- Profis bereiten sich akribisch vor
- 1.500 Euro pro Jackpot
- Der Quizmaster überlegt sich alle Fragen selbst
- Tägliche Spielmöglichkeiten in Wien
„Wenn ihr zum ersten Mal hier seid, wird es schwierig.” Ich stehe mit Quizmaster Matthias vor dem Eingang des Isaac’s in der Schubertgasse. Hier wird heute Abend das wöchentliche Pub Quiz stattfinden. Auch im normalen Gespräch klingt Matthias wie ein Moderator. Längere Haare, ein SK Rapid- Shirt und die Hände lässig in den Hosentaschen steht er vor mir. Mit sichtlicher Begeisterung erzählt er von seinem Job, den er eher als Hobby sieht. „Ich würde sagen, es sind vorrangig Studenten, die mitspielen. Studenten und ehemalige Studenten.” meint er belustigt, als wir nach dem stereotypischen Pub-Quiz-Spieler fragen. „Jetzt muss ich aber auch rein, es geht ja gleich los."
Jeden Montag im Pub
Nico spielt seit 2020 regelmäßig das Pub Quiz im Issac’s, jeden Montag. „Das war meine erste Aktivität, als ich nach Wien kam. Es hat mir geholfen, hier Anschluss zu finden”, erzählt er. Nico kam spät dazu. Nora und Flo haben das Team 2014 schon gegründet. „Es versüßt dir den Montag, wenn du weißt, dass abends das Pub auf dich wartet.”
Die Stammteams bleiben ihrem Lokal seit Jahren treu. Sowohl im Club Berlin als auch im Issac’s sind wöchentlich dieselben Gäste anzutreffen. Um zu gewinnen, bedarf es guter Vorbereitung: Die Profis lesen Wikipedia-Artikel, schauen ORF On, blättern täglich die Zeitung durch und sind bei tagesaktuellen Nachrichten stets auf dem neuesten Stand. Es sei wichtig, gemeinsam diskutieren zu können. Viele Dinge könne man sich so herleiten. „Wenn jeder ein paar Ressorts abdeckt und jeder in einem anderen Bereich besonders gut ist, hilft das sehr”, erklärt Nora.
Wer alle Fragen richtig beantwortet hat, gewinnt den Jackpot. Bis zu 1.500 Euro landen dann an einem Abend im Geldbeutel. Einmal haben ihn Nora und ihre Gruppe abgeräumt. Der Gewinn? Ging komplett für Alkohol drauf.
Der Quizmaster hat immer recht
Matthias ist seit 2014 Quizmaster im Issac’s. Er moderiert und organisiert das Spiel, denkt sich alle Fragen aus. „Manchmal kommt mir im Gespräch ein Gedanke. Den schreibe ich dann immer gleich auf. Ansonsten recherchiere ich auf Wikipedia. Das ist heutzutage eine vergleichsweise vertrauenswürdige Quelle.”
Ich frage nach der Stimmung unter den Spielenden. „Es geht schon gesittet zu”, sagt er, „aber manche nehmen das Ganze sehr ernst.” Streitereien um die richtige Antwort gäbe es immer wieder. Manchmal hilft da auch die Spielregel nicht, die ganz oben auf unserem Quizzettel steht: „Der Quizmaster hat immer recht.”
Hauptberuflich als Quizmoderator arbeiten? Das gehe sich nicht aus, sagt Matthias. Lokale zahlen 100 bis 150 Euro pro Abend, manche auch weniger. „Je nachdem, was man verhandeln kann”, sagt Matthias und lacht. „Es ist mehr Hobby als Job.”
Wer das erste Mal mitspielt, hat keine Chance. Es ist wichtig, ein Gefühl für die Art der Fragen zu entwickeln. Zwischen Fragen und Songs gibt es einen Zusammenhang, der ist aber nicht sofort erkennbar. „Viele Teams sind anfangs schwach, entwickeln sich aber nach einigen Runden zu Top-Spielern”, sagt Matthias. Es gehöre einfach viel Geduld und Übung dazu.
Matthias greift jetzt zum dritten Mal nach dem Mikrofon. Krachend tönt die nächste Frage durch die Lautsprecher. „Was ist die Heimatstadt von Christian Stocker?” Die Teams um uns herum flüstern, Stifte flitzen über das Papier. Dann setzt der Bass erneut ein. Musikpause, dann kommt schon die nächste Frage.
Tradition ohne Regeln
Das Pub Quiz etablierte sich in den 1970ern in Großbritannien. Wer die Tradition ernst nahm, traf sich einmal die Woche in der Stammkneipe, um eine Runde zu spielen. Die Hälfte aller irischen und britischen Pubs richten das Spiel mittlerweile regelmäßig aus. Das sind über 40.000 Lokale, die zur Auswahl stehen, so Statista und der britische Guardian.
Klare Regeln gibt es keine, jedes Pub spielt das Quiz anders. Auch die Kategorien variieren. Die Fragen sind klassischerweise themenübergreifend: sie drehen sich um Popkultur, Musik, Sport, Geografie und Wissenschaft. Auch themenspezifische Quizze gibt es immer wieder: The thing with Sparks bietet beispielsweise filmspezifische Quizze zu Inhalten wie Avatar oder Bridgerton an.
Matthias nähert sich bereits der letzten Frage. Zwanzig sind es insgesamt. In unserer Liste sind noch einige Lücken zu füllen. Unauffällig lehne ich mich nach hinten, um die Diskussionen der Gruppe neben uns hören. Leider sind auch sie sich uneinig bei der Frage, wie viele Zimmer es im Schloss Schönbrunn gibt.
Überall in Wien
„Für alle, die Hirn, Humor und Hopfen gerne kombinieren”, schreibt das Wiener Lokal Centimeter. Das Pub Quiz gibt es längst nicht mehr nur im traditionellen Irish Pub. Zahlreiche Bars und Wirtshäuser veranstalten mittlerweile ihre eigene Quiz-Nacht.
Im Issac’s findet das Quiz jeden Montag statt. Dienstag bietet sich das Johnny‘s Pub an, Mittwoch das Battle Axe oder das Travel Shack Vienna. Im Club Berlin oder im Pointers können Quizinteressierte donnerstags vorbeischauen. Im Schwarzen Raben gibt es jeden Freitag das „Rabenquiz”, Samstag das Allgemeinwissens-Quiz im Weltcafe. Jeden Sonntag wird in Charlie P’s gerätselt.
Die letzte Frage ist eine Musikfrage. Matthias spielt vier Songs hintereinander ab, wir müssen die Bands erraten. Die letzten Töne von Kiss' Song Do you love me verklingen. Jetzt heißt es warten. Nach einer halben Stunde steht Matthias wieder am Mikrofon. Die Plätze werden von hinten beginnend aufgerufen. Vorletzter Platz: Wir. Klatschen und Jubeln. Manche Gäste sind vom Fußballspiel abgelenkt, das jetzt auf dem großen Bildschirm zwischen den aufgehängten Whiskyflaschen und ikonischen Fotografien läuft.
Die Gewinner werden als Letztes ausgerufen. Abklatschen und strahlende Gesichter. Thomas jubelt, er ist einer der Gewinner. Sein Tipp für Anfänger ist unerwartet. „Das Wichtigste ist, rechtzeitig zu reservieren”, lacht er. So manches Lokal ist schon drei Wochen im Voraus ausgebucht.
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