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Wenn Mütter alles allein stemmen und Väter einfach aussteigen

Wenn sich Eltern trennen, bleibt oft eines gleich: Die Mutter trägt weiter die Verantwortung, nur ohne Partner und ohne Pause.

Ein leiser, inniger Moment zwischen Mutter und Kind ist unbezahlbar. (Foto: Bild: KI-generiert)

Während manche Väter nach einer Trennung neu anfangen, bleibt für viele Frauen der Alltag derselbe, nur mit doppelter Last. Sie kümmern sich um Kinder, Haushalt, Arbeit und emotionale Bedürfnisse, oft ohne Unterstützung. Selbst im Jahr 2026 gilt es für Frauen weiterhin als selbstverständlich, diese Aufgaben zu übernehmen.

Offensichtliche Ungerechtigkeiten

Warum dürfen Väter Verantwortung ablegen, während Mütter weiterhin funktionieren und sich dabei selbst zurückstellen müssen? Obwohl Gleichberechtigung ein breit diskutiertes Thema ist, zeigt sich im Alltag oft ein anderes Bild. Nach einer Trennung übernehmen viele Mütter den Großteil der Betreuung, während Väter deutlich weniger Alltagsverantwortung tragen. Einige bleiben engagiert und präsent. Doch manche Väter lösen sich nicht nur aus der Partnerschaft, sondern auch aus der Beziehung zu ihren Kindern. 

Für die Kinder ist das oft besonders schmerzhaft. Der Papa, der sich jahrelang gekümmert, gesorgt und gespielt hat, scheint sich plötzlich nicht mehr dafür zu interessieren. Dieses Erlebnis hinterlässt Spuren, und viele Kinder verstehen nicht, warum jemand, der sie doch geliebt hat, sie einfach verlässt.

Zurück bleiben Frauen, die funktionieren müssen. Am Ende des Tages fehlen oft Kraft und Zeit für sich selbst. 

Die Mütter tragen täglich die Emotionen ihrer Kinder mit. Sie spüren jede Veränderung, jede Enttäuschung, jede Unsicherheit. Sie durchleben jede Phase der Gefühle ihrer Kinder, vom Kummer bis zur Hoffnung, und versuchen, stark zu bleiben, auch wenn sie selbst müde sind.

Die Aussagen von Hakima Hopfgartner, Expertin für psychosoziale und Elternberatung, verdeutlichen eine strukturelle Überlastung von Müttern. „Während Work-Life-Balance meist im beruflichen Kontext diskutiert wird, bleibt die Realität vieler Mütter unsichtbar“, sagt sie. Mütter übernehmen parallel Betreuung, Organisation des Familienalltags, emotionale Begleitung und Krisenbewältigung, oft ohne geregelte Pausen oder ausreichende gesellschaftliche Anerkennung. Von Frauen erwartet das Umfeld Stärke, unabhängig vom eigenen Zustand. Klagen gilt schnell als Schwäche. Dabei zeigt gerade diese Überforderung, wie groß die tägliche Verantwortung ist.

Finanzielle Grenzen

Hinzu kommt die finanzielle Belastung. Viele geschiedene Frauen arbeiteten jahrelang Teilzeit oder pausierten zugunsten der Familie. Nach einer Trennung fehlt wirtschaftliche Sicherheit. Das Einkommen reicht häufig kaum für den Alltag.

Juristisch scheint vieles geregelt, im Alltag zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Juristin Petra Baischer, Familienberaterin beim Bezirksgericht Braunau, erklärt: „Rechtliche Vereinbarungen existieren zwar, ihre Umsetzung scheitert jedoch häufig an fehlender Verlässlichkeit sowie an der mangelnden Trennung zwischen Paarebene und Elternebene.“ Erschwerend komme oft eine finanziell belastende Situation hinzu. Auf dem Papier wirke vieles fair, im täglichen Leben bleibe die Hauptverantwortung für die Kindererziehung jedoch häufig bei einer Person.

Verantwortung darf keine Option sein. Kinder brauchen beide Eltern. Präsenz im Leben eines Kindes endet nicht mit einer Trennung. Frauen sollten nicht länger die stillen Trägerinnen eines Systems bleiben, das ihre Belastung als Normalität behandelt.

Für Kinder zählt weniger, was Erwachsene vereinbaren, sondern wer für sie da ist. Sie erleben den Alltag in Wiederholungen, wer morgens mit ihnen aufsteht, wer sie abholt, wer zuhört. Bleibt diese Präsenz aus, suchen Kinder nach Erklärungen, oft bei sich selbst. Präsenz gibt Sicherheit, ihr Fehlen hinterlässt Fragen, die lange bleiben und prägen.