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Wenn Schule krank macht: Warum mentale Gesundheit endlich ein Unterrichtsthema werden muss

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19.06.2026
4 Min.

Leistungsdruck, Prüfungen, Zukunftsängste und ständige Vergleiche auf Social Media: Viele Jugendliche stehen heute unter großem Druck. Trotzdem wird in der Schule oft mehr darüber gesprochen, wie man gute Noten schreibt, als darüber, wie man mit Stress, Überforderung oder Angst umgeht. Dabei zeigen aktuelle Studien deutlich: Psychische Gesundheit betrifft nicht nur einzelne Schülerinnen und Schüler, sondern ganze Klassen. Deshalb sollte Mental Health in der Schule viel mehr Platz bekommen.

Sollten wir in der Schule nicht auch über mentale Gesunheit lernen? (Foto: Shutterstock)

Für viele Jugendliche beginnt der Tag schon mit Stress. Noch vor der ersten Stunde beantworten sie Nachrichten, vergleichen Hausübungen und besprechen Noten. Danach folgen Tests, Schularbeiten, Referate und die ständige Frage, was nach der Schule kommen soll. Wer dabei überfordert ist, spricht oft nicht darüber.

Dabei wäre genau das wichtig. Psychische Belastungen sind kein Zeichen von Schwäche. Trotzdem schämen sich viele Jugendliche, wenn es ihnen nicht gut geht. Manche haben Angst, nicht ernst genommen zu werden. Andere wollen ihre Eltern oder Freunde nicht belasten. So bleiben Probleme oft lange unsichtbar.

Dass es sich dabei nicht nur um ein Gefühl handelt, zeigen Zahlen aus der österreichischen HBSC Studie zur Gesundheit von Schülerinnen und Schülern. Laut den Daten aus den Jahren 2021 und 2022 leiden 22 Prozent der Mädchen und 10 Prozent der Burschen möglicherweise an einer depressiven Verstimmung oder Depression. Noch deutlicher wird der Unterschied bei einzelnen Beschwerden: 35 Prozent der Mädchen und 18 Prozent der Burschen sind häufig nervös. 29 Prozent der Mädchen und 17 Prozent der Burschen machen sich häufig Sorgen um ihre Zukunft. Auch häufige Angst tritt bei 29 Prozent der Mädchen und 9 Prozent der Burschen auf.

Diese Zahlen zeigen: Psychische Belastung ist kein Randthema. In jeder größeren Klasse kann es mehrere Jugendliche geben, denen es innerlich deutlich schlechter geht, als man von außen erkennt.

Schule sieht oft nur die Leistung

In der Schule zählt meistens, was messbar ist: Noten, Mitarbeit, Anwesenheit und Ergebnisse. Wie es einer Person wirklich geht, bleibt dabei häufig im Hintergrund. Eine Schülerin kann gute Noten schreiben und trotzdem innerlich völlig erschöpft sein. Ein Schüler kann ruhig wirken, obwohl er sich jeden Tag stark unter Druck setzt.

Genau deshalb reicht es nicht, erst dann zu reagieren, wenn jemand gar nicht mehr kann. Schulen sollten früher ansetzen. Es müsste normal sein, über Stress, Schlaf, Prüfungsangst und mentale Gesundheit zu sprechen. Nicht nur an einem Projekttag, sondern regelmäßig.

Auch international zeigt sich, dass der Druck eher größer als kleiner wird. Die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet auf Basis der HBSC-Daten, dass sich der Schuldruck besonders bei älteren Mädchen erhöht hat. Bei 15 jährigen Mädchen stieg der Anteil jener, die sich durch die Schule unter Druck gesetzt fühlen, von 54 Prozent im Jahr 2018 auf 63 Prozent im Jahr 2022. Bei Burschen im selben Alter stieg der Wert nur leicht von 40 auf 43 Prozent. Das zeigt, dass sich die Situation nicht einfach von selbst verbessert.

Mehr Wissen würde vielen helfen

Viele Jugendliche wissen gar nicht, wie sie Warnzeichen erkennen können. Sie merken nur, dass sie schlecht schlafen, keine Motivation mehr haben oder ständig gereizt sind. Wenn wir in der Schule lernen würden, was Stress im Körper auslöst und welche Strategien helfen können, wäre das für viele sehr wertvoll.

Laut Gesundheit.gv.at können in der Schule vor allem Leistungsdruck, Überlastung, Konflikte, Schularbeiten, Tests, Konkurrenzdruck und ein schlechtes Klassenklima zu starkem Stress führen. Genau deshalb müsste Schule nicht nur Wissen abprüfen, sondern auch zeigen, wie man mit solchen Belastungen umgehen kann.

Expertinnen und Experten nennen dabei immer wieder drei besonders wichtige Punkte. Erstens: offen über Belastungen sprechen, bevor sie zu groß werden. Zweitens: Lebenskompetenzen stärken, also zum Beispiel lernen, Probleme zu lösen, Hilfe zu holen und Gefühle einzuordnen. Drittens: ein gutes Klassenklima schaffen, weil Unterstützung, Wertschätzung und faire Behandlung psychische Gesundheit deutlich stärken können.

Dazu gehören einfache Dinge: Pausen machen, Hilfe holen, offen sprechen, Prioritäten setzen und nicht alles allein schaffen müssen. Auch Lehrkräfte sollten besser darin geschult werden, psychische Belastungen zu erkennen und richtig zu reagieren.

Reden allein reicht nicht

Natürlich kann Schule nicht alle Probleme lösen. Sie kann keine Therapie ersetzen. Aber sie kann ein Ort sein, an dem Jugendliche merken, dass sie nicht allein sind. Dafür braucht es Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, Vertrauenspersonen und genug Zeit für Gespräche.

Gerade hier ist wichtig, dass Hilfe leicht erreichbar ist. Die österreichische Schulpsychologie ist eine Beratungseinrichtung für Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen. Unterstützung kann über die Schule vermittelt werden, aber auch direkt über die zuständige Beratungsstelle. Das sollte viel bekannter sein, denn viele Jugendliche wissen gar nicht, wohin sie sich wenden können.

Wenn eine Schule nur Leistung fordert, aber keine Unterstützung bietet, wird sie für manche Jugendliche zu einer zusätzlichen Belastung. Bildung sollte jedoch nicht krank machen, sondern Menschen stärken.

Wichtig für die Zukunft

Psychische Gesundheit gehört genauso zur Allgemeinbildung wie Ernährung, Bewegung oder politische Bildung. Wer lernt, mit Belastungen umzugehen, hat davon ein Leben lang etwas. Es geht nicht darum, Prüfungen abzuschaffen oder Leistung unwichtig zu machen. Es geht darum, junge Menschen nicht nur nach ihren Noten zu beurteilen.

Deshalb sollte Mental Health fest im Schulalltag verankert werden. Jugendliche brauchen nicht nur Wissen für Prüfungen, sondern auch Werkzeuge für das echte Leben. Und dazu gehört vor allem die Fähigkeit, auf sich selbst und andere zu achten.