Wien. Milch, Brot, Obst und Gemüse gehören zu den Produkten, die bei vielen Menschen regelmäßig im Einkaufswagen landen. Doch der tägliche Einkauf belastet das Haushaltsbudget deutlich stärker als noch vor einigen Jahren. Seit Anfang 2020 sind die Preise für Nahrungsmittel in Österreich insgesamt um rund 34 Prozent gestiegen. Im Jahr 2025 verteuerten sich Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke nochmals um durchschnittlich 3,7 Prozent.
Ab dem 1. Juli 2026 soll deshalb die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von zehn auf 4,9 Prozent sinken. Betroffen sind unter anderem Milch, Joghurt, Butter, Eier, Brot, Reis, Nudeln, Mehl sowie viele Obst- und Gemüsesorten. Die Regierung möchte damit besonders jene Haushalte unterstützen, die einen großen Teil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssen.
Rund 500 Euro monatlich für Lebensmittel
Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt gibt insgesamt rund 4.170 Euro pro Monat aus. Etwa zwölf Prozent der Ausgaben entfallen auf Lebensmittel und alkoholfreie Getränke. Das entspricht ungefähr 500 Euro monatlich.
Allerdings gilt die niedrigere Mehrwertsteuer nicht für den gesamten Lebensmitteleinkauf. Fleisch, Fisch, Käse, Kaffee, Süßigkeiten oder Getränke sind beispielsweise nicht vollständig von der Maßnahme umfasst. Deshalb kann nicht einfach die gesamte monatliche Lebensmittelausgabe als Grundlage für die Ersparnis verwendet werden.
Wenige Euro Ersparnis pro Monat
Wird die Steuersenkung vollständig an die Kundinnen und Kunden weitergegeben, können die betroffenen Produkte theoretisch um rund 4,6 Prozent günstiger werden. Ein Produkt, das bisher inklusive zehn Prozent Mehrwertsteuer 11 Euro kostet, würde bei einem unveränderten Nettopreis künftig rund 10,49 Euro kosten. Die Ersparnis beträgt somit 51 Cent.
Nach Berechnungen des Budgetdienstes des österreichischen Parlaments spart ein durchschnittlicher Haushalt durch die Maßnahme etwa 100 Euro pro Jahr. Das sind rund 8,30 Euro im Monat. Ein Einpersonenhaushalt wird im Durchschnitt um etwa 45 Euro jährlich entlastet, also um weniger als vier Euro pro Monat. Haushalte mit fünf oder mehr Personen könnten rund 119 Euro pro Jahr beziehungsweise knapp zehn Euro monatlich sparen.
Für größere Familien ist die Ersparnis somit höher, weil sie insgesamt mehr Lebensmittel einkaufen. Im Verhältnis zum Einkommen profitieren jedoch besonders Haushalte mit niedrigen Einkommen, da sie einen größeren Anteil ihres Budgets für Nahrung ausgeben müssen.
Senkung muss weitergegeben werden
Eine niedrigere Steuer bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Preise im gleichen Ausmaß fallen. Supermärkte und Hersteller könnten einen Teil der Ersparnis behalten oder gleichzeitig gestiegene Energie-, Personal- und Transportkosten einrechnen. Entscheidend ist daher, ob der Handel die Steuersenkung tatsächlich vollständig an die Kundinnen und Kunden weitergibt.
Der Budgetdienst rechnet damit, dass die Maßnahme den Staat rund 400 Millionen Euro pro Jahr kostet. Bei einer vollständigen Weitergabe könnte sie die österreichische Inflationsrate um etwa 0,15 Prozentpunkte senken. Die Auswirkungen auf die gesamte Teuerung bleiben damit begrenzt.
Spanien als mögliches Vorbild
Auch Spanien senkte Anfang 2023 die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Lebensmittel. Bei Brot, Milch, Eiern, Obst und Gemüse wurde sie vorübergehend von vier auf null Prozent reduziert. Bei Nudeln und Speiseöl sank sie von zehn auf fünf Prozent.
Eine Untersuchung der spanischen Zentralbank, bei der täglich rund 10.000 Supermarktpreise ausgewertet wurden, kam zu dem Ergebnis, dass die Steuersenkung bei dem untersuchten Händler fast vollständig an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben wurde. Bei manchen Produkten dauerte es jedoch mehrere Wochen oder Monate, bis die Senkung vollständig bei den Preisen angekommen war.
Das spanische Beispiel zeigt, dass eine Mehrwertsteuersenkung grundsätzlich wirken kann. Ob dies auch in Österreich gelingt, hängt jedoch davon ab, wie stark der Wettbewerb zwischen den Supermärkten ist und wie genau die Preisentwicklung kontrolliert wird.
Kontrolle entscheidet über Erfolg
Verbraucherschützerinnen und Verbraucherschützer fordern deshalb, die Preise der betroffenen Produkte vor und nach dem 1. Juli genau zu vergleichen. Nur so lässt sich feststellen, ob die Entlastung wirklich bei den Kundinnen und Kunden ankommt oder teilweise von Unternehmen einbehalten wird.
Die Senkung der Mehrwertsteuer ist ein Schritt gegen die hohen Lebensmittelpreise. Sie kann Haushalte entlasten, wird das Problem der Teuerung aber nicht allein lösen. Für einen durchschnittlichen Haushalt bleiben voraussichtlich nur wenige Euro mehr pro Monat übrig. Entscheidend wird daher sein, ob die Preise tatsächlich sinken und die Maßnahme jene Menschen erreicht, die beim täglichen Einkauf besonders genau rechnen müssen.