Vor ein paar Wochen habe ich eine schlechtere Note bekommen als erwartet. Ich war richtig enttäuscht und hatte eigentlich Angst, mit meiner Lehrerin darüber zu reden, weil ich dachte, sie würde einfach sagen: „Pech gehabt.“ Aber stattdessen hat sie sich nach dem Unterricht wirklich Zeit genommen, mir alles erklärt und sogar gesagt, dass sie merkt, wie viel Mühe ich mir gebe.
Ich weiß noch, dass ich danach eigentlich einfach ehrlich „Danke“ sagen wollte. Nicht dieses automatische Danke, das man ständig sagt, sondern ein echtes. Weil ich wirklich erleichtert war. Aber genau in dem Moment hat es sich plötzlich unangenehm angefühlt. Als würde ich schleimen. Also hab ich einfach nur irgendein komisches „Ja okay danke“ gesagt und bin gegangen.
Nur nicht zu nett zu Lehrern sein
Später ist mir aufgefallen, wie oft das eigentlich passiert. Man will jemandem zeigen, dass man dankbar ist oder etwas schätzt, aber gleichzeitig hat man Angst, dass es falsch rüberkommt. Vor allem in der Schule. Sobald man ein bisschen zu nett zu Lehrern ist oder sich ehrlich bedankt, kommen sofort Kommentare wie „Schleimer“. Deshalb tun viele lieber so, als wäre ihnen alles egal.
Dabei ist es eigentlich traurig, dass Ehrlichkeit manchmal peinlicher wirkt als Gleichgültigkeit.
Ich glaube, viele Menschen verstecken nette Gefühle extra hinter Ironie oder tun absichtlich cooler, weil echte Dankbarkeit verletzlich macht. Wenn man ehrlich zeigt, dass einem etwas wichtig ist, kann man auch enttäuscht werden. Vielleicht sagen wir deshalb oft lieber gar nichts.