volontärin · Paris-Lodron-Universität Salzburg
27.06.2026
4 Min.

Immer mehr Menschen machen ihre Sonnencreme selbst, aus Skepsis gegenüber chemischen Inhaltsstoffen, aus Überzeugung oder einfach aus Neugier. Silvia Jelincic ist eine von ihnen und erklärt campus a, wie das geht. Doch wie wirksam ist selbst gemachter Sonnenschutz wirklich, und ist er genauso sicher wie ein geprüftes Produkt aus der Drogerie?

Kann selbstgemachte Sonnencreme funktionieren? (Foto: Silvia Jelincic)

Silvia Jelincic steht in ihrer Küche in Niederösterreich, vor sich hat sie einen Topf mit geschmolzenem Kokosöl, Sheabutter und Bienenwachs. Konzentriert rührt Jelincic das Zinkoxidpulver in die Mischung. Was klingt wie ein aufwendiges Kochrezept, ist ganz sicher nicht zum Verzehr gedacht. Jelincic macht Sonnencreme. Die stellt sie nun selbst her, weil sie der selbst gemachten Creme mehr vertraut als der aus der Drogerie.

Die Herstellung ist einfach

Jelincic wollte wissen, was sie sich auf die Haut schmiert, und sie wollte ein möglichst natürliches Produkt ohne Schad- und Konservierungsstoffe. Also beginnt sie zu recherchieren und rührt ihre Sonnencreme zum ersten Mal selbst an. Dafür braucht sie einen halben Liter Kokosöl, 350 Gramm Sheabutter, 140 Gramm Bienenwachs und 300 Gramm Zinkoxidpulver. Für die Zutaten bezahlt Jelincic insgesamt rund 80 Euro. Das reicht dann aber auch für mehrere Flaschen.

Das Öl erhitzt Jelincic zuerst zusammen mit dem Bienenwachs, dann fügt sie Sheabutter und schließlich das Zinkoxidpulver zu. Zum Schluss mixt sie alles kurz mit dem Pürierstab und füllt die Creme in kleine Behälter, da kühlt die Creme ab und wird fester. „Nicht klebrig, sie zieht schön ein“, sagt ihr Sohn. Der hat die Sonnencreme gerade beim Tennistraining getestet.

Der genaue Lichtschutzfaktor kann nur im Labor ermittelt werden

Zinkoxid ist der entscheidende Wirkstoff in Jelincics Rezept, ein mineralischer UV-Filter, der sowohl UVA- als auch UVB-Strahlung reflektiert und streut. UVA-Strahlen lassen unsere Haut altern, UVB-Strahlen sind für Sonnenbrand verantwortlich.

Anders als chemische Filter dringt Zinkoxid nicht in die Haut ein, sondern legt sich wie ein Schutzschild über die Hautoberfläche. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte nur sogenanntes non-nano-Zinkoxid verwenden. Hier sind die Partikel größer als 100 Nanometer, und können nicht in den Körper eindringen.

Für den Lichtschutzfaktor, kurz LSF, gibt es eine grobe Faustregel. Der prozentuale Anteil des Zinkoxids am Gesamtgewicht der Creme entspricht ungefähr dem LSF. Bei Jelincics Rezept ergibt sich aus 300 Gramm Zinkoxid auf die Gesamtmenge von rund 1.300 Gramm ein Anteil von etwa 23 Prozent. Der Faustregel nach, müsste Jelincics Sonnencreme also einen LSF von 23 haben. Hier gilt allerdings Vorsicht, denn diese Rechnung ist nur ein grober Richtwert und keine zertifizierte Angabe.

