Vor einigen Tagen saß ich im Wartezimmer eines Zahnarztes und beobachtete die Menschen um mich herum. Direkt neben mir saß ein Mann mit einer Autozeitschrift. Er blätterte regelmäßig um, aber sein Blick blieb nie länger auf einer Seite hängen. Immer wenn sich die Tür öffnete, hob er sofort den Kopf. Es wirkte, als würde er darauf warten, endlich aufgerufen zu werden, während er gleichzeitig versuchte ruhig zu wirken.
Im Raum war es fast still. Man hörte nur das leise Ticken der Wanduhr und das trockene Geräusch der Zeitschriftenseiten, wenn jemand umblätterte. Über uns summte eine Neonlampe. Eine Frau an der anderen Seite des Raumes räusperte sich immer wieder kurz, als wolle sie die Stille unterbrechen. Niemand sprach miteinander. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass alle dieselbe Ungeduld teilten.
Die Angst vor dem Nichtstun
Nach und nach fiel mir auf, dass niemand einfach nur still dasaß. Eine Frau drehte nervös ihren Schlüsselbund in den Händen. Ein Jugendlicher scrollte ohne Pause durch kurze Videos, obwohl er offensichtlich nicht richtig hinsah. Auch ich nahm mehrmals mein Handy heraus und kontrollierte dieselbe Nachricht erneut.
Dabei ist Warten eigentlich nichts Besonderes. Trotzdem scheint es uns unangenehm zu machen. Vielleicht, weil wir in solchen Momenten nichts kontrollieren können. Vielleicht aber auch, weil Stille ungewohnt geworden ist. Früher wartete man einfach. Heute füllen wir jede freie Sekunde mit Ablenkung. Kinder zeigen ihre Nervosität offen. Erwachsene verstecken sie hinter kleinen Bewegungen und scheinbarer Beschäftigung. Vielleicht halten wir deshalb ständig etwas in den Händen, weil wir uns dadurch weniger hilflos fühlen.