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Welt-Alzheimertag am 21. September: Ein Blick ins Gehirn

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Volontär · Medizinische Universität Wien
11.09.2026
3 Min.

Am 21. September ist Welt-Alzheimertag. Primaria Assoc.-Profin PDin Drin Tatjana Traub-Weidinger, Vorständin der Abteilung für nuklearmedizinische Diagnostik und Therapie in der Klinik Donaustadt, spricht mit campus a über den Stand der Alzheimerforschung und welchen Beitrag das Amyloid-PET/CT zur Alzheimer-Diagnose und Therapie leistet

 

Erhöhte kortikale Amyloid Aufnahme (PET-CT), erst nach Zusammenschau mit der Klinik vereinbar mit Alzheimer-Krankheit. (Foto: S. Mirzaei)

campus a: Am 21. September ist Welt-Alzheimertag. Alzheimer ist die häufigste Ursache einer Demenz. Können Sie uns eingangs kurz erläutern, was bei dieser Erkrankung im Gehirn passiert?

Tatjana Traub-Weidinger: Bei der Alzheimer-Krankheit handelt es sich um ein komplexes Geschehen. Es kommt über viele Jahre hinweg zu einer fehlerhaften Faltung und Ablagerung von Eiweißen, vor allem von sogenannten Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen. Diese Ablagerungen lösen, soweit wir heute wissen, im Gehirngewebe gemeinsam mit weiteren Faktoren wie entzündlichen Prozessen eine Kaskade aus, die zu einer Beeinträchtigung des Stoffwechsels der Nervenzellen und letztlich zu deren Absterben führt. Klinisch zeigt sich das in Gedächtnisverlust, Orientierungsstörungen und Verhaltensänderungen. Die klinischen Symptome treten allerdings oft erst Jahre nach Beginn solcher Eiweißablagerungen auf.

Das Thema ist momentan sehr brisant, da in Europa nun erstmals neuartige Antikörpertherapien zugelassen wurden. Was bewirken diese Medikamente?

Da handelt es sich um einen echten Paradigmenwechsel. Bisher eingesetzte Medikamente konnten nur Symptome lindern. Die neuen monoklonalen Antikörper wie Lecanemab oder Donanemab greifen erstmals direkt in den Krankheitsmechanismus ein, indem sie gezielt die schädlichen Amyloid-Plaques aus dem Gehirn entfernen und so das Fortschreiten im Frühstadium der Erkrankung verlangsamen können. Damit diese antidementiven Therapien aber überhaupt eingesetzt werden dürfen, ist der zweifelsfreie Nachweis einer Amyloidpathologie im Gehirn eine zwingende Voraussetzung.

Hier kommt die Nuklearmedizin ins Spiel. Welchen Stellenwert hat die Amyloid-PET/CT bei dieser Abklärung?

Das Amyloid-PET/CT ist ein hochpräzises bildgebendes Verfahren, mit dem wir diese Eiweiß-Plaques im Gehirn bildlich erfassen können. Die Amyloidpathologie lässt sich zwar alternativ auch biochemisch im Nervenwasser (Liquor) nachweisen, aber die Amyloid-PET/CT bietet den entscheidenden Vorteil, dass sie uns die exakte Ausprägung und Verteilung der Ablagerungen im Gehirn schmerzfrei und ohne Lumbalpunktion vor Augen führt.

Das klingt nach einer eindeutigen Diagnostik: Sieht man Amyloid-Plaques im PET/CT, hat der Patient also Alzheimer?

Ganz klar: Nein. Und das ist ein zentraler Punkt, der oft missverstanden wird. Ein positiver Amyloid-PET/CT-Befund ist zwar ein obligatorisches, also zwingend notwendiges, Puzzleteil für die Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung, aber ein zerebraler pathologischer Amyloidnachweis alleine, bestimmt nicht gleich die Diagnose dieser Erkrankung.

Warum reicht der reine Nachweis dieser Plaques im Gehirn durch PET/CT nicht aus?

Zum einen finden wir Amyloid-Ablagerungen auch bei älteren Menschen, die kognitiv unauffällig sind und keinerlei Symptome zeigen. Zum anderen kann eine zerebrale Amyloid-Positivität auch bei anderen neurodegenerativen Erkrankungen vorliegen, wie etwa bei der Lewy-Körperchen-Demenz oder bei zerebralen Gefäßveränderungen (sogenannte Amyloid-Angiopathien). Amyloid im Gehirn zu haben bedeutet also nicht automatisch, dass man an einer Alzheimer-Erkrankung leidet.

Welcher weiteren Bausteine bedarf es also für eine gesicherte Diagnose?

Es braucht immer das Gesamtbild. Erstens müssen objektivierbare klinische Symptome vorliegen, die durch neuropsychologische Tests erfasst werden. Zweitens müssen andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden. Und drittens betrachtet man neben dem Amyloid-Eiweiß oft weitere Biomarker, etwa Tau.

Das Amyloid-PET/CT liefert also den biologischen Nachweis der Plaques, aber die Diagnose stellt der Arzt im Gesamtzusammenhang?

Exakt. Die Bildgebung zeigt uns die pathologische Amyloidlast im Gehirn. Ob daraus eine klinisch definierte Alzheimer-Erkrankung wird, entscheidet die Kombination aus dieser Pathologie und den Beschwerden des Patienten. Das PET/CT ist somit eine äußerst wertvolle Option zum Nachweis der Amyloidpathologie, fügt sich aber stets als Teil in ein vielschichtiges diagnostisches Mosaik ein.

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