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Was SUV-Fahrer in Wien über Klima, Komfort und ihre Autos denken

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Volontär · Universität Wien
02.06.2026
5 Min.
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Redakteur*in · campus a

Was denken sich Autofahrer eigentlich dabei, sich ausgerechnet für einen SUV zu entscheiden? Jedenfalls nichts, das mit dem Klimawandel zu tun hat, ergab eine campus a-Umfrage auf einem Wiener Parkplatz. Man gönnt sich ja sonst nichts, lautet der Tenor, und beim Klima kommt es darauf auch nicht mehr an.

campus a-Umfrage am Parkplatz der SCS: Der gute Überblick auf der Straße, darauf kommt es an. (Foto: Emilia Tilzer)

Die Luft flimmert über dem Asphalt. Fast dreißig Grad zeigt das Thermometer. Wer heute auf dem Parkplatz der Shopping City Süd, kurz SCS unterwegs ist, spürt die Hitze sogar durch die Schuhsohlen. Mehr als 10.000 Stellplätze verteilen sich rund um Österreichs größtes Einkaufszentrum. Zwischen Möbelhäusern, Elektronikmärkten und Modeketten stehen Hunderte Fahrzeuge Stoßstange an Stoßstange.

Schon nach wenigen Minuten fällt auf, welche Fahrzeugklasse hier besonders häufig vertreten ist. BMW X3, VW Tiguan, Porsche Cayenne, Jeep Compass. Die hohen Karosserien prägen das Bild.

Dabei tobt seit Jahren eine Debatte über diese Autos. Umweltorganisationen kritisieren den hohen Energieverbrauch. Städte diskutieren über größere Parkgebühren für schwere Fahrzeuge. Studien zeigen höhere Emissionen und zusätzliche Risiken für Fußgänger und Radfahrer. Gleichzeitig erlebt Österreich einen regelrechten SUV-Boom.

2025 entfielen laut Statistik Austria bereits 143.049 Neuzulassungen auf Geländewagen und SUVs. Das entspricht 50,2 Prozent aller neu zugelassenen Pkw. Vor 15 Jahren lag dieser Anteil noch bei 12,9 Prozent.

Platz für Familie, Arbeit und das Leben dazwischen

campus A hat sich auf dem Parkplatz der SCS umgehört und SUV-Fahrer gefragt, warum sie sich trotz Klimadebatte für diese Fahrzeuge entscheiden.

Vor dem Haupteingang steigt eine junge Frau aus einem weißen Jeep Compass. Vor drei Jahren kaufte sie das Fahrzeug neu. „Ich habe es mir sehr spontan geholt. Ich habe nicht bewusst gesagt, ich möchte einen Jeep Compass haben.“

Ihr waren beim Kauf die CO2-Werte nicht so wichtig, „Mir war die Vollausstattung wichtig. Der Sitz sollte besonders bequem sein, weil ich oft stundenlang unterwegs bin.“

Die Klimadiskussion kennt sie. Verstehen kann sie die Debatte nicht. „Ob man ein kleines oder ein großes Auto fährt, soll jeder selbst entscheiden.“

Wenige Meter weiter schiebt ein Familienvater einen Einkaufswagen voller Getränkekisten Richtung Auto. Auch er fährt einen SUV. Seine Begründung fällt nüchtern aus. „Ich brauche Platz für meine Familie,“ sagt er ins campus a Mikrofon.

Für ihn zählt vor allem die Alltagstauglichkeit. Die Größe des Fahrzeugs betrachtet er als praktische Notwendigkeit. „Ich schau auf mich, auf meine Familie. Die muss Platz haben, die Einkäufe müssen Platz haben.“

Die Klimafrage spielt dabei kaum eine Rolle. „Ob es jetzt ein SUV ist oder eine S Klasse oder ein 7er BMW ist doch ganz egal.“

Immer wieder tauchen an diesem Nachmittag ähnliche Argumente auf. Platz. Komfort. Übersicht. Familienalltag. Berufliche Anforderungen. Kaum jemand spricht über Statussymbole oder Prestige.

Eine Kärntnerin bringt es in wenigen Worten auf den Punkt. „Ich brauche das für die Berge.“

Sie fährt regelmäßig zwischen Wien und Kärnten. Trotzdem bleibt sie bei ihrer Entscheidung. „Manchmal ist es ebenso. Ich muss mit diesem Auto fahren,“ sagt sie.

Der Traum vom Porsche

Ein schwarzer Porsche Cayenne glänzt in der Mittagssonne. Sein Besitzer Christian betrachtet das Fahrzeug mit sichtbarem Stolz.

