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Vom Hörsaal unter die Motorhaube: ein junger Autoschrauber und die Rückkehr des Handwerks

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Volontär · Universität Wien
24.09.2026
5 Min.

Max Rauscher studierte Wirtschaftsingenieurwesen, heute schraubt er in einer Wiener Werkstatt an alten BMWs und Lancias. Sein Weg steht für eine neue Generation, die sich für Handwerk und analoge Technik begeistert. Doch mit den alten Autos verschwindet auch das Wissen, sie zu reparieren. campus a hat ihn in der Werkstatt besucht.

„Die alten Schrauber fallen weg so langsam“, sagt Max Rauscher. Kommt mit ihm die neue Generation von Mechanikern? (Foto: Tobias Bowman)

Vor der Werkstatt öffnet Rauscher die Motorhaube eines BMW 323i. Sein Blick wandert über den Motorraum. „Der hatte ein paar Probleme mit der Kühlung, Motorkühlung und Ölkühlung“, sagt er. Im Gespräch höre ich, Rauscher kommt aus Bayern. „Dann ham wir einen Ölkühler eingebaut und dazu noch eine neue Wasserpumpe gegeben. Die alte war innendrin schon ziemlich abgeranzt.“

Jetzt muss der BMW erst einmal abkühlen. Rauscher schließt die Motorhaube und führt uns in die Halle zu seinem Arbeitsplatz bei Werginz Motorsport in Liesing. Später will er den Wagen noch einmal starten. „Dann schauen wir, ob er richtig gut klingt.“ Wenn alles passt, kann der Kunde den Oldtimer noch am selben Tag abholen.

Die SPeziallackierung sticht hervor

Der BMW 323iTobias Bowman

Vom Hörsaal in die Werkstatt

Das liebt Rauscher an den alten Autos. „Bei Oldtimern kann ich noch viel mehr rumbasteln und austauschen“, sagt er. Autos faszinieren ihn schon seit seiner Kindheit. Während seines Studiums zum Wirtschaftsingenieur in Augsburg suchte er nach einer Werkstatt und wurde in Wien-Inzersdorf fündig.

Dort arbeitet er heute an Autos wie dem 323i. Sein Besitzer hat ihn nachträglich in den Alpina-Stil umgerüstet. Die Marke stand für exklusiv handgefertigte BMW-Modelle, bei Oldtimerfans noch immer beliebt. „Die Menschen unterschätzen häufig, wie viel Detektivarbeit in so einem alten Auto steckt“, sagt Rauscher.

Dann führt uns der Mechaniker ins Hinterzimmer der Werkstatt. Hier haben sonst nur Mitarbeiter Zutritt. Er zeigt auf einen ausgebauten Motor. „Also, der ist aus einem alten Lancia. Den haben wir entnommen“, sagt er. „So aus den 60ern das Auto.“ Das Metall zwischen den Zylindern sei normalerweise komplett flach. Bei diesem Motor habe sich aber bereits Rost hineingefressen. Ein Hochleistungsmotor soll daraus nicht werden, sagt Rauscher. „Das ist auch mehr so ein Übungsprojekt, von denen ich jetzt sehr viel mache.“

„Ich hab vor, den in das Auto vor der Werkstatt einzubauen, der Motor ist baugleich“, sagt er. „Bei den Autos geht’s halt darum, dass du einen zuverlässigen Motor hast, nicht darum, dass die gut laufen.“

Aus Leidenschaft wird ein Geschäft

In der Werkstatt arbeiten sie inzwischen zu viert. Der Chef, ein Meister und neben Rausch noch ein weiterer Handwerker. Wie viele Oldtimer sie im Jahr restaurieren, könne Rauscher nur schätzen. „Das ist saisonabhängig.“

Im Sommer machen sie vor allem kleinere Wartungsarbeiten. „Da haben wir in einer guten Woche schon so fünf, sechs Autos, die reinkommen“, sagt er. Die Menschen fahren ihre Oldtimer dann regelmäßig und bringen sie in die Werkstatt, wenn etwas nicht funktioniert. Im Winter haben sie weniger Autos in der Werkstatt, dafür bleiben die Fahrzeuge deutlich länger.

Rauscher rückt sich die Brille zurecht. Ein VW Touran fährt in die Einfahrt. Er geht auf den Fahrer zu, beide begrüßen sich mit einem Handschlag und wechseln ein paar Worte. Der Mann ist Stammkunde und holt sein Auto ab.

