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Von der Linguistin zur Goldschmiedin: Svenja Weitz zahlt 25.000 Euro für ihren Traum vom Handwerk

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Volontärin · Paris-Lodron-Universität Salzburg
13.08.2026
4 Min.

In einer Werkstatt in Wien lernt Svenja Weitz das Goldschmieden, unabhängig von jedem Algorithmus. Die Ausbildung kostet die studierte Linguistin viel Geld und noch mehr Geduld, doch ihr Traum vom Handwerk ist es ihr wert. Ein Besuch an ihrem Werktisch, mitten im Silberstaub.

Stundenlang biegen, feilen und löten: Für Svenja Weitz ist das Handwerk vor allem Leidenschaft (Foto: Miriam Löv)

Svenja Weitz sitzt an ihrem Werktisch mit einem Stück Silber in der Hand, vor dem Gesicht trägt sie eine Maske, wegen der Feinstaubbelastung. „Ich hole mir eine 925er Silberlegierung, da kann ich mir ein Stück für den Ring rausschneiden“, sagt sie. Mit der Zange biegt sie den schmalen Silberstreifen langsam zu einem Kreis, bis die beiden Enden aneinanderstoßen. Dann lötet sie die Naht zusammen, bis sie den fertigen Ring in den Händen hält.

Zwei bis vier Stunden braucht Weitz für so ein eher schlichtes Stück. Seit Februar 2026 lernt die 28-Jährige das Handwerk in Wien, zuvor hatte sie Linguistik studiert, mit Schwerpunkt Gebärdensprache. Um Dolmetscherin zu werden, hätte sie aber aus Wien wegziehen müssen, mit einem Logopädiestudium hatte es auch nicht geklappt. Also suchte sie nach Alternativen und fand den Goldschmiedelehrgang. In knapp zwei Jahren ist sie fertig mit der Ausbildung, hofft sie. „Dann bin ich Goldschmiedin.“

Der Weg zur eigenen Werkbank ist teuer

Rund 25.000 Euro zahlt Weitz für ihre Ausbildung in der Nußdorfer Straße. Neben dem Schmieden lernen sie und die anderen Auszubildenden auch Designentwicklung, Kalkulation und Unternehmensgründung. „Die Ausbildung kostet sehr viel, weil sie privat ist“. Zwei Jahre lang hat sie dafür gespart. „Es ist viel Geld, aber ich würde sagen, es lohnt sich“, sagt sie. „Ich kann auch nicht ChatGPT fragen, die Handwerkskunst ist so alt, hier ist nichts digitalisiert.“ Ihr sei es das wirklich wert, so viel Geld zu zahlen, um nicht abhängig zu sein, so Weitz. In Zeiten künstlicher Intelligenz wirkt das beinahe vorausschauend.

Ihre Wohnung werde jetzt zunehmend auch zum Atelier, sagt Weitz, als sie campus a von der Küche ins Wohnzimmer führt, das jetzt ganz dem selbstgebauten Holzwerktisch gehört. Hier reihen sich Zangen, Feilen und Lötkolben aneinander. Weitz wirkt gelassen, wenn sie über ihre Wohnung spricht. Sie lacht viel, ist locker. Nur wenn sie über ihr neues Handwerk redet, zeigt sie ihre Leidenschaft, dann beginnen ihre Augen zu leuchten.

Reporterin Miriam (l.) sitzt am Werktisch, mit Bunsenbrenner in der Hand. Svenja Weitz (r.) schaut ihr zu.

Weitz (r.) nimmt die Arbeit gerne mit nach Hause. Hier zeigt sie campus a, wie das mit dem Schmieden funktioniertEmilia Tilzer


Angefangen hat diese Liebe für sie mit einem Blick auf Gemälde und Skulpturen. „Immer, wenn ich Kunstwerke gesehen habe, habe ich mich gefragt, wie kann ich sowas auch selbst machen? Nicht, wo kann ich sie kaufen?“, sagt Weitz. Beim Schmuck sei das auch so. Sie begeistert der Prozess, sie will etwas schaffen, das bleibt. An Silber hat sie sich lange nicht herangetraut, das schmilzt erst bei knapp tausend Grad, daheim schwierig umzusetzen. „Ich habe gemerkt, diese Lust lässt mich nicht los“, sagt sie. „Also habe ich angefangen zu sparen und mich informiert, wo ich sowas lernen kann.“

Kunden zahlen die Arbeit, nicht nur das Material

Während Weitz das erzählt, legt sie das Werkzeug immer wieder aus der Hand, greift dann doch wieder danach, dreht den halbfertigen Ring zwischen den Fingern und prüft ihn im Licht. Sie sitzt hier an ihrem Werktisch, den hat sie auch selbst hergestellt, komplett aus Holz. Noch bevor sie die ersten silbernen Ringe darauf gefertigt hat.

Die Unabhängigkeit von Algorithmen und Software macht für Weitz den Reiz aus, an dem was sie macht. Jeder Ring geht durch ihre Hände, vom Biegen des Silbers bis zum letzten Schliff. „Für einen Ring nehme ich zwischen 80 und 250 Euro“, so Weitz. Meist sei die Arbeitszeit teurer als das Material. „Ich sitze ja schon mal eben vier Stunden an einem Ring“, sagt sie. „Ich würde sagen, ungefähr das Dreifache des Silberpreises ist ein fairer Preis für den Ring.

Ein silberne Ring zwischen zwei Fingern.

Jeder Ring ist echtes HandwerkSvenja Weitz


Das Handwerk kommt zurück

„Als ich vor zwei Jahren die Idee hatte, kam mir das nicht in den Kopf, Handwerk könnte mal wiederkommen“, sagt Weitz. Sie denkt während des Gesprächs häufig zurück, spricht viel über ihre Entscheidung. Wieso sie das macht, ihre Ausbildung. Handgefertigter Schmuck, individuell und nachvollziehbar in seiner Herkunft, trifft inzwischen einen Nerv. Immer mehr Menschen haben genug von Massenware. Wer bei Weitz bestellt, bekommt keinen Ring von der Stange, sondern ein Stück, das Stunde um Stunde von Hand entstanden ist.

Noch ein Jahr und ein paar Monate trennen Svenja Weitz von ihrem Abschluss. Dann ist sie fertig, endlich Goldschmiedin. Sie zieht die Maske wieder über das Gesicht, beugt sich über den Holztisch und greift zur Feile. Zurück zum Ring, zurück zu ihrem Handwerk.


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