Warum gerade dieses Auto? „Weil es mein Traumauto ist.“ Mehr Erklärung braucht er kaum. „Einfach das Gefühl, Porsche zu fahren.“

Unter der Woche nutzt er einen Firmenwagen. Die Klimadebatte kennt Christian. Beeinflusst sie sein Verhalten? „Ich glaube nicht, dass ich einer von den Klimasündern bin. Ich fahre nur am Wochenende und da relativ wenig.“

Dann folgt ein Satz, der an diesem Nachmittag immer wieder in ähnlicher Form auftaucht. „Da gibt es glaube ich zig andere Sachen, die schlimmer sind als ein SUV in Wien.“

Auch Robert denkt ähnlich. Er fährt seit 2023 einen BMW X3. „Weil ich den Motor einfach liebe,“ sagt er. Im Gegensatz zu allen anderen Befragten ist ihm die Klimafrage sehr bewusst. Beim Kauf hat er auf moderne Abgaswerte geachtet.

Ob Porsche und BMW: Es zeigt sich ein Motiv, das in wissenschaftlichen Studien häufig auftaucht: Autos erfüllen längst nicht mehr nur einen praktischen Zweck. Sie stehen für Wünsche, Lebensgefühl und persönliche Freiheit.

Warum die Kritik oft ins Leere läuft

Die Argumente der Fahrer unterscheiden sich deutlich von den Argumenten der Experten. Michael Schwendinger beschäftigt sich beim VCÖ seit Jahren mit Mobilität, Verkehr und Energie. Der VCÖ ist eine gemeinwohlorientierte Organisation, die zu Verkehrs-, Mobilitäts- und Klimathemen forscht.

Für Schwendinger beginnt die Erklärung des SUV-Booms bereits lange vor dem eigentlichen Kauf.  „Werbung und die Angebotspalette spielen beim Autokauf eine große Rolle. Hier geht der Trend seitens der Auto Konzerne stark in Richtung SUV,“ erklärt er im Interview mit campus a.

Dazu kommt ein psychologischer Effekt. „Viele SUV sind zudem Hybride, was Konsumentinnen und Konsumenten ein Mindestmaß an Klimaverträglichkeit suggeriert.“ Das sei aber ein Trugschluss. Ein hybrider SUV kann zwar klimafreundlicher sein als ein reiner Verbrenner-SUV, ist aber trotzdem noch schädlicher als ein Kleinwagen.

Das Sicherheitsgefühl spielt für die meisten Käufer ebenfalls eine Rolle. Laut Schwendinger gilt das allerdings vor allem für die Insassen selbst. Für andere Verkehrsteilnehmer können SUVs sogar gefährlicher sein. Das höhere Gewicht und die hohe Frontpartie erhöhen bei Unfällen das Verletzungsrisiko. Eine internationale Auswertung von 24 Studien kommt zu dem Ergebnis, dass Fußgänger und Radfahrer bei einer Kollision mit einem SUV ein um 44 Prozent höheres Risiko haben, tödlich verletzt zu werden. Bei Kindern steigt dieses Risiko sogar um 82 Prozent.

Auch beim Verbrauch schneiden SUVs meist schlechter ab als kleinere Fahrzeuge. Während ein Hyundai i20 laut Green NCAP, eine Organisation die Fahrzeuge auf Verbrauch, Emisson und Energieeffizienz testet, durchschnittlich 5,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer benötigt, verbraucht ein VW T Roc SUV rund 6,8 Liter. Entsprechend fallen auch die CO2-Emissionen höher aus.

Die Auswirkungen reichen weit über einzelne Fahrzeuge hinaus. Weltweit waren 2023 bereits mehr als 360 Millionen SUVs unterwegs. Laut Internationaler Energieagentur verursachten sie zusammen rund eine Milliarde Tonnen CO2. Damit zählen SUVs mittlerweile zu einem bedeutenden Faktor bei den weltweiten Treibhausgasemissionen.

Zwischen Expertenwissen und Alltagslogik

Trotz all dieser Zahlen stößt die Kritik bei vielen Fahrern auf Skepsis.

Eine Hybridfahrerin winkt ab. „Einmal war der Diesel freundlich fürs Klima, jetzt ist der SUV schlecht. Die sagen doch ständig was anderes. Von daher ist es mir ehrlicherweise egal.“

Ein ungarischer Fahrer verweist lieber auf andere Verkehrsmittel. „Flugzeuge und Boote sind die Umweltkiller, nicht die Autos.“

„Verkehr wird so emotional wie nur wenige andere Themen diskutiert,“ sagt Schwendinger. „Wir alle nutzen Transportmittel. Deswegen halten wir uns alle für Alltagsexpertinnen und Alltagsexperten.“

Diese Alltagslogik begegnet einem auf dem Parkplatz der Shopping City Süd an jeder Ecke. Während Fachleute über Flottenemissionen, Lebenszyklusanalysen und Verkehrssicherheit sprechen, beschäftigt die Fahrer ihre Familie, ihre Arbeitswege, ihre Urlaubspläne und manchmal auch ein Kindheitstraum in Form eines Porsche Cayenne.




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