Oldtimer haben ihren Preis

„Der teuerste Auftrag, den wir je gemacht haben, war 50.000 Euro“, sagt Rauscher. „Weil wir das Auto halt komplett zerlegt haben. Innenraum, Motor, alles.“

Wie viel Zeit ein Auftrag in Anspruch nimmt, hängt stark von der Arbeit ab. „Wenn du eher kleinere Arbeiten, wie Filter wechseln oder Ölwechsel machst, dauert das vielleicht ein paar Stunden, aber bei größeren Projekten, wie den Motor auszutauschen, da können theoretisch hunderte Stunden reinlaufen“, sagt er.

Max bei der Arbeit am alten 6er BMWTobias Bowman


„Wir haben natürlich einen Stundensatz, der auch davon abhängt, ob es der Meister oder der Geselle macht und so weiter“, sagt der Mechaniker. „Der beläuft sich, glaube ich, auf 160 Euro oder so, irgendwas um den Dreh.“

Rauscher lehnt sich zurück. „Du kannst halt bei den Oldtimern immer etwas finden, womit du nicht gerechnet hast. Und dann wird’s teurer“, sagt er. „Das zu regeln ist Expertise, die hat nicht jeder.“

„Die Zukunft alter Autos“

„Aber ich verdien mir da jetzt keine goldene Nase“, sagt Rauscher und zuckt mit den Schultern. „Ich schätze mich glücklich, dass ich genommen wurde und jetzt die Möglichkeit habe, hier zu lernen.“

Besonders die Spezialisierung auf Motoren sieht er als Vorteil. „Ich rede oft mit den Jungs von der Nachbarwerkstatt und einer meinte, er hat in seiner gesamten Lehrzeit nur einen Motor von innen gesehen“, sagt er. „Das ist bei mir zum Glück anders. Ich habe schon mehrere gesehen, weil wir uns auch darauf spezialisieren.“

„Die alten Schrauber fallen weg so langsam“, sagt Rauscher. „Die neue Generation der Kundschaft kauft sich eher Autos aus den 80er-, 90er-Jahren.“ Etwa einen VW Golf II oder einen DeLorean DMC-12, das Modell aus Zurück in die Zukunft.

War auch schon beim Le Mans Classique in Frankreich dabei

Das persönliche Rennauto des Chefs (BMW Coupe)Tobias Bowman


Für Werkstätten bedeutet das ein Spagat: Während immer mehr neue Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb auf die Straßen kommen, fahren in Österreich weiterhin Millionen Benziner und Diesel. Ende 2025 waren 5,29 Millionen Pkw zugelassen, 86,7 Prozent davon mit klassischem Verbrennungsmotor.

Rauscher sieht darin auch eine Chance für spezialisierte Werkstätten. „Du musst dich so aufstellen als Werkstatt, dass du mit diesen Autos arbeiten kannst. Dann hat die Branche eine Zukunft.“ Die Nachfrage werde seiner Einschätzung nach bleiben. „Weil Oldtimer wird’s immer geben. Und die Kundschaft ist dann dankbar, wenn’s uns gibt.“

Der Traum vom eigenen Wagen

Auch wenn Rauscher bisher noch keinen eigenen Oldtimer hat, träumt er schon von einem besonderen Wagen. „Ich hätte persönlich gern einen alten 3er BMW. Einen E30.“ Als er das sagt, grinst Rauscher. „Ich find das Design einfach super. Dieser 80er-Jahre Style, diese kantigen Formen. Wunderbar!“

Er weiß auch schon genau, welche Version es sein soll. Ein 325i. „Also die stärkste Motorisierung, die du vor dem M3 kriegst. Den M3 kann ich mir definitiv nicht leisten.“ Er schmunzelt. Den E30 würde Rauscher am liebsten selbst herrichten. „Das geht so toll. Für die gibt’s so viele Teile.“

Dann verschwindet Rauscher wieder unter einem alten 6er BMW. Ein paar Handgriffe, ein kurzer Austausch mit seinem Meister, dann schrauben sie weiter. Eine Weile schaue ich zu, wie sie den Wagen Stück für Stück wieder zum Laufen bringen, bis die Scheinwerfer hell aufleuchten und der Motor laut surrt.


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