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Verlernen wir zu warten? Über stille Wartezimmer, rastlose Hände und die Angst vor Leere

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20.05.2026
2 Min.

Wartezimmer sind seltsame Orte. Menschen sitzen nebeneinander, sprechen kaum und wirken trotzdem beschäftigt. Manche scrollen auf dem Handy, andere blättern in alten Zeitschriften oder drehen nervös ihre Schlüssel in den Händen. Niemand wartet einfach nur. Erst wenn man genauer hinsieht, merkt man, wie unangenehm vielen Menschen diese Stille geworden ist. Vielleicht beschäftigen wir uns deshalb ständig selbst. Nicht aus Langeweile, sondern um unsere Unsicherheit zu verstecken.

Wann verlernten wir zu warten? Früher waren die Menschen geduldiger (Foto: Shutterstock)

Vor einigen Tagen saß ich im Wartezimmer eines Zahnarztes und beobachtete die Menschen um mich herum. Direkt neben mir saß ein Mann mit einer Autozeitschrift. Er blätterte regelmäßig um, aber sein Blick blieb nie länger auf einer Seite hängen. Immer wenn sich die Tür öffnete, hob er sofort den Kopf. Es wirkte, als würde er darauf warten, endlich aufgerufen zu werden, während er gleichzeitig versuchte ruhig zu wirken.

Im Raum war es fast still. Man hörte nur das leise Ticken der Wanduhr und das trockene Geräusch der Zeitschriftenseiten, wenn jemand umblätterte. Über uns summte eine Neonlampe. Eine Frau an der anderen Seite des Raumes räusperte sich immer wieder kurz, als wolle sie die Stille unterbrechen. Niemand sprach miteinander. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass alle dieselbe Ungeduld teilten.

Die Angst vor dem Nichtstun

Nach und nach fiel mir auf, dass niemand einfach nur still dasaß. Eine Frau drehte nervös ihren Schlüsselbund in den Händen. Ein Jugendlicher scrollte ohne Pause durch kurze Videos, obwohl er offensichtlich nicht richtig hinsah. Auch ich nahm mehrmals mein Handy heraus und kontrollierte dieselbe Nachricht erneut.

Dabei ist Warten eigentlich nichts Besonderes. Trotzdem scheint es uns unangenehm zu machen. Vielleicht, weil wir in solchen Momenten nichts kontrollieren können. Vielleicht aber auch, weil Stille ungewohnt geworden ist. Früher wartete man einfach. Heute füllen wir jede freie Sekunde mit Ablenkung. Kinder zeigen ihre Nervosität offen. Erwachsene verstecken sie hinter kleinen Bewegungen und scheinbarer Beschäftigung. Vielleicht halten wir deshalb ständig etwas in den Händen, weil wir uns dadurch weniger hilflos fühlen.