Freitagmittag vor dem Pool + Wellness City Megastore in Gerasdorf bei Wien. Der Wind treibt Staub über den Parkplatz und rüttelt an den Werbebannern. Kunden tragen Chlortabletten, Ersatzteile und Wasserpflegemittel zu ihren Autos.
Hinter den Scheiben stapeln sich Kanister mit Poolchemie. Poolroboter ziehen ihre Bahnen durch Vorführbecken. Wer hier einkauft, denkt an den Sommer, an die erste Abkühlung nach einem heißen Arbeitstag, an Kinder, ins Wasser springen.
Der Pool als Selbstverständlichkeit
Seit Jahren streiten Umweltorganisationen, Politiker und Poolbesitzer über Wasserverbrauch und private Swimmingpools. Die Kunden hier haben andere Sorgen: Der pH-Wert, zum Beispiel, und die Frage, ab wann ein Pool groß genug ist, um ein Statussymbol zu sein. Wasserknappheit? Thomas, ein junger Niederösterreicher der mit einer Dose Wasserpflegemittel beim Eingang steht, zuckt mit den Schultern. „Ein Pool gehört sich einfach“, sagt er ins campus a Mikrophon. Seine Eltern besitzen einen Fertigpool im Garten. Acht Meter lang, drei Meter breit. Später möchte er selbst einen haben.
Wenige Meter weiter steht Alex. Der Jugendliche kommt gerade mit einem Karton Chlorgranulat aus dem Geschäft. Seine Familie nennt seit Jahren einen einbetonierten Pool ihr eigen. Über Umweltfragen habe er sich dabei nie viele Gedanken gemacht. „Ich wüsste nicht, warum das jetzt so umweltschädlich sein sollte,“ sagt er.
Silvia, eine ältere Dame aus Wien besitzt ein ansehnliches Becken mit 80.000 Litern Fassungsvermögen. Es entstand 1980 gemeinsam mit dem Haus. Als ihre Kinder klein waren, verbrachten sie dort fast jeden Sommertag. „Natürlich muss man mit Wasser sorgsam umgehen“, sagt sie. Einen politischen Eingriff hält sie trotzdem für unnötig. „Wir haben in Österreich genug Wasser.“
Ein Pool voller Zahlen
Mit dieser Ansicht steht Silvia nicht allein da. Vor dem Poolfachmarkt in Gerasdorf hören sich die Antworten an diesem Nachmittag ähnlich an. Stimmen sie?
Der Poolmarkt boomte laut dem Verband der Schwimmbadwirtschaft (ÖVS) insbesondere während der Corona-Pandemie, als viele Österreicher ihren Urlaub in den eigenen Garten verlegten. Nach Schätzungen des Branchenverbands gibt es österreichweit rund 250.000 private Pools sowie weitere 230.000 Kleinbecken und Naturpools. Ein klassischer Pool mit acht mal vier Metern benötigt rund 50.000 Liter Wasser. Das entspricht ungefähr dem Jahresverbrauch eines Vier-Personen-Haushalts.
„Österreich wird keine Wüste werden“, sagt Sebastian Theissing-Matei von Greenpeace Österreich im Interview mit campus a. Längere Trockenperioden und häufigere Hitzewellen würden den Druck auf Grundwasserreserven dennoch erhöhen. Vor allem im Osten und Süden des Landes könnten dadurch Konflikte um die Nutzung von Wasser häufiger werden. Während trockener Sommer geraten einzelne Gemeinden bereits heute unter Druck.
Wenn alle gleichzeitig Wasser wollen
Wenn tausende Poolbesitzer ihre Becken an den ersten warmen Frühlingstagen befüllen, stoßen lokale Leitungsnetze an ihre Grenzen. In Kärnten dürfen Bürgermeister seit 2023 Poolbefüllungen sogar vorsorglich verbieten. Wer sich nicht daran hält, riskiert Strafen von bis zu 2.180 Euro.
In der Gemeinde Kraubath an der Mur in der Obersteiermark müssen Poolbesitzer ihre Befüllung vorab online anmelden. Die Gemeinde führt dafür einen eigenen Poolkalender. Wer Wasser in sein Becken lassen möchte, reserviert einen Termin und trägt die gewünschte Wassermenge ein. Nach einer Trockenperiode im Jahr 2003 wollte die Gemeinde verhindern, dass zu viele Pools gleichzeitig befüllt werden und das Trinkwassernetz unter Druck gerät. Fast jeder fünfte Haushalt besitzt dort einen Pool. Trotzdem funktioniert das System laut Gemeinde weitgehend ohne Streit, Verbote oder Kontrollen.
Privatsache Pool
Claudio hat sein Pool nicht selbst gebaut. Das Becken gehörte seinem Schwiegervater. Nach dessen Tod ging das Haus samt Pool an ihn und den Rest der Familie über. Die Umweltdebatte verfolgt er durchaus. „Ich würde heute aufgrund der Kosten-Nutzen-Rechnung keinen neuen Pool errichten,“ sagt er.
Den bestehenden möchte er aber behalten. Einen staatlichen Eingriff lehnt auch er ab. „Das ist Privatsache.“
So denken die meisten Poolbesitzer. Ein Pool, ja oder nein, das ist für sie wie die Frage, welche Blumen im Garten wachsen oder welche Farbe die Gartenmöbel haben sollen.
Herbert hat erst vor kurzem einen Whirlpool gekauft. Er will heute nur ein Reinigungsmittel umtauschen. Sein Garten sei zu klein für einen richtigen Pool, erzählt er. Mehr als ein Jacuzzi passe nicht hinein. Als das Gespräch auf den Wasserverbrauch kommt, wird er dann doch nachdenklich. Er könne seinen Whirlpool mit Brunnenwasser füllen, meint er. Tut er aber nie. „Diesen Luxus leiste ich mir eben“, sagt er.
Die Gegenrede der Poolbranche
Auch der Präsident des ÖSV, Wolfgang Grabner, hält wenig überraschend die Kritik an den Privatpools für überzogen. Nach Angaben des Verbandes entfallen nur 2,1 Prozent des österreichischen Trinkwasserverbrauchs auf private Pools. „Das Einzige, was wir verlangen können und müssen ist, dass sich die Eigentümer das Wasser dann nehmen, wenn es auch da ist“, sagt Grabner im campus a Interview.
In der öffentlichen Debatte würden Poolbesitzer oft als wohlhabende Minderheit dargestellt, die auf Kosten anderer Wasser verschwende. Pools seien aber längst kein Luxusgut mehr, sondern in allen Bevölkerungsschichten verbreitet, so Grabner.
Moderne Anlagen hätten mit den Becken vergangener Jahrzehnte nur noch wenig gemeinsam. Dank modernen Filtersystemen reicht eine Befüllung je Saison, das Wasser zu tauschen ist nicht mehr nötig. Stromsparende Pumpen, isolierende Abdeckungen und Wärmepumpen sollen den Energieverbrauch zusätzlich senken. „Es ist auf jeden Fall möglich, einen Pool mittlerweile sehr nachhaltig zu betreiben“, sagt Grabner.
Auch Greenpeace sieht private Pools nicht als größtes Wasserproblem des Landes. „Allein die VOEST verbraucht fast doppelt so viel Grundwasser wie alle privaten Pools zusammen“, sagt Theissing-Matei. Die Industrie spiele beim Wasserverbrauch in einer anderen Größenordnung.
Vor dem Eingang hebt Claudio seinen Einkauf in den Kofferraum. Dann fährt er nach Hause. Es ist heiß. Der erfrischende Sprung ins kühle Nass naht.
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