Studien zu chemischen UV-Filtern

Jelincic erzählt, sie habe sich zunehmend unwohl gefühlt mit dem, was in gekauften Sonnencremes steckt. „Ich habe ein paar gute Quellen gelesen und angefangen, die Inhaltsstoffe zu hinterfragen“, sagt sie. Dabei sei sie auch auf wissenschaftliche Studien gestoßen. „Die machten mich nachdenklich.“

Eine klinische Studie der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA aus dem Jahr 2019 zeigt, chemische UV-Filter wie Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen und Ecamsul sind bereits nach einer Anwendung im Blut nachweisbar. Wer sich morgens eincremt, hat abends messbare Mengen dieser Stoffe im Blut. Die FDA schrieb aufgrund der hohen Messwerte weitere Sicherheitstests vor, sie konnten mögliche Auswirkungen auf den Körper nicht ausschließen.

Das Deutsche Krebsforschungsinstitut gibt jedoch Entwarnung. Die Konzentration der möglicherweise krebserregenden Stoffe sei zu gering, um Schäden im Körper anzurichten. 

Eine Dermatologin äußert sich kritisch

„Den tatsächlichen Lichtschutzfaktor von Sonnencreme können wir gesichert nur durch standardisierte Labortests feststellen“, sagt die Wiener Dermatologin Julia Lämmerhirt. Bei der Herstellung könnten sich immer Klümpchen bilden, gerade bei mineralischen Stoffen wie Zinkoxid. Dann verteilen sich die UV-Filter ungleichmäßig und einige Stellen haben einen geringeren Schutzfaktor als andere.

Auch die Stabilität könne zum Problem werden, sagt Lämmerhirt. Professionelle Produkte enthielten Stabilisatoren und spezielle Emulgatoren, um die Filter gleichmäßig zu verteilen. „Ohne diese Zusatzstoffe ist ein zuverlässiger Schutz kaum zu gewährleisten“, so Lämmerhirt.

Das eigentliche Problem sei nicht das Zinkoxid an sich. Die Creme schütze nur möglicherweise nicht ausreichend vor UV-Strahlung, sagt die Dermatologin. „Wenn der tatsächliche Lichtschutzfaktor geringer ausfällt als wir annehmen, steigt das Risiko für Sonnenbrand, vorzeitige Hautalterung und langfristig auch für Hautkrebs.“

Den Trend zu natürlichen oder chemikalienfreien Sonnencremes sieht Lämmerhirt deshalb mit gemischten Gefühlen. „Der Begriff chemikalienfrei ist wissenschaftlich so nicht korrekt, auch mineralische Sonnenschutzmittel enthalten chemische Substanzen“, sagt sie. Entescheidend sei nicht, ob Chemie enthalten ist oder nicht, sondern in der Art der eingesetzten UV-Filter. „Sowohl mineralische als auch moderne organische UV-Filter könnten wirksamen und sicheren Sonnenschutz bieten“, sagt sie.

Was bei der Herstellung wichtig ist

Jelincic weiß gerne genau, was in ihrer Creme steckt, wenige Zutaten sind für sie ein Qualitätsmerkmal.

Wer seine Sonnencreme auch zuhause herstellen will, sollte non-nano-Zinkoxid verwenden, die nicht in die Haut eindringt und auf ätherische Zitruspflanzenöle verzichten. Die erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Jelincic trägt auch eine Staubmaske, wenn sie das Pulver in die Mischung einrührt, Zinkoxid kann die Lunge schädigen.

„Glücklicherweise gibt es heute eine große Auswahl an Produkten, die genau auf diese Bedürfnisse eingehen", sagt Lämmerhirt. „Wer keine klassischen Sonnenschutzmittel verwenden möchte, sollte konsequent auf andere Schutzmaßnahmen wie Kleidung, Hut, Sonnenbrille und das Meiden intensiver Sonneneinstrahlung setzen.“


Compliance Hinweis:

Zwischen Silvia Jelincic und campus a besteht ein Näheverhältnis.


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Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Projektes „Die Paris-Lodron-Universität Salzburg macht Journalismus“. Es ist ermöglicht mit freundlicher Unterstützung durch dm drogerie markt und Salzburg AG